Zürich

Es droht ein 20-Millionen-Loch im Letzigrund

Von Arthur Rutishauser und Res Strehle. Aktualisiert am 06.03.2010

Die Kosten für den Bau des Stadions sind weitaus höher als bisher bekannt: Hinter den Kulissen streiten sich die Stadt Zürich und die Baufirma Implenia um Ausstände von bis zu 20 Millionen Franken.

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Riss im Stadiondach, Rost an den Stahlträgern: Das Stadion Letzigrund sorgt seit Wochen für Schlagzeilen. Nun kommt ein weiteres Problem ans Licht – mit möglicherweise erheblichen finanziellen Folgen für die Stadt. Laut der Generalunternehmung Implenia stehen für den kurz vor der Euro 2008 fertiggestellten Bau noch Zahlungen «in erheblicher Höhe» aus.

Detaillierter will sich die Baufirma nicht äussern, man will keine Schlammschlacht mit der Stadt. Inoffiziell verlautet aber, dass gegenüber dem von FDP-Stadträtin Kathrin Martelli geführten Hochbaudepartement als Auftraggeber ein «zweistelliger Millionenbetrag» geltend gemacht werde. Ein ehemaliger Kadermann beziffert den offenen Anspruch von Implenia gegenüber der Stadt auf rund 20 Millionen Franken.

Teure Zusatzinstallationen

Laut ehemaligen Beteiligten sind die Zusatzkosten unter anderem darauf zurückzuführen, dass mehr Armierungsstahl eingesetzt werden musste als geplant. Auch die Installationen für die TV-Übertragungen der drei Euro-08- Gruppenspiele seien deutlich teurer geworden als erwartet. Diese Anpassungen haben offenbar zu einer dritten Kostenüberschreitung des von den Zürcher Stimmberechtigten einst in Höhe von 110 Millionen Franken bewilligten Stadionkredits geführt. Einen ersten Zusatzkredit von 11,3 Millionen Franken haben die Stimmberechtigten für den Auf- und Rückbau zusätzlicher Sitzplätze genehmigt, damit während der Euro–08 Gruppenspiele ausgetragen werden konnten. Ein weiterer vom Gemeinderat abgesegneter Kredit ermöglichte unter anderem den Einbau einer Rasenheizung, damit auch in der kalten Jahreszeit in Zürich Spiele der Super League ausgetragen werden können.

Für die nun bekannt gewordenen Kostenüberschreitungen will die Stadt nicht mehr aufkommen. Das Hochbaudepartement sieht keinen Grund für weitere Zahlungen. Laut Pressesprecherin Andrea Holenstein sind sämtliche finanziellen Verpflichtungen aus dem Werkvertrag «vollumfänglich erfüllt». Ein dritter Zusatzkredit würde wohl auch auf grossen politischen Widerstand stossen. Martellis Sprecher Urs Spinner hatte vor der Gemeinderatsdebatte über den zweiten Nachtragskredit im Juni 2007 betont, es würden nun bestimmt keine weiteren Kreditwünsche der Stadt mehr folgen.

Jetzt droht ein Rechtsstreit

Die Generalunternehmerin macht sich im Nachhinein den Vorwurf, die Arbeiten nicht unterbrochen zu haben, als der Baukredit ausgeschöpft war. Eine solche Verzögerung hätte den Standort Zürich als Austragungsort der Euro 08 allerdings ernstlich in Frage gestellt. Implenia hat die Mehrkosten gemäss TA-Informationen schon nach Fertigstellung bei der Stadt angemeldet. Sie hat lange auf den Verhandlungsweg gesetzt, weil man das Verhältnis zur Stadt im Hinblick auf neue Bauvorhaben nicht trüben wollte. Nun treffen sich Implenia und Stadt wohl vor Gericht wieder. Um den offenen Betrag zeichnet sich ein Rechtsstreit ab. Das Hochbauamt will sich dazu aktuell nicht äussern, die Sache scheint der abtretenden Stadträtin Kathrin Martelli zu heikel.

Gut möglich auch, dass sich beide Parteien nun mit Forderung und Gegenforderung in Stellung bringen für die ebenfalls offene Auseinandersetzung um die Kosten für die bevorstehende Dachsanierung. Nach einem Riss in der Stahlkonstruktion wurde das Dach in der letzten Woche mit Stützpfeilern abgesichert, am Sonntag bestreitet der FC Zürich das erste Heimspiel im Letzigrund nach der Winterpause. Bis Ende Juli soll das Dach so weit saniert sein, dass die Stützpfeiler abgebrochen werden können. Das Hochbauamt hat eine Mängelrüge deponiert – und wird bei Implenia Schadenersatz für die Sanierungskosten geltend machen.

Implenia hat im Gegenzug vorsorglich bestritten, dass Werkmängel bestanden hätten. Die Firma betont, dass sie «das Stadion auf der Grundlage der von der Stadt gelieferten Pläne und Berechnungen gebaut hat». Im Falle einer Schadenersatzpflicht könnte sie als Generalunternehmerin allenfalls auf Lieferanten und Unterakkordanten Rückgriff nehmen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.03.2010, 06:30 Uhr

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