«Er hat uns das Leben zur Hölle gemacht»

Aktualisiert am 25.08.2009

Mit der Ermordung von Francesca Prete hat der «Todesschütze von Höngg» den Lebenssinn der Familie des Opfers zerstört, sagte deren Rechtsvertreter im heutigen Mordprozess.

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Der «Todesschütze von Höngg» vor dem Zürcher Obergericht. (Illustration: Sibylle Heusser/Oculus, Atelier für Illustration)

   

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Die Familie der erschossenen 16-jährigen Francesca Prete verfolgt den heutigen Prozess vor dem Zürcher Obergericht gegen den Mörder ihrer Tochter wortlos und mit versteinerten Blicken. Ein Dolmetscher übersetzt die Gerichtsverhandlung auf italienisch.

Der Versuch des Todesschützen, sich bei den Angehörigen zu entschuldigen, quittierte Francescas Vater mit dem Ausruf «Bastardo». Ein anderer Anwesender schrie «sei ruhig» in den Saal. Ansonsten war die Stimmung während der Verhandlung gedrückt. Vor allem als klar wurde, welch ungeheures Leid die Tat über die Familie der Ermordeten brachte.

Francesca war der Mittelpunkt der Familie

Das brutale Verbrechen habe der Familie den Lebenssinn zerstört, sagte deren Rechtsvertreter an der Verhandlung. Sie schwanke zwischen Wut und tiefer Trauer. Francesca sei der Mittelpunkt der vierköpfigen Familie gewesen.

«Wir mussten aus unserem Quartier wegziehen, in dem sie alle so geliebt haben», sagte die Mutter der Ermordeten unlängst in einem Interview des Tages-Anzeigers. Heute lebt die Familie in einer Vorortsgemeinde und verlässt kaum mehr die Wohnung.

Mutter braucht wöchentliche Therapie

Der Vater verarbeitet die Tat psychologisch vor allem damit, dass er sich in die Arbeit als Bodenverleger stürzt. Die Mutter braucht wöchentliche psychologische Hilfe. Sie leidet am meisten unter dem Verlust der Tochter und sieht keinen Sinn mehr im Leben. Alles sei für sie nur noch Leere, schildert der Rechtsvertreter ihre Situation.

Sie und der 18-jährige Sohn leiden unter einer so genannten posttraumatischen Belastungsstörung. Der Sohn konnte dank psychologischer Hilfe quasi in letzter Minute doch noch die Lehre als Automechaniker abschliessen, aber auch er hat sich aus dem sozialen Leben zurückgezogen.

«Für die Familie ist das Leben zur Hölle geworden», sagt der Rechtsvertreter. Er verlangt für die Eltern eine Genugtuung von je 100'000 Franken, für den Bruder einen Betrag von 50'000 Franken. Eine Rekordsumme. Auch für Francescas Freund wird eine Summe von 9000 Franken Genugtuung gefordert. (tif)

Erstellt: 25.08.2009, 17:05 Uhr

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