Zürich
«Eine Nasszelle pro Wohnung reicht»
Von Mirko Plüss, Tina Fassbind. Aktualisiert am 29.11.2011 110 Kommentare
Stadtpräsidentin Corine Mauch.
Die Vorlage
Die Vorlage «Wohnpolitischer Grundsatzartikel in der Gemeindeordnung: Bezahlbare Wohnungen für Zürich» wurde am Sonntag, 27. November 2011 mit einem überwältigendem Mehr von 75,9 Prozent Ja-Stimmen gutgehiessen. Sämtliche Stadtkreise sprachen sich für die Vorlage aus.
Ihre Gegner – darunter die SVP, FDP und die Grünliberalen – wehrten sich gegen die Erhöhung des Anteils von genossenschaftlichen Wohnungen auf 33 Prozent. Die jetzigen 25 Prozent genügten vollends, lautete die Begründung.
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Am vergangenen Abstimmungssonntag hat sich das Stimmvolk deutlich dafür ausgesprochen, dass bis im Jahr 2050 jede dritte Wohnung in der Stadt Zürich einer Genossenschaft gehören soll. Heute Dienstag informiert der Zürcher Stadtrat die Medien über seine künftige Wohnpolitik.
Wie Stadtpräsidentin Corine Mauch im Rahmen der Medienkonferenz mitteilt, wolle der Stadtrat vier Stossrichtungen verfolgen: Er setzt sich für mehr nicht-gewinnorientierten, genossenschaftlichen und kommunalen Wohnungsbau ein, richtet seine wohnpolitischen Massnahmen auf spezifische Zielgruppen aus und misst dem nachhaltigen und sozialverträglichen Umgang mit der Bausubstanz hohe Bedeutung zu. Zudem wolle man künftig den Dialog mit privaten Bauträgern intensivieren und das Gespräch «mit relevanten Akteuren auf dem Wohnungsmarkt» suchen.
Für die Koordination der Zusammenarbeit mit Genossenschaften, Stiftungen und Privaten sorgt eine neue Stadtratsdelegation: Der Wohndelegation gehören Mauch, Vollenwyder und Odermatt an. Neu stellt die Stadt zudem 80 Millionen Franken bereit für eine neue Stiftung für kostengünstige Wohnungen.
Soziale Durchmischung muss gewährleistet sein
Mauch ruft bei dieser Gelegenheit in Erinnerung, dass in den vergangenen 10 Jahren bereits eine hohe Wohnbaudynamik in der Stadt Zürich verzeichnet werden konnte. «In der Stadt gibt es 193'000 Mietwohnungen. Davon ist ein Viertel gemeinnützig, also nicht gewinnorientiert», hält Mauch fest.
Noch immer müsste die tiefste Einkommensgruppe überdurchschnittlich viel für die Miete ausgeben. Hier bestehe in allererster Linie Handlungsbedarf, so Mauch. «Wir wollen keine Gentrifizierung. Die Erhöhung des Anteils an Genossenschaftswohnungen bedeutet, dass auch eine soziale Durchmischung gewährleistet und ökologisch vorbildlich gebaut werden muss.»
Stadt will weiteres Land kaufen
Für André Odermatt, Vorsteher des Zürcher Hochbaudepartements, stehen die Genossenschaften und Stiftungen als Partner im Vordergrund. «Wir wollen das Potenzial der Genossenschaften ausnutzen, um den Wohnungsbau voranzutreiben», so Odermatt. Die Stadt werde weiterhin Bauland kaufen – vor allem ausserhalb der zentralen Gebiete. «Wir müssen die Gelegenheiten für den Kauf von grösseren Flächen wahrnehmen wie zum Beispiel das Areal beim Hardturm oder die Obsthalde in Affoltern.» Laut Odermatt fehle es nicht am Willen der Grundeigentümer, Bauflächen für gemeinnützigen Wohnungsbau freizugeben. Allerdings müsse der Dialog intensiviert werden.
Standards senken – und damit die Kosten
Martin Vollenwyder, Finanzvorsteher und damit zuständig für die städtischen Liegenschaften, erklärt in seinem Referat, dass künftig eine Stiftung für die Einführung von geringeren Standards sorgen soll, um die Baukosten für gewisse Wohnungen einzudämmen. Eine Nasszelle pro Wohnung müsse in manchen Fällen wieder ausreichen, so Vollenwyder. Auch Odermatt gibt zu bedenken, dass der Flächenkonsum bei preisgünstigen Wohnungen kritisch hinterfragt werden müsse. «Künftig wird es weniger Fläche pro Kopf geben», hält er fest.
Wichtig sei gemäss Vollenwyder, dass gemeinnützige Wohnungen jenen zugute komme, die auf dem freien Markt kaum Chancen hätten. Die Vermietungen sind an entsprechende Bedingungen geknüpft. Er fordert ausserdem die Wiedereinführung des «Mehrzins-Zuschlags» im kantonalen Wohnbauförderungsgesetz: Verdient ein Mieter mit den Jahren mehr als den Mietbedingungen entspricht, so kann der Mietzins angepasst werden.
«Wir sind keine Hellseher»
Wie hoch die Ausgaben der Stadt für die Umsetzung der Vorlage sein werden, lasse sich gemäss Vollenwyder nicht sagen. Jedes Bauvorhaben müsse einzeln vom Gemeinderat abgesegnet werden. «Das konkretisiert sich erst an den jeweiligen Aufträgen und kann je nach wirtschaftlicher Entwicklung variieren. Was 2025 ist, wissen wir ja nicht. Wir sind keine Hellseher.» Vollenwyder lässt aber jetzt schon durchblicken, dass es «um sehr viel Geld» gehen werde. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.11.2011, 14:41 Uhr
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110 Kommentare
Familien mit geringen Einkommen werden weniger ein Problem haben, das ist von mir aus auch ok, Reiche haben ebenfalls kein Problem, sie können sich die teuren Wohnungen leisten. Aber was ist mit dem Mittelstand? Wir, die schön brav steuern zahlen, können dann in die Agio ziehen, weil die Stadt alle vernünftigen Wohnungen auch noch verstaatlicht und den Bedürftigen zuhält? Bin begeistert. Antworten
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