«Einer fragt immer: Gömmer is Hive?»
Interview Peter Aeschlimann. Aktualisiert am 01.10.2009
«Hippiekacke», Ian Constable
Quelle: Youtube
Ian Constable heisst eigentlich Oliver Müller. Der 29-Jährige wohnt in einer WG in Wipkingen und ist Dozent für Videoschnitt. Seit 10 Jahren spielt er Bass in der Band Acapulco Stage Divers. Irgendwann im Oktober will er sein erstes Soloalbum auf dem Internet gratis zum download anbieten, inklusive dem Hit «Hippiekacke». Am 23. November spielt Ian Constable live in der Bombay Bar. (pa)
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Was ist «Hippiekacke»?
Dinge, die allgemein als cool gelten, eigentlich aber scheisse und völlig überbewertet sind. Der Begriff stammt nicht von mir. Marcus Wiebusch von der Band «. . . but alive» nannte sein Soloalbum «Hippiekacke». Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes kenne ich nicht. Der Song entstand aus einer Laune heraus. Ich sang einfach immer und immer wieder «Hippiekacke, Hippiekacke» zu einem Rhythmus.
Ihre Hippies sind die Szenis?
Ich singe über Hipsters, von Menschen also, die für sich in Anspruch nehmen, zu wissen, was gerade angesagt ist. Diese Hipsters definieren sich über die Kleider, die sie tragen, und die Orte, wo sie feiern. Jeder gibt sich individualistisch. Ein Blick ins «Friday» zeigt aber: Alle sehen genau gleich aus.
Den Song haben Sie vor einem Jahr aufgenommen, jetzt gibts den Videoclip. Ist «Hippiekacke» noch aktuell, weil Zürich so langweilig ist?
Viel hat sich tatsächlich nicht verändert. Es tragen jetzt halt einfach alle lila Sachen – und scheinbar gilt: Hauptsache eine schlechte Frisur. So gestylt gehen sie in die Kellerdisco Druckerei, die man jetzt «Drucki» nennt.
Im Videoclip sieht man Sie an den Hotspots der Szene, über die Sie sich lustig machen. Warum ist das Hive Hippiekacke?
Geht man in Zürich in den Ausgang, sagt spätestens um 2 Uhr einer: «Chumm, mir gönd is Hive.» Es ist immer dasselbe. Wieso soll ich um diese Zeit 20 Franken Eintritt zahlen, teure Drinks konsumieren und langweilige Musik hören? Wenn einer ins Hive will, muss man übrigens antworten: «Ich bin früener scho am Donschtig immer is UG.»
Warum ist es «Hippiekacke», Kinder im Kreis 6 grosszuziehen?
Ich wohne in Wipkingen. Da hat es derzeit ganz viele junge Eltern, alles Schweizer. Ihre Sprösslinge fahren alle dieses kleine Holzvelo ohne Pedale. Einfach alle. Als ich für den Clip einen Drehort im Kreis 6 suchte, wollte ich mit der Seilbahn Rigiblick fahren. Vor lauter Kinderwagen kam ich nicht rein. Das fand ich ziemlich lustig.
Das Xenix?
Wegen der Bocciaspieler. Aber die wollen ja, dass man Boule sagt. Oder Pétanque. Die Bocciaspieler legen Wert auf diese Unterscheidung, aber eigentlich ist doch alles dasselbe. Wer einen Schlüssel zu einer der Holzboxen hat, wo die Kugeln drin verstaut werden, der hat es geschafft.
Was ist nicht «Hippiekacke»?
Schwere Frage, ich bin ja selbst Teil dieses Kuchens. Entscheidend ist doch, dass jemand etwas tut, ohne sich etwas darauf einzubilden. Ich gehe am Wochenende zu einem Freund, und wir gamen Fifa 09 auf der Konsole, was ist schon dabei?
Sie gehen aber bestimmt auch in den Ausgang. Wohin?
Im La Catrina verbrachte ich jüngst einen entspannten Abend bei einem DJ Battle.
Ist Zürich verklemmt?
Als halber Engländer pflege ich einen lauten, angriffigen Humor. Es kommt vor, dass ich mir einen grenzwertigen Spass erlaube, der die coole Züri-Fassade meines Gegenübers abblättern lässt. Und was kommt dann zum Vorschein? Ein Bünzli. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.10.2009, 12:06 Uhr





