«Es gibt immer noch zu wenig Chefs, die Teilzeit arbeiten»

Conny Scharfe von Swiss Re ist sicher, dass flexible Arbeitszeitmodelle die Angestellten motivieren. Der Versicherungskonzern offeriert gleich mehrere.

Ist Beraterin von Swiss Re und arbeitet weltweit an verschiedenen Projekten: Conny Scharfe. Foto: Fredi Lienhardt

Ist Beraterin von Swiss Re und arbeitet weltweit an verschiedenen Projekten: Conny Scharfe. Foto: Fredi Lienhardt

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Swiss Re hat eine lange Tradition, Frauen und Männer in der ­Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern. Weshalb?
Das Unternehmen hat sich stets dazu bekannt, Mitarbeitende in den Mittelpunkt zu stellen. Aus einem einfachen Grund: Wenn sie in einem familienfreundlichen Umfeld arbeiten, sind sie zufriedener, effizienter und auch produktiver.

Was tun Sie konkret, um die ­Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erhöhen?
Wir bieten verschiedene Arbeitsmodelle an: flexible Arbeitszeit, Möglichkeit zur Wochenarbeitszeitverkürzung, Job Sharing, Jahresarbeitszeit, Homeoffice, Teleworking.

Was ist der Unterschied zwischen Homeoffice und Teleworking?
Bei Homeoffice können Mitarbeitende wählen, ob sie zu Hause oder im Büro ­arbeiten. Bei Teleworking wird ausschliesslich ausserhalb des Betriebes gearbeitet. Das Unternehmen stellt dafür die Infrastruktur zur Verfügung.

Was heisst es bei Swiss Re, Teilzeit zu arbeiten?
Wir führen drei Modelle. So kann man die Arbeitszeit täglich von 8 ¼ auf täglich 5 Stunden reduzieren, lediglich bestimmte Tage in der Woche arbeiten oder das Modell zum «Ferieneinkauf» nutzen. Bei diesem Modell arbeitet der Mitarbeitende bei seinem Teilzeitpensum Vollzeit, dafür kann er zusätzliche Ferientage flexibel aufs Jahr verteilen.

Wie hält es das Unternehmen mit der Teilzeitarbeit von Chefs?
Mit der vor drei Jahren gestarteten Initiative «Own the way you work» sprechen wir Mitarbeitende und Führungskräfte an. Es gibt aber immer noch zuwenig Chefs, die davon profitieren.

Wie viele männlichen Chefs arbeiten Teilzeit?
Wir haben diese Zahlen in der Umfrage des kantonalen Gleichstellungsbüros genannt. Wir veröffentlichen sie aus Vertraulichkeitsgründen aber nicht.

Wie halten Sie es in Ihrem Betrieb mit Mutterschafts- und Vaterschaftsurlauben?
In der Schweiz bieten wir 16 Wochen Mutterschaftsurlaub an. Den Vätern werden 2 Wochen bezahlt. Nach Absprache ist es möglich, bis zu 24 Monate unbezahlte Elternzeit zu erhalten.

Wie unterstützt der Konzern Mitarbeitende bei den Betreuungspflichten ihrer Kinder?
Wir offerieren reservierte Kindertagesstättenplätze in Zürich und Adliswil, bieten während der Frühlings- und Sommerferien je eine Ferienplauschwoche an und eine externe Beratung und Unterstützung bei Fragen rund um die Kinderbetreuung.

Mitarbeiter der Swiss Re reisen oft und viel. Können sie von diesen Fördermassnahmen ebenfalls ­profitieren?
Für Mitarbeitendende, die viel reisen, ist es besonders wichtig, entscheiden zu können, wann und wo sie arbeiten können. Deshalb nutzen viele von ihnen nach einer Auslandreise das Home­office-Angebot.

In einer älter werdenden ­Gesellschaft wird die Pflege von Angehörigen immer wichtiger. Wie hält es Swiss Re damit?
Wir arbeiten mit einer externen Firma zusammen. Speziell ausgebildete Fachpersonen bieten ihre Unterstützung an. Mitarbeitende können nach Absprache auch eine Auszeit nehmen.

Wie rechnet sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?
Es ist noch zu früh, den Kulturwandel, der mit den verschiedenen Arbeitszeitmodellen zusammenhängt, in Zahlen auszudrücken. Das wird noch drei bis vier Jahre dauern.

Was meinen Sie mit Kulturwandel? Ist die Fluktuation weniger hoch?
Wir müssen vorsichtig sein, Kulturwandel und Jobwechsel in einen Zusammenhang zu bringen. Bei einem Wechsel spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Aber wir denken, zufriedene Mitarbeiter wechseln weniger oft die Stelle.

Wie lässt sich das Wohlbefinden der Mitarbeitenden messen?
Wir führen alle zwei Jahre eine Umfrage über die Zufriedenheit am Arbeitsplatz durch. Damit können wir abfragen, wie sich Arbeit und Familie bei unseren insgesamt rund 11 000 Mitarbeitenden vereinbaren lässt.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 24.09.2014, 22:10 Uhr)

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Prix Balance

Die Preisträger

Der Kanton Zürich hat gestern die sieben Unternehmen bekannt gegeben, die den Prix Balance erhalten. Damit zeichnet er Unternehmen aus, die ihren Mitarbeitenden eine besonders gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglichen. Es sind dies: Hug Verlag, Departementssekretariat des Hochbaudepartement der Stadt Zürich, Kuhn Rikon AG, Netcetera, Kompetenzzentrum Pflege und Gesundheit (KZU), Empa und Zürcher Kantonalbank. Um diese Auszeichnung haben sich insgesamt 76 Unternehmen, öffentliche Verwaltungen und nicht staatliche Organisationen (NGO) beworben. Den Preis ausgeschrieben und organisiert haben die kantonale Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann sowie die Standortförderung des Kantons Zürich. Mit dem Prix Balance d’honneur werden zwei weitere Arbeitgeber geehrt: Swiss Re sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst des Kantons Zürich. Die Schreinerei Paul Kleger AG, das Handwerkskollektiv und die Burkhalter Gruppe erhalten für ihr Engagement, «das
für ihre Branche aussergewöhnlich und fortschrittlich» sei, den Prix Balance d’encouragement». Der Anlass hat dieses Jahr erst zum zweiten Mal stattgefunden. (mq)

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