Zürich
Eine Blechlawine rollt durch Zürich
Von Ruedi Baumann. Aktualisiert am 12.10.2010 9 Kommentare
Artikel zum Thema
- Zürcher kaufen kleinere Autos – die Umwelt profitiert trotzdem nicht
- Das durchschnittlichste aller Zürcher Autos
Grafik vergrössern: Weniger Autos pro Einwohner – mehr Stau auf den Strassen
Im Norden von Zürich gibt es kaum einen Tag ohne Stau
Feinstaub – Dank Bise gute Luft
Die Feinstaubbelastung im Kanton Zürich bewegt sich dieser Tage unter dem Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Erhöhte Werte verzeichnet einzig die Messstation auf dem Jungfraujoch, weil Saharastaub in höheren Luftschichten in die Schweiz gelangt ist. Hansjörg Sommer vom kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft bezeichnet die aktuellen Werte als normal. Dass sich trotz der stabilen Wetterlage der Feinstaub derzeit nicht ansammelt, liegt an der Bise, welche die untersten Luftschichten durchlüftet. Gefördert wird der Luftaustausch zudem, weil die Nebeldecke – wie gestern Nachmittag – aufreisst. Bei Werten über 100 Mikrogramm können die Behörden verbindliche Massnahmen anordnen, etwa Tempo 80 auf Autobahnen.
Stichworte
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an
4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Die Zürcher jammern zwar gern über die Deutschen; wenn es ums Auto geht, schätzen sie jedoch deutsches Handwerk. Gemäss einer gestern veröffentlichten Untersuchung des Statistischen Amtes sieht das Durchschnittsauto eines Zürchers so aus: Hubraum 2,072 Liter, 143 PS stark, 1413 Kilo schwer und deutsch. Mit VW, Opel, BMW, Audi und Mercedes nehmen fünf deutsche Marken die Spitzenplätze ein, deutlich vor Toyota und Renault. Mit 82'000 Fahrzeugen ist jedes achte Auto mit ZH-Nummernschild ein VW. Und unter all den VW ist der Golf mit 23'000 Exemplaren wiederum der weitaus häufigste Wagen – zahlreicher zum Beispiel als alle Volvos zusammen.
Kolonne von Zürich bis Madrid
In seinem Bericht hat Statistiker Thomas Hofer die Datenbank des Zürcher Strassenverkehrsamts analysiert und ist zu brisanten Erkenntnissen gelangt. Seit 2002, dem Datum der ersten derartigen Untersuchung, hat die Zahl der im Kanton Zürich registrierten Personenwagen von 605'000 auf 649'000 zugenommen. Würden alle Zürcher Autos gleichzeitig im Stau stehen, ergäbe das eine zweispurige Blechschlange von Zürich nach Madrid.
Der Zunahme um 7 Prozent steht ein Bevölkerungswachstum im Kanton um 9 Prozent gegenüber. Der Motorisierungsgrad im Kanton Zürich hat also leicht abgenommen. 2002 kamen auf 1000 Zürcher 495 Autos – im letzten Jahr waren es nur noch 489. Zürich ist damit der Kanton mit der viertgeringsten Autodichte in der Schweiz. Nur BS (335), GE (474) und LU (486) liegen noch vor Zürich. Von 1000 Tessinern dagegen haben 606 ein Auto.
Enorme Unterschiede bei der Motorisierung gibt es auch innerhalb des Kantons Zürich. Am autoverrücktesten sind die Neeracher mit 694 Autos auf 1000 Einwohner, am autofeindlichsten die Stadtzürcher mit bloss 362. Mit 408 Autos kommt die Velostadt Winterthur auf den zweiten Platz. Die Schere zwischen Stadt und Land hat sich seit 2002 deutlich geöffnet. Im Weinland hat der Motorisierungsgrad um 6 und im Knonauer Amt um 4 Prozent zugenommen, in der Stadt Zürich dagegen ist er um 9 Prozent zurückgegangen. Grund: In den Ballungsräumen ist der öffentliche Verkehr besser ausgebaut als auf dem Land, während gleichzeitig die Parkplätze knapp und teuer sind.
Auffallend ist auf den ersten Blick die Diskrepanz zwischen der leicht sinkenden Motorisierung und den trotzdem rasant wachsenden Staustunden auf der Zürcher Nordumfahrung. Die Staustunden zwischen Gubrist und Winterthur haben sich seit 2003 verdoppelt, 2009 herrschte vor dem Gubrist an 319 Tagen Stau. Des Rätsels Lösung ist wiederum die Bevölkerungszunahme, in den letzten 20 Jahren um rund 18 Prozent von 1,15 Millionen auf 1,35 Millionen im Kanton Zürich. Rund ein Viertel der Zunahme geht auf den Geburtenüberschuss, drei Viertel auf die Zuwanderung zurück.
Diesel auf dem Vormarsch
Neben dem Trend zu kleineren und leistungsärmeren Motoren fällt auch die markante Zunahme von Dieselmotoren und Hybridantrieben (Kombination von Benzin- und Elektromotor) auf. Heute fahren über 100'000 Zürcher Autos mit Diesel, 2002 waren es erst 30 000. Auch die Zahl der Hybridautos hat sich verdreifacht. Von 3000 Hybridfahrern haben sich 1800 für das Pionierfahrzeug Toyota Prius entschieden. Der Gasantrieb ist gemäss Bericht zahlenmässig praktisch bedeutungslos. Auch reine Elektromobile besetzen mit deutlich unter 100 Fahrzeugen nur eine kleine Nische.
Über den Vormarsch des Dieselmotors sind sich die Fachleute nicht ganz einig. Für den Statistiker Thomas Hofer hat der Dieselmotor bezüglich Effizienz in den letzten Jahren kaum mehr Fortschritte gemacht und zehrt noch von seinem Ruf als Sparmotor. Der Benziner dagegen sei wesentlich sparsamer geworden und nähere sich dem Diesel an. Dieselmotoren würden zudem Russ und Feinstaub ausstossen.
Rolf Grüninger, Chef des Strassenverkehrsamts, dagegen betont, dass Dieselfahrer mit Partikelfilter kein schlechtes Gewissen mehr zu haben brauchten. Dieselmotoren seien zwar effizienter, lohnten sich wegen des höheren Treibstoffpreises aber nur bei höheren Kilometerleistungen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.10.2010, 22:41 Uhr
Kommentar schreiben
9 Kommentare
Dieselfahrer müssen sehr wohl ein schlechtes Gewissen haben, denn Dieselmotoren stossen (auch mit Partikelfilter) viel mehr Stickoxide (NOx) als Benziner aus. NOx ist giftig, zudem fördert es die Bildung von Ozon und sogar Feinstaub. Wer umweltfreundlicher fahren will, der fährt Benzin oder Hybrid, aber bestimmt nicht Diesel! PS: Vom Chef des STVA würde ich etwas mehr Fachkenntnis erwarten... Antworten
des rätsels lösung sind seit 2009 die baustellen, die in der zürcher planung sinnigerweise alle parallel laufen. zudem wurde zürich nie als grossstadt geplant, wenn sie jetzt als solches genutzt wird, ist logisch, dass es zu staus kommt und ohne grosse massnahmen à la haussmann oder cerdà wird sich da kaum was ändern. Antworten
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!



