«Es besteht keine Gefahr, dass das Restaurant Pier 7 sinkt»
Von Denise Marquard. Aktualisiert am 10.02.2010 9 Kommentare
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Cornelia Mächler ist Direktorin der städtischen Immobilien-Bewirtschaftung im Hochbaudepartement.
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Frau Mächler, warum will die Stadt das Pier 7, ein kleines, schwimmendes Restaurant mit Bootshäuschen, abreissen, obwohl es noch gut im Schuss ist?
Die Bootsvermietung ist sanierungsbedürftig. Die Pontons, auf denen sie schwimmt, haben Risse. Das ist der eine Grund. Zudem läuft die Konzession des kantonalen Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft ab. Bei der Verlängerung dieser Konzession müssen alle gängigen Vorschriften eingehalten werden, sodass Baumassnahmen unweigerlich folgen.
Wenn die Risse so gefährlich sind, weshalb ist es dann möglich, dass das Pier 7 seinen Betrieb ganz normal weiterführen kann?
Die Risse im Beton gibt es schon länger. Es bestand aber nie die Gefahr, dass das Pier 7 deswegen gesunken wäre. Man könnte die Bootsvermietung mit Restaurant noch weitere zwei Jahre stehen lassen, aber irgendwann müssen wir handeln.
Wenn Sie jetzt auf einer Erneuerung bestehen, warum hat die Stadt dann noch in das alte Modell investiert?
Vonseiten Hochbaudepartement wurde in den letzten drei Jahren überhaupt nichts mehr in das Pier 7 investiert. Das hätte keinen Sinn gemacht. Wir haben den Pächtern schon seit geraumer Zeit signalisiert, dass alle Bootsvermietungen durch Neubauten ersetzt werden. Die Pächter waren über das Vorgehen im Bild. Wenn sie in einer solchen Situation noch Eigeninitiative und Geld ins Projekt stecken, ist das ihre Sache.
Die beiden Pächter vom Pier 7 haben erst 2009 erfahren, dass es ein Neubau ohne Restaurant sein wird.
Wir haben festgestellt, dass eine Sanierung gleich teuer zu stehen käme wie ein Neubau.
Weshalb?
Ein Restaurantbetrieb muss die Auflagen der kantonalen Lebensmittelkontrolle erfüllen. Das bedeutet, dass sich die Fläche für ein Esslokal, das 50 Sitzplätze aufweist, halbiert hätte. Von heute 54 auf 28 Quadratmeter. Das hätte nicht mehr rentiert.
Gibt es dazu keine Alternative?
Theoretisch kann man grösser oder zweistöckig bauen, aber dann passt der Bau städtebaulich nicht mehr ins Bild.
Das Pier 7 ist überaus beliebt und im neuen Leitbild Seebecken wird darauf hingewiesen, dass es am See zu wenig Restaurants gibt? Muss man so bürokratisch vorgehen?
Ob es am See zu wenig Restaurants gibt, ist eine andere Diskussion.
Die Dächlikappen-Variante, wie die Neubauten am See heissen, stösst in der Bevölkerung hingegen auf Ablehnung. Warum hält die Stadt trotzdem an diesem Modell fest?
Der Stadtrat hat entschieden, die sechs alten Häuschen für die Bootsvermietung im Seebecken durch vier neue zu ersetzen, die alle gleich aussehen und aus dem gleichen Material hergestellt werden.
Warum?
Wir wollen ein einheitliches Bild schaffen, eine Corporate Identity. Das ist geschehen. Wir sehen keinen Grund, diesen Weg nicht zu Ende zu gehen.
Die Situation hat sich inzwischen verändert. Sparen ist angesagt. Wäre das nicht ein Grund, den Neubau zurückzustellen?
Die Stadt verfolgt in ihrer Investitionspolitik eine andere Linie. Sie investiert in Sparzeiten, um Arbeitsplätze zu sichern.
Schön, aber umgekehrt wird das Pier 7 Leute entlassen müssen.
Wir vergeben keine Pacht, wir erhalten vom Polizeidepartement den Auftrag, die Bootshäuser instand zu stellen.
FDP-Stadtratskandidat Urs Egger hat sich jetzt mit einem Postulat gemeldet. Dieses wurde im Gemeinderat einstimmig für dringlich erklärt. Was ändert sich dadurch?
Der Gemeinderat wird Gelegenheit haben, sich eingehend mit der Frage des Neubaus auseinandersetzen. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
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Erstellt: 10.02.2010, 04:00 Uhr
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9 Kommentare
Zürich sollte stolz darauf sein, ein so wunderbarer Kleinod wie das Pier 7 zu besitzen. Unter dem Deckmantel der Corporate Identity kann man sich wohl alles erlauben. Am besten steckt man auch gleich noch die Bewohner von Zürich in einheitliche Uniformen, damit diese dann zu den Bootshäusern passen. Ich habe selten so viel Blödsinn gelesen. Antworten
Nur eine arrogante Stadtverwaltung die von den üppig fliessenden Steuergeldern des Finanzplatzes lebt kann es sich leisten Gewerbetreibende Kleinunternehmer mit schikanösen Auflagen aus der Stadt zu treiben. Hochmut kommt vor dem Fall, während deutsche Bürgermeister froh wären über jeden Gewerbebetrieb der Arbeitsplätze schaffen würde, sind die unsrigen froh über jeden denn sie vertreiben können. Antworten
Corporate Identity gegen Heimeligkeit - ob das der Attraktivität unserer Stadt tunlich ist? Marroni aus dem Normhäuschen - Kebap aus dem ausrangierten Wohnwagen? Liebe Damen und Herren Räte und Chefbeamte, ist der Sinn für indiviuelle Zwischenlösungen mit Lebensgeist in die unteren Chargen abgesunken oder gänzlich verloren gegangen? Ich plädiere für eine Abteilung "Mensch sein in der Stadt". Antworten
Gewisse Regeln für ein schönes Einheitsbild müssen meiner Ansicht nach einfach sein. Ich denke mit Schaudern an die Zeiten zurück als in den Schweizer Gartenwirtschaften noch die hässlichen Plastikstühle, Plastiktischtücher und die „einheitlichen“ Sonnenschirme mit Bier- oder Glacewerbung standen. Da hat sich glücklicherweise auch was getan – manchmal muss man der Ästhetik halt nachhelfen… Antworten
Wenn das Pier 7 die Auflagen der kantonalen Lebensmittelkontrolle nicht erfüllt, dürften vielleicht auch einmal diese Vorschriften kritisch überprüft werden. Wir haben jedenfalls anständig gegessen im Pier 7 und auch von anderen Gästen nie Reklamationen erhalten... Antworten
Darf man fragen, wer diese Cornelia Mächler ist, und welche Qualifikationen sie hat? Da spricht sie von Städtebau, Corporate Identity, Stadtbild, Materialisierung, und man wird das Gefühl nicht los, dass hier bloss Beamten verwalten und schlicht nicht auf die Argumente eingehen... Antworten
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Rudolf Brandenberger
Der Staat sollte sich auf seine primären Aufgaben beschräneken. 1. Sicherheit (d.h. das Gewaltmonopol halten) 2. Rechtsstaat. 3. Bildung der Leute. Rest möglichst den Privaten überlassen (diese bei Unfähigkeit auch fallen lassen ... z.B. UBS). Wenn der Staat auch andere Sachen macht, macht er es meist diktatorisch, wie im Interview Frau Mächler. Als Unternehmerin würde Frau Mächler anders handeln Antworten