Zürich
«Es sind eher die Väter, die ihre Babys schütteln»
Interview: Maria Rodriguez. Aktualisiert am 15.03.2010
Ist von den neusten Zahlen enttäuscht: Ulrich Lips, Leiter Kinderschutzgruppe und Opferberatungsstelle Universitäts-Kinderspital. (Bild: PD)
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24 Schüttelopfer
Das Schütteltrauma ist eine Art von Kindsmisshandlung mit schwerwiegenden Folgen. In den meisten Fällen sieht sich ein überforderter Elternteil mit einem schreienden Baby konfrontiert. Die Situation eskaliert, der Elternteil packt das Kind und schüttelt es. Eine Tat, die sogar zum Tod des Babys führen kann.
Seit dem 1. Juli 2007 wurden gesamtschweizerisch 24 Fälle von Schütteltraumas registriert. Das ergab eine Umfrage der Zeitung «Sonntag» in Spitälern in Zürich, Bern, Basel, Lausanne, Genf, St. Gallen, Luzern und Aarau.
Im Vergleich dazu: Bei einer Erhebung der letzten grossen Schweizer Studie kam man von 2002 bis 2007 auf 50 Fälle. Die Zahl der Schüttelopfer bleibt also auf einem konstant hohen Niveau.
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Ulrich Lips, die Fälle von Schütteltrauma bleiben gemäss einer neuen Umfrage (siehe Infobox) konstant hoch, obwohl seit Jahren Aufklärungsarbeit geleistet wird. Wie erklären Sie sich diese Tatsache?
Ich muss sagen, ich bin enttäuscht, dass diese Zahlen noch so hoch sind. Schon vor Jahren wurden präventive Massnahmen getroffen und eine grosse Studie mit Fachleuten gemacht.
Hat die Prävention versagt?
Ich glaube, die rationale Information, dass man ein Baby nicht schütteln darf, die ist bei den Leuten angekommen. Nicht erreicht wurde jedoch, dass man diese Information auch in die Praxis umsetzt. Es muss ein Reflex sein, wie das Bremsen vor einer roten Ampel. Wir von der Kinderschutztruppe kümmern uns in erster Linie aber um die Intervention, nicht um die Prävention. Abgesehen von ein paar privaten Stiftungen wird von offizieller Seite, spricht beim BAG, dem Bund oder dem Kanton, nichts unternommen. Anders als beispielsweise beim Thema Aids, gibt es in Sachen Kindsmisshandlung keine Kampagnen im grossen Stil. Von dem her wurde gar nicht soviel Prävention geleistet
Am Kinderspital Zürich wurden seit Mitte 2007 4 Schütteltrauma-Fälle behandelt. Zwei Kinder starben. Woran genau?
Als sie im Kinderspital ankamen, waren sie noch am Leben. Alle Bemühungen haben aber leider nichts gebracht. Beim Schütteln können schwere Blutungen entstehen. Die Kinder starben an inneren Verletzungen des Hirnes.
Zwei weitere Opfer erlitten schwere Hirnschäden. Was bedeutet dies für die Zukunft der Kinder?
Da sie noch klein sind, kann man keine genaue Prognose stellen. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass sie eine massiv verspätete Entwicklung aufzeigen, was das Gehen und das Reden betrifft. Ob und wann sie eingeschult werden können, ist ebenfalls offen.
Welche Faktoren führen dazu, dass Eltern ihre Babys schütteln?
Ein ganz wichtiger Faktor ist die Müdigkeit. Schlafentzug ist sogar als Foltermethode bekannt. Nach ein paar schlaflosen Nächten kommt man schnell an die Grenze. Wenn dann noch Probleme dazukommen, wie ein Konflikt mit dem Partner, Arbeitslosigkeit oder eine kleine Wohnung, in der man dem Schreien des Babys kaum ausweichen kann, kann dies einen wahnsinnig grossen Stress auslösen.
Sind es eher die Mütter oder die Väter, die schütteln?
Tendenziell sind das eher die Väter, die ihr Baby schütteln.
Wie erklären Sie sich das?
Männer haben eher die Tendenz, ihre Emotionen motorisch auszudrücken.
Was soll man als überforderter Elternteil konkret tun?
Wenn man merkt, man verliert die Nerven, soll man das Baby an einen sicheren Ort legen und sich vom Krisenherd entfernen. Vielleicht hilft eine Tasse Tee oder eine Dusche. Meist ist man nach wenigen Minuten wieder auf dem Boden. Auch wenn das Kind weiterweint, soll man es alleine lassen. Das ist weit weniger schlimm, als wenn man es schüttelt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.03.2010, 13:11 Uhr
Zürich
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


