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Einsprachen gegen Geothermie-Bohrung

Von Martin Huber. Aktualisiert am 03.06.2009 5 Kommentare

Mit seiner Erdwärme-Bohrung beim Triemli stösst das EWZ auf Widerstand. Wegen Einsprachen ist unsicher, ob schon im August gebohrt werden kann. Für das EWZ drängt die Zeit.

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Im Triemli-Quartier will das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) ein 3200 Meter tiefes Loch bohren, um Erdwärme zu fördern. 19,9 Millionen Franken hat der Gemeinderat im letzten Dezember für die geothermischen Untersuchungen bewilligt. Mit der Probebohrung möchte das EWZ im August beginnen, die Bohrmaschine ist bereits reserviert. Die Bohrung soll drei Monate dauern, erste Erkenntnisse über die Energie im Erdinnern sollen Ende Jahr vorliegen.

Doch jetzt könnte dieser Fahrplan ins Stocken geraten. Gegen das Wasserrechtsgesuch, welches das EWZ für die Bohrung beim Kanton eingereicht hat, sind zwei Einsprachen eingegangen. Dies bestätigt Wolfgang Bollack, Sprecher der kantonalen Baudirektion. Wann der Regierungsrat über die Einsprachen entscheide, sei offen. Ob der Bohrtermin im August eingehalten werden kann, sei damit ungewiss. Die Rekurse gegen die wasserrechtliche Konzession können noch ans Verwaltungs- und Bundesgericht weitergezogen werden. Das Wasserrechtsgesuch war im kantonalen «Amtsblatt» vom 9. April ausgeschrieben worden. Das EWZ ersucht den Kanton um das Recht, im Triemli-Quartier aus tief liegenden Bodenschichten Grundwasser zu entnehmen, diesem zur Versorgung des Stadtspitals Triemli sowie der Wohnüberbauung Sonnengarten Wärme zu entziehen und das abgekühlte Wasser über eine zweite Bohrung im gleichen Grundstück wieder in dieselben Gesteinsschichten zurückzupumpen. Im Gesuch heisst es, die Bohrarbeiten würden an 7 Tagen in der Woche im 24-Stunden-Betrieb durchgeführt.

«Thermisch abgemolken»

Einer der Rekurrenten, dessen Grundstück in der Nähe des Bohrgebiets liegt, verlangt die ersatzlose Ablehnung des Wasserechtsgesuchs. Da es im betreffenden Gebiet gar kein Grundwasservorkommen gebe, sei die Ausschreibung mit «Wasserrechtsgesuch» eine «arglistige Irreführung», heisst es in der Einsprache. Seiner Meinung nach handelt es sich gar nicht um eine Grundwasserentnahme nach Wasserrecht, sondern um Wärmegewinnung aus grosser Tiefe. Bei der Geothermiebohrung werde auch kein Grundwasser entnommen, sondern Fremdwasser in tiefere Bodenschichten hinuntergepumpt. Die geplante Wärmeentnahme wäre nach Ansicht des Rekurrenten ein Eingriff in alle Grundstücke im näheren Umkreis, die «thermisch abgemolken werden». Für einen solchen «Gratiswärmebezug» von anderen Grundstücken fehle die gesetzliche Grundlage. Schliesslich dürfe das Geothermie-Projekt auch nicht bewilligt werden, weil die Haftpflicht gegenüber Dritten nicht geregelt sei. Dies müsste vor Baubeginn im Sinne einer Kausalhaftung festgelegt sein.

EWZ-Sprecher Harry Graf will inhaltlich keine Stellung nehmen zu den Einsprache, zeigt sich aber wenig überrascht: «Damit musste man rechnen, immerhin handelt es sich bei der Bohrung um etwas Neues, Unbekanntes.» Graf hofft, dass der Regierungsrat rasch entscheidet und der Zeitplan doch noch eingehalten werden kann. «Das Zeitfenster ist eng», sagt er. Weil die Bohrung zeitgleich mit dem Neubau der Baugenossenschaft Sonnengarten vorgenommen wird, kann nur bis Frühling 2010 gebohrt werden. Wenn der Neubau steht, fehlt der Platz für den Bohrturm.

Quartiervereinspräsident Max Kurzen zeigt Verständnis für die Rekurse. Viele Anwohner seien verunsichert und befürchteten Lärm und Risse in den Häusern. Zudem gebe es ungeklärte Fragen zu Haftung und Bodenrecht. Gerüchteweise erhielten die Rekurrenten bei ihrem Vorgehen finanzielle Unterstützung von einem vermögenden Quartierbewohner.

Bereits an einer Infoveranstaltung im März hatten Anwohner Befürchtungen geäussert, es könnten wie bei den Bohrungen in Basel 2007 Erdbeben ausgelöst werden. EWZ-Sprecher Graf hält die Sorgen für unbegründet. Im Gegensatz zum Verfahren, das in Basel angewendet wurde, werde kein Wasser ins Gestein gepresst, das den Untergrund destabilisieren könnte.

Abstimmung über zweite Bohrung

Die Gefahr einer Verzögerung wegen Rechtsmitteln ist nicht die einzige Unwägbarkeit beim Geothermie-Projekt. Probleme drohen auch auf finanzieller Ebene. So reicht der 19,9-Millionen-Kredit zwar für die Probebohrung, nicht aber für die Anschlussbohrung, mit der man die entdeckte Wärme nutzen will. Darum soll der Stadtrat möglichst rasch einen Zusatzkredit für eine zweite Bohrung für die Nutzbarmachung der Wärme vorlegen, über den auch das Volk abstimmen kann. Dies fordert Claudia Nielsen (SP) mit einer Motion, die der Gemeinderat für dringlich erklärt hat. Aus Kostengründen sollte die zweite Bohrung ohne Verzug vorgenommen werden. Auch Nielsen hofft, dass es trotz der Einsprachen rasch vorwärtsgeht.

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Erstellt: 03.06.2009, 23:26 Uhr

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5 Kommentare

Daniel Müller

04.06.2009, 08:08 Uhr
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Die einzige Energieform, die grosstechnologisch Kohle- und Kernenergie für immer ersetzen kann, ist die Geothermie. Die Schweiz könnte hier einen Spitzenplatz einnehmen. Da hier aber für einen sog. demokratischen Entscheid 99,99% Ja-Stimmen notwendig sind, werden wir hier auch noch in 50 Jahren über das nächste Kernkraftwerk diskutieren - oder Geostrom von Nachbarländern importieren. Antworten


Patrick Tigri

04.06.2009, 13:23 Uhr
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Daniel Müller, sie wissen mehr über Demokratie als ich. Ich dachte immer, für einen Sieg sei eine 50%-+-1-Mehrheit nötig und jetzt behaupten sie, es seien 99.99%. He, so kann man sich täuschen. Antworten



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