Er kämpft seit Jahren gegen Velorowdys
Von Janine Hosp. Aktualisiert am 19.09.2009
«Die Sitten der Velofahrer sind verwildert»: Monjek Rosenheim, FDP.
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Erst gestern Morgen am Limmatquai ist es wieder geschehen: Monjek Rosenheim, Gemeinderat der Freisinnigen, wartet bei der Rudolf-Brun-Brücke auf den 4er, als an ihm zwei Velofahrer vorbeipreschen – ein älteres Paar um die 70. «He, junger Mann, das Trottoir ist eigentlich für mich da», ruft er ihm nach, aber der fährt unbeirrt weiter.
«In den letzten Jahren sind die Sitten der Velofahrer verwildert. Als Fussgänger ist man selbst auf dem Trottoir Freiwild», ärgert er sich. Er hat deshalb innert acht Jahren neun Vorstösse im Parlament eingereicht, die alle dieselbe Stossrichtung aufweisen: Mehr Kontrollen von Velofahrern und ein konsequentes Vorgehen gegen Velorowdys. Nun liegt die Antwort des Stadtrats zu seinen letzten drei Vorstössen vor, und Rosenheim sieht sich darin bestätigt: Seit 2002 steigt die Zahl der Unfälle, in die Velofahrerinnen oder -fahrer verwickelt sind. Und: Sie sind an der Mehrheit der Unfälle schuld – letztes Jahr an 167 der 284 Kollisionen. In vielen Fällen kam es so weit, weil die Betroffenen zu viel Alkohol getrunken hatten oder auf dem Trottoir oder Fussgängerstreifen fuhren. Hat der Autofahrer den Unfall verursacht, dann häufig, weil er das Vortrittsrecht des Velofahrers missachtete.
«Velofahrer sind nicht per se gut»
«Die Autofahrer, das zeigen diese Zahlen, sind nicht an allem schuld», sagt Monjek Rosenheim. Und die Velofahrer seien nicht per se gut. Er verwahrt sich aber dagegen, ein Velofeind zu sein. Ihm gehe es darum, die Fussgänger, die schwächsten Verkehrsteilnehmer, zu schützen. «Denn wer tut das sonst in diesem Parlament?»
Bei Verkehrsunfällen, in die Velofahrer verwickelt sind, registriert die Polizei überdurchschnittlich viele Verletzte – oft sind es die Velofahrer. Sie sind stärker exponiert als die Autolenker. So wurde letztes Jahr bei 229 der 287 gemeldeten Unfälle ein Velofahrer verletzt, einer gar getötet. Als besonders gefährlich erwies es sich vergangenes Jahr, per Velo eine Strasse zu überqueren. Dabei geschahen die meisten Unfälle (63). Viele Velofahrer stürzten aber auch oder verunfallten beim Abbiegen. Meist kollidierten sie mit Autos, in deutlich weniger Fällen mit Fussgängern oder anderen Velofahrern.
Der Grund des Übels ortet Rosenheim beim «Laisser-faire der linken Polizeichefin». Ob Zufall oder nicht, seit sie am Ruder sei, nähmen es die Velofahrer mit den Vorschriften nicht mehr so genau, behauptet er. Diesen Vorwurf weist das Polizeidepartement allerdings entschieden zurück: «Wir kontrollieren die Velofahrerinnen und -fahrer regelmässig. Seit einigen Monaten haben wir die Kontrollen sogar noch intensiviert», sagt Mediensprecher Marco Bisa.
Grosskontrolle an der Langstrasse
So hat die Polizei gerade gestern Freitag einige Dutzend Velofahrer angehalten – was in «20 Minuten Online» zur Schlagzeile führte: «Mit massivem Aufgebot gegen Velofahrer.» Danach hat die Stadtpolizei zwei Barrikaden auf der einen Seite der Langstrassenunterführung errichtet. Mehr als jeder zweite Velofahrer wurde gebüsst. Wie Marco Bisa betonte, führe die Polizei nicht Kontrollen durch, um die Velofahrer zu schikanieren, sondern um den stetig steigenden Trend zu mehr Unfällen zu brechen.
Es muss noch mehr geschehen
Und hat Rosenheim mit seinen vielen Vorstössen etwas erreicht? Ja, meint er. Dass die Polizei 2009 und 2010 Regelverstösse durch Velofahrer besonders bekämpfen will, sei klar auf seine Arbeit zurückzuführen. «Der Polizei ist das unangenehm – weil meine Beobachtung stimmt», sagt er mit Genugtuung. Zufrieden ist er allerdings erst, wenn der Stadtrat Lösungen präsentieren kann, wie sich alle Verkehrsteilnehmer sicher durch die Stadt bewegen können – und zwar nicht zulasten der Autofahrer.
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Erstellt: 19.09.2009, 04:00 Uhr
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