«Erst muss sich das Revierverhalten der Männer ändern»
Von Philipp Albrecht. Aktualisiert am 14.07.2010 52 Kommentare
Umfrage
Braucht die Badi ein Frauendeck?
Ja klar, die Frauen brauchen Privatsphäre.
Nein, heutzutage sind gemischte Bäder üblich.
Egal, es soll bleiben wies ist: Frauendeck am Tag, Lounge am Abend.
Artikel zum Thema
Der Stadtrat ist bereits zurückgekrebst. Er will nun von seinem Plan ablassen, das Frauendeck im Rahmen der Renovation des Flussbads Oberer Letten aufzuheben. Die Interessengemeinschaft (IG) Frauendeck gibt sich aber noch nicht damit zufrieden. Sie verlangt eine Denkpause bei der Renovationsplanung und fordert den Gemeinderat auf, den Zusatzkredit an seiner Sitzung morgen Mittwoch abzulehnen. Zuerst müssten an einem Runden Tisch «potenzielle Nutzungskonflikte» diskutiert werden, wie die IG in einer heute verschickten Mitteilung verlangt.
Damit ist der geplante neue Gastrobereich gemeint. Die IG ist überzeugt, dass sich dadurch Besucherinnen des Frauendecks gestört fühlen würden. Zudem kritisiert sie die abendlichen Events, die auch auf dem Frauendeck stattfinden.
Gemischter Bereich ist «chronisch überfüllt»
Alles halb so schlimm, ist Stephan Roth überzeugt. Der Pächter des Pier West, des Gastrobetriebs im Flussbad, stellt sich hinter den ursprünglichen Entscheid des Stadtrats: «Ich kann gut nachvollziehen, wieso er das Frauendeck aufheben wollte.» Es sei schlecht besucht und nehme daher zu viel Platz ein, da der gemischte Bereich gleichzeitig chronisch überfüllt sei.
Dem widerspricht Rayelle Niemann von der IG Frauendeck. Sie behauptet gar das Gegenteil: «Das Frauendeck ist jeden Tag sehr voll.» Roths Argumentation sei aber verständlich, schliesslich vertrete er dort seine Geschäftsinteressen. Falls er hin und wieder ein weniger dicht besuchtes Deck antreffe, liege dies wohl an den zahlreichen Events im Flussbad. Dadurch würden sich eben viele Frauen zurückziehen, die eigentlich Ruhe und Entspannung auf dem separaten Deck suchen. «Solange sich das Revierverhalten der Männer nicht ändert, braucht es das Frauendeck», fügt Niemann hinzu.
Petition erhielt knapp 5000 Unterschriften
Die IG-Frauendeck-Initiantin stellt auch die Umfrage von Tagesanzeiger.ch infrage: Von 907 Lesern halten 56 Prozent getrennte Bäder als nicht mehr zeitgemäss. «Das ist ja immer eine ganz besondere Klientel, die bei diesen Umfragen mitmacht», kommentiert Niemann. Viel repräsentativer sei da ihre Petition, die innerhalb von sechs Wochen von knapp 4800 Leuten unterschrieben worden sei. «Alt und Jung, Männer und Frauen unterstützen uns», unterstreicht Niemann.
Noch sind aber die genauen Pläne der Stadt nicht bekannt. Pier-West-Pächter Stephan Roth stand zwar dem Sportdepartement beratend zur Seite, kennt die Pläne aber auch noch nicht. Solange will er sich auch nicht über die Zukunft des Flussbads äussern. Eines sei aber klar: Wenn in Zukunft nur noch ein «Kiöskli» bleiben würde, sähe der Obere Letten bald wieder aus wie vor zehn Jahren, bevor das Pier West ihr Gastroangebot startete. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.07.2010, 15:01 Uhr
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52 Kommentare
an alle unzufriedenen Männer. seit männer und keine super heulsusen. zum glück gibts uns frauen und das bedeutet auch pflegt und unterstützt unser anliegen, statt alles unfair zu empfinden. Macht doch auch ne Männerbadi auf oder organisiert euch männerdecks. damit ihr unter eures gleichen, auch abgedeckte schlappsachen an die frische luft hängen könnt. Antworten
Als heterosexuelle Frau (in festen Händen) schätze ich Männerblicke mehr, als Blicke gewisser, etwas maskulin geratenen Emanzen. Trotzdem fordere ich kein Heterodeck. Ich kenne viele Lesben und Schwule und schätze sie sehr, weil sie offene und tolerante Menschen sind. Ich denke, die IG-Frauendeck-Initiantin Rayelle Niemann schadet dem Image der Frauen mit ihren überrissenen Forderungen sehr. Antworten
Das ist jetzt interessant, etwas näher zu sezieren:die Gleichberechtigung ermöglicht es den Frauen, sich ebenfalls öffentlich in einem Badestrand/ort aufzuhalten. Das war VOR der Gleichberechtigung tabu. Jetzt haben sich die Frauen innerhalb der letzten 40 Jahre diesen Bereich erkämpft. Weil zuviele Männer jedoch noch nicht gelernt haben, Frauen nicht anzüglich anzusehen, braucht es Frauendecks.;- Antworten
Die ganze Polemik sch... mich an! Jetzt hat es jahrzehntelang funktioniert wie es ist, aber jetzt muss plötzlich daran herum gedreht werden! Lasst doch der handvoll Frauen ihr Deck. Es ging bisher auch so. Aber nein, die Stadt muss wieder einmal "ordnend" eingreifen (i.e. mehr Profit herausschlagen). Dasselbe Theater wie bei den "genormten" Seehäsuchen. Ein echtes Sommertheater! Antworten
Frauen wollen Emanzipation? Dann sollen sie auch B sagen und sich damit abfinden Ihr "Revier" mit den Männern teilen zu müssen. Wo soll das noch hinführen? Erst fühlen sie sich von den Männern bevormundet, kriechen dann aber gerne selber in ihr eigenes Frauendeck und verteidigen dies wie wildgewordene Hunde. Nein. so kann das nicht gehen. Also weg mit dem Frauendeck. Antworten
ist uebrigens das gleiche mit diesen unsaeglichen frauenparkplaetzen; waere ja nichts dageben einzuwenden wenn 1 Deck fuer Maenner, das andere fuer die Frauen. Ganz einfach aber so funktioniert "Frau" nicht, 1 Deck nur fuer Frauen und die anderen bitte fuer alle. So ist es recht! Aha. Offensichtlich dasselbe Muster bei den Badeanstalten und an vielen anderen Orten! Maenner aufwachen! Antworten
Die Frau wird heute in KEINEM Bereich gesetzlich diskriminiert; faktisch vielleicht schon, aber Frau kann sich wehren (Judikative). Der Mann hingegen wird gesetzlich bis heute diskrimiert: Zum Beispiel im UVG: Die Frau erhält so oder so eine 40% Rente des versicherten Einkommens des Mannes, der Mann hingegen nur, wenn Kinder da sind und auch nur bis zu deren Volljährigkeit. Ist das gerecht? Antworten
Die Eventitis und totale Kommerziailisierung der Freizeit und aller Plätze ist das Problem, nicht das Frauendeck. Wieso soll in einer einfachen Badi ein Kiosk mit Getränken, Sandwiches und Glace - zu vernünftigen Preisen - nicht reichen? Wozu an jeder Ecke ein Schnickimicki Gastrobetrieb (nicht Beiz) mit Horrorabzockpreisen? "Pier West" und "Primitivo" - Nomen est Omen! Antworten
Prinzipiell bin ich gegen getrennte Bäder, wir leben ja nicht mehr im Mittelalter und wehren uns gegen jegliche Diskriminierungen resp. Unterdrückung von Frauen und Männern. Wenn ich aber die Zeilen über Frau Niemann lese, dann vergeht mir sogleich die Lust, neben Ihr am Letten zu liegen! Antworten
Auf dem "freien" Liegesteg vis-a-vis zur Badi "Oberer Letten" geht es zwar ein wenig 'nackter', sonst aber ebenso so freundlich und gesittet zu und her wie in der Badi selbst, und das ohne jeden Bademeister oder sonstige Aufsicht. Von daher wäre eine separate Frauen-Badi gewiss nicht nötig. Aber wenn man schaut, welche Frauen sich dort so aufhalten, kann man nur dankbar um diese Einrichtung sein. Antworten
Die geneigte Leserin und der geneigte Leser sollte das Wort Frauendeck mit Maennerdeck ersetzten und die Argumente sich vor Augen führen, wenn einige Männer im öffentlicher Umgebung einen Raum exclusiv verteidigen würden. Der Aufschrei wäre nicht zu überhören. Daher, Schluss mit getrennten Bädern. Antworten
«Solange sich das Revierverhalten der Männer nicht ändert, braucht es das Frauendeck» Merkt die Frau eigentlich nicht, wie widersprüchlich ihre Aussage ist. Ein eigenes Revier am Flussbad Oberer Letten haben nur die Frauen und zwar das Frauendeck. Antworten
Ihr Frauen wollt immer und überall Gleichberechtigung!! Sollt ihr auch haben, aber dann wollt ihr euch wieder abgrenzen. Passt irgendwie nicht zusammen, oder sehe ich das falsch, weil ich ein Mann bin??? Es kann doch nicht sein, dass es in öffentlichen Bäder eine trennung von Frau und Mann gibt?! Das ist ein Schritt zurück von hunderten Jahren. Die Frauen sind stehen geblieben in der Zeit. Antworten
Herr Graf; Sie werden jetzt vielleicht lachen. Ich bin zwar eine Frau, aber selbst mich stören solche Frauenabteile, kann nichts dafür, ist aber so! Unter den Männern geht es auch viel natürlicher zu,was man von Frauen, speziell in öffentlichen Bädern wahrlich NICHT sagen kann!Von Frauen kann man ätzender angestarrt werden, als von Männern,sodass ich mich frage,wo leben wir denn hier? Antworten
Ich frage mich warum es überhaupt geschlechtergetrennte Badeanstalten gibt. Das ist ja völlig mittelalterlich und daneben. Ich bin dafür alles ganz normal zu halten so wie jede andere Badi. Ganz abgesehen davon: Eine städtische Badi ist sowieso total unattraktiv. Wer will schon zwischen Häuserschluchten und Abgasen baden gehen. Also am Besten in eine schöne ländlische Seebadi. ;-) Antworten
Sich anfeinden, Gärtli bauen und böse Blicke über den Hag werfen – erinnert mich an den Mief der 50er Jahre. Frage mich nur, wie wir die Generation unserer Eltern und Grosseltern als Bünzlis verschreien konnten. Irgendwie scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Schönen Sommer trotzdem! Antworten
Mir geht das Gejammer der Frauen in vielen Bereichen langsam auf den Wecker. Ob Badi, Bundesrat, Universität, überall gibts (bald) satte Frauen Mehrheiten. Aber kommt ein Mann ins Spiel, dann muss er sein Revierverhalten ändern. Na ja, vielleicht verträgt sich Emanzipation und Prinzesschen spielen einfach schlecht miteinander.... Antworten
Ich suche auch immer etwas Ruhe und Entspannung bei den Damen am Letten seit das limmatgruene Kiosk verschwand und dieses obzoene 'Pier West' eingezogen ist und sich wie ein Geschwuer ausgebreitet hat. Meine Taktik: um es nicht zu sehen lege ich mich einfach oben drauf! Super! Hoffe es bleibt so, eine kleine -gratis - Oase im Rummel! Antworten
Der Lätten ist generell ein riesen Poser-Treff und Fleischmarkt. Zum teil wirklich fürchterlich was sich dort so rumtummelt. Von dem her ist es nachvollziehbar, dass einige Frauen auf diesem kleinen Deck etwas ruhe haben möchten. Gönnen wir es ihnen. Zudem muss diese Eventisierung aufhören. Abends soll Letten und Pier-West für alle offen sein, welche etwas feiern wollen. Gratis & ohne Konsumzwang. Antworten
@Marc Bourgeois: Genau! Und von Frau Niemann möchte ich gerne wissen, wie denn das allgemeingültige Revierverhalten eines Mannes so aussieht? Wenn ich mich schon nach ihren Wünschen und Ansprüchen ändern soll, möchte ich gerne nähere Angaben dazu! Antworten
"Solange sich das Revierverhalten der Männer nicht ändert [...]". Hoppla, schwere Kost. Wenn ein Mann einfach alle Frauen so in einen Topf werfen würde, müsste er sich wohl einiges vorwerfen lassen. Aber als emanzipierte Frau darf man das offenbar ;-) Antworten
"Wenn in Zukunft nur noch ein «Kiöskli» bleiben würde, sähe der Obere Letten bald wieder aus wie vor zehn Jahren, bevor das Pier West ihr Gastroangebot startete." - Da hätte ich gar nicht mal soviel dagegen einzuwenden! So hätten die Holz-'Pritschen' auch wieder genügend Abstand zueinander! Oder wird dann der frei werdende Platz mit weiteren EGO-Liegen belegt?? ;-) Antworten
Habe gedacht, dass mit dem Rücktritt von E. Maurer, die Lustfeindlichkeit aus der Stadt verbannt wurde. Jede Grosstadt hat ihre Beachclubs und dort funktioniert ein Miteinander von Badenden und Barbesuchern! Frauenbadi? Herrenbadi? In welcher Zeit leben wir denn? Einzig die Gruenliberalen zeigen sich konsequent offen zu modernen Projekten: Lettenbadi, Limmattwelle, Streetparade Barverbotaufhebung! Antworten
Was das Revierverhalten der Männer angeht, da ist was Wahres dran! Also Männer: werdet endlich Mann und zwar ganz und gar. Will heissen: werdet das, was ihr seid. Und kein Abziehbild eines Mackers oder eines Softies oder einer sonstigen Modeströhmung. Das würde ich aber eigentlich auch gerne den Frauen nahelegen. Im übrigen: lasst doch den Frauen ihr Deck! Antworten
Anfangs des letzten Jahrhunderts haben sich die Frauen (!) den Zugang zur Männerseite der Bäder erkämpft. Vielleicht sollten jetzt einfach die Männer rüberspazieren. Spezielle Frauenabteile sind heutzutage eine Zumutung. Jene Frauen, die solche mittelalterlichen Zustände befürworten, sind die, die am lautesten nach Gleichberechtigung schreien - von gleichen Pflichten halten sie allerdings weniger. Antworten
Es gibt gerade mal drei Badeanstalten an der Limmat, die einigermassen zentral liegen: Frauenbadi, oberer und unterer Letten. Erstgenannte ist komplett für Frauen reserviert. Wieso braucht es da noch ein Frauendeck im permanent chronisch überfüllten Letten? Und Frau Niemann, was für ein Revierverhalten genau zeigen die Männer? Können Sie Ihren sexistischen Vorwurf erläutern? Antworten





Shlomo Grünbaum
Und ich hätte gerne ein Judendeck nur für mich und die anderen Jungs. Aber es ist doch sehr schön zu sehen was uns so beschäftigt. Leute: uns gehts echt zu gut. Antworten