Zürich

Er hilft jungen Bands aus dem Kellerloch

Der Zürcher Gitarrist Janos Szenogrady ist schuld, dass ein paar Jugendliche weniger am Bahnhof Stadelhofen herumlungern. Seine Strategie heisst Rockmusik.

Janos Szenogrady (M.) und die Band Summit: Julian Pollina, Max Kämmerling, Seno Szenogrady, Pablo Villars (v.l).

Sophie Stieger

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Janos Szenogrady, Gitarrist der wiedererweckten Kultband Frostschutz, die mit ihrem Song «Plastiksackmeitli Handtäschefrau» die Zürcher Jugendbewegung begleitete, ist – fast dreissig Jahre später – in neuer Mission unterwegs. Der 51-jährige Musiker coacht junge Bands aus dem Seefeld.

Neben klassischer Gitarre unterrichtet Szenogrady auch Elektrogitarre. Und weil die E-Gitarre auch in der Jugendmusikschule ihren Schrecken verloren hat, dachte er sich: «Wenn die so brav spielen, dann machen wir doch eine Band – drei Akkorde, eine Melodie, ein Gedicht, und los gehts», sagt der alte Rocker. «Rock ist die einfachste Form von Musik und wenn der Drummer auch noch den Beat halten kann, läuft alles wie von selbst.»

Am Anfang war Chaos

Angefangen hatte es vor vier Jahren mit der Band Summit, in welcher sein Sohn Julian (16) Schlagzeug spielt. Die Jungs haben 2007 den Band-it-Wettbewerb des Kantons Zürich gewonnen und als Jüngste aller Zeiten den Zürcher Musikschuppen El Lokal gerockt. «Es ist eine wahre Freude, und ich hätte nie gedacht, dass ich aus den Jungs so viel herausholen kann», sagt Szenogrady nicht ohne Stolz. «Am Anfang war Chaos pur», erinnert er sich. Einem Gitarristen habe er einfach einen Bass in die Hand gedrückt, da kein Bassist aufzutreiben war. Mittlerweile betreut der Musiker fünf Bands mit Namen wie The Bullet, Shambolic, Die Optimisten oder Schwesternhilfe, in der das einzige Mädchen mitspielt.

Indirekte Jugendarbeit sei das: «Anstatt am Stadelhofen herumzulungern, sind sie bei mir im Keller». Apropos Übungsraum, da gebe es noch ziemlich Bedarf. «Für Summit habe ich ein Jahr lang gesucht.» Bis zu 10 Stunden pro Woche hockt «Kellerrassel» Szenogrady mit den Kids im Übungsraum. «Ich bin mit Herzblut dabei und bekomme sehr viel zurück.» Wie ein Fussballtrainer fühlt sich der FCZ-Fan, der mit seinen Zöglingen nicht selten in der Südkurve des Letzigrunds steht. «Auch ich muss motivieren, eine Mannschaft zusammenstellen, in der jeder für den anderen einsteht.» Dank seiner Erfahrung machen die Kids nicht die gleichen Fehler wie er. «In den 80er-Jahren trugen wir alle zwei Wochen eine neue Gitarre aus dem Musikladen, weil wir glaubten, der Sound sei mit dem nächsten Instrument besser. Bis wir merkten, dass es nicht am Material, sondern an uns selber lag.» Das Equipment für die Bands ist sein eigenes. Endlich könnten seine alten Marshall-Verstärker wieder dröhnen. Selbstverständlich nur mit Gehörschutz, versteht sich. Denn eines ist Szenogrady klar: Sein Pfeifen in den Ohren kommt nicht vom Kasperlitheater.

Freitag spielen seine Zöglinge am 1. Lauter-Festival im GZ Riesbach. Auf der Bühne stehen, sei immer ein Erlebnis, sagt Szenogrady. «Obe use», sagt er, und meint damit: «Sein Bestes geben, nach oben streben, raus aus dem Kellerloch!» Ohne den unermüdlichen Einsatz von Beni Kocher vom GZ Riesbach wäre das Festival für 11 bis 18-Jährige aber nicht möglich geworden. «Das sind jene Kids, die fürs Rumhocken zu Hause zu alt sind und für den Ausgang zu jung», sagt Szenogrady.

Lauter-Festival, Sa 18.30 Uhr, gratis. Summit spielt im Sommer am Stolze Openair und am 13. Juni im El Lokal.

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Erstellt: 21.05.2009, 20:57 Uhr

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