Zürich

«Es gibt höchstbegabte Kinder, die ihre Begabung im Durchschnitt verstecken»

Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 11.02.2011 3 Kommentare

Der Zürcher Stadtrat will im Zuge seiner «Strategie 2025» höchstbegabte Kinder speziell fördern. Betroffen sei nur eine Handvoll Schüler, heisst es dazu im Schuldepartement.

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Herr Hess, sind Höchstbegabte unter Hochbegabten unterfordert?
Höchstbegabte Kinder haben meist sehr einseitige Begabungen, die man sehr speziell fördern muss. Die Herausforderung besteht darin, dass es keine allgemein gültige Rezeptur gibt, wie Höchstbegabte zu unterrichten sind. Es muss jedes Kind einzeln angeschaut werden.

Was unterscheidet Höchstbegabte von Hochbegabten?
Als hochbegabt gelten alle Menschen mit einem Intelligenzquotienten (IQ) von 130 und mehr. Höchstbegabte werden nicht mehr über den IQ definiert. Sie haben in der Regel ganz partielle Begabungen. Um sie herauszufinden, gibt es spezielle Diagnostiken – mit konventionellen Methoden sind sie kaum erkennbar. Oft sind Höchstbegabungen sogar hinter Defiziten und Schulschwächen versteckt. Es kommt vor, dass höchstbegabte Kinder zuerst von einer ganz anderen Perspektive her beobachtet werden.

Für Hochbegabte bietet die Stadt das Universikum. Eignet sich das Kursangebot nicht auch für die Höchstbegabten?
Wir haben heute wahrscheinlich auch Höchstbegabte im Universikum, aber eine Triage von Hoch- und Höchstbegabten machen wir nicht.

Kann man sagen, dass Höchstbegabte selbst im Universikum unterfordert sind?
Das ist jetzt eine Suggestivfrage.

Nein. Warum sollten Sie denn sonst noch weitere Angebote entwickeln?
Das Universikum passt nicht in jedem Einzelfall auf die Bedürfnisse von Höchstbegabten.

Sie planen Einzelunterricht?
Das ist denkbar, aber entschieden ist noch überhaupt nichts. Unterricht ist ohnehin der falsche Ausdruck, es geht eher um Begleitung oder Coaching.

Wie viele der rund 400 Kinder beim Universikum sind höchstbegabt?
Das ist schwer zu beziffern. Es wird eine Handvoll Kinder in Zürich höchstbegabt sein, vielleicht sind es neun, fünf oder vielleicht auch nur zwei Kinder.

Ist es richtig, dass das Zürcher Schulamt seine «Strategie 2025» auf ein paar wenige Höchstbegabte ausrichtet?
Unsere Strategie bleibt auf alle Kinder ausgerichtet. Jede Schülerin, jeder Schüler soll in der Stadt Zürich ihren bzw. seinen Fähigkeiten entsprechend gefördert werden. Der Bereich der Höchstbegabten ist einfach noch eine Lücke, die wir bis heute nicht abdecken können.

Zu Ihrer Strategie gehört ja auch, schwache Kinder in die Normalklassen zu integrieren. Werden jetzt dafür die guten und sehr guten Schüler abgeschöpftund separat unterrichtet?
Das ist nicht korrekt. Grundsätzlich bleiben auch die guten und sehr guten Schüler in den Normalklassen. Die Begabtenförderung soll wenn immer möglich in den Klassen stattfinden.

Also keine separate Schulung?
Die Frage ist noch nicht entschieden. Rein rechnerisch haben wir wahrscheinlich zu wenig höchstbegabte Kinder für eine separate Klasse.

Andi Hess ist Pädagoge und AbteilungsleiterLehren und Lernenim Zürcher Schul- undSportdepartement. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.02.2011, 23:21 Uhr

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3 Kommentare

Maja Koller

11.02.2011, 05:56 Uhr
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Leider werden hoch-und höchstbegabte Kinder in der Stadt Zürich nicht beachtet. Mit dem Universikum meinen die Behörden das Ei des Kolumbus gefunden zu haben. Kinder, welche einen nicht so hohen IQ haben, und sich in der Regelschule nicht behaupten können, werden gefördert, damit sie in der Schule nicht auffallen. Das andere Ende hat sich anzupassen, da sie ja gescheit sind und dies realisieren. Antworten


Anton Keller

11.02.2011, 11:37 Uhr
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Das Universikum ist nur ein Feigenblatt, dass die Hochbegabten unterhalten soll. Es ist nicht in den Schulalltag integriert und die Kinder müssen durch die ganze Stadt gekarrt werden. Von Förderung keine Spur.
In der Schule müssen die Hochbegabten das Standardprogramm abspulen, erhalten weder Zusatzaufgaben noch sonst etwas Anspruchsvolles. Wir haben die Förderung ausserschulisch geregelt.
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