Erdwärme lässt Wiediker kalt

Im Zürcher Triemliquartier soll für ein Geothermieprojekt bis auf 3000 Meter gebohrt werden – so tief wie noch nie. Ob dadurch Erdbeben erzeugt werden, bleibt unklar. Die Anwohner nehmens trotzdem gelassen.

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Das EWZ wird nächsten Frühling beim Stadtspital Triemli eine Tiefenbohrung in 3000 Meter Tiefe vornehmen. Mit der so gewonnenen Erdwärme soll die künftige Überbauung Sonnengarten beheizt werden. Die Eckdaten des Bohrprojekts beim Triemli gleichen jenen des gescheiterten Basler Versuchs, bei dem es zwischen Dezember 2006 und März 2007 zu mehreren Erdbeben kam, fast aufs Haar. Trotzdem machen sich die Bewohner in Wiedikon, Albisrieden und dem Friesenbergquartier kaum Sorgen.

«Wenn man nichts versuchen will, kann man grad aufhören!»

Peter Jauch vom Quartierverein Wiedikon, der selbst nur wenige hundert Meter vom Triemlispital entfernt wohnt, bestätigt, dass die Grundhaltung den EWZ-Plänen gegenüber sehr positiv sei. «Angst, dass in Zürich die Erde beben könnte, hat man hier praktisch nicht.» Einerseits komme ein anderes Verfahren als in Basel zur Anwendung, andererseits müsse man auch Risiken in Kauf nehmen, wolle man etwas erreichen. «Wenn man nichts versuchen will, kann man grad aufhören!»

Anders als im Quartier meldeten sich auf Tagesanzeiger.ch auch Kritiker, die unter anderem die Vorabklärungen in Zürich bemängelten. Eine derart tiefe Bohrung vorzunehmen, ohne zuvor geophysikalische Untersuchungen durchgeführt zu haben, erstaune. «Es bringt halt schon nicht so viel, wenn mit der Blindbohrung eine potenziell Tiefenwasser führende Störung um 50 m verpasst wird und damit 8 Mio. in den Sand respektive ungestörten Fels gesetzt werden», schreibt ein Leser.

Zürcher Untergrund gut erforscht

Simon Löw, Professor für Geologie an der ETH Zürich erklärt, dass bei einem Projekt wie diesen in Zürich keine derart umfangreichen geophysikalischen Vorabklärungen nötig seien, wie bei jenem in Basel. «Bei einer eher konventionellen Nutzung des Bohrlochs sind nicht sämtliche geophysikalischen Tests notwendig.»

Löw geht davon aus, dass die Behörden die notwendigen Abklärungen, vor allem im Bereich des Grundwassers, veranlasst haben. «Da sicherlich verschiedene Grundwasserschichten durchbohrt werden, ist darauf zu achten, dass sich diese nicht kurzschliessen und die Bohrung laufend zu kontrollieren», sagt Löw. Zudem sei der Untergrund der Stadt Zürich grundsätzlich gut erforscht, allerdings nicht bis in solche Tiefen, wie die Bohrung vorstossen soll. «Ich halte das Projekt für sehr nachhaltig und interessant, obwohl ich nicht selbst daran beteiligt bin.»

Zürich ist kein zweites Basel

Im Unterschied zu dem Projekt in Basel basiere jenes in Zürich laut Löw auf einer anderen Methode. Wurde in Basel Wasser unter hohem Druck in das heisse, trockene Gestein gepresst, mit dem Ziel, das Gestein aufzubrechen und Wasserdampf zu erzeugen, sei dies in Zürich nicht vorgesehen. Stösst die Bohrung auf heisses Wasser, wird lediglich das vorhandene Wasser abgepumpt. Andernfalls wird eine Erdsonde nach herkömmlichem System gebaut, bei welcher ein geschlossener Flüssigkeitskreislauf in der Sonde besteht.

In Basel hat sich die seismische Aktivität übrigens wieder beruhigt. Der Schweizerische Erdbebendienst registrierte seit dem 30. November 2007 keine Ereignisse aus dem Bereich der Bohrung mehr. Die seither aufgezeichneten Beben seien Ausdruck der bekannten, in der Nordwestschweiz immer wieder auftretenden, natürlichen Erdbebenaktivität. Das letzte Beben dieser Art fand am 14. Juni 2008 in 14 Kilometern Tiefe unter Arlesheim BL statt und wies eine Stärke von 2,6 auf. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.10.2008, 13:19 Uhr

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