Zürich

«Es war möglicherweise ein Racheakt»

Interview: Claudia Imfeld. Aktualisiert am 05.08.2010 4 Kommentare

Die Zahl der Billettautomaten, die am Mittwoch beschädigt wurden, steigt auf 55. Gegen solche Beschädigungen lasse sich wenig machen, sagt VBZ-Sprecher Andreas Uhl. Er vermutet einen Racheakt.

1/3 Der oder die Täter zerkratzen die Münzschlitze. (Bild: Stadtpolizei Zürich)

   

«Wir müssen leider mit solchen Beschädigungen leben»: VBZ-Sprecher Andreas Uhl. (Bild: PD)

Polizei sucht Zeugen

Bislang sind bei der Stadtpolizei Zürich noch keine Hinweise eingegangen zu den Vandalen, die in der Nacht auf Mittwoch in der Stadt wüteten. Wer Angaben zu den Beschädigungen der VBZ-Billettautomaten machen kann, meldet sich unter der Telefonnummer 0 444 117 117.

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Herr Uhl, ist es möglich, dass hinter dem Vandalenakt eine Einzelperson steht?
Das ist schwierig zu sagen. Laut der Polizei wäre es theoretisch möglich. Aber 55 Billettautomaten innert sechs Stunden – das scheint doch etwas viel für einen einzelnen Täter.

Fast keiner der kaputten Automaten steht im Stadtzentrum. Können Sie sich das erklären?
In der Innenstadt ist immer etwas los, die Strassen sind meist beleuchtet. Ich nehme an, dass es dem Täter oder den Tätern an ruhigen, wenig frequentierten Orten leichter fiel, einen Billettautomaten ungestört zu beschädigen.

Funktionieren die Automaten inzwischen alle wieder?
Unsere Mitarbeiter flicken und reinigen derzeit die letzten. Die Arbeit ist nicht einfach. In manchen Fällen müssen wir Teile ersetzen. Über die Kosten können wir derzeit noch keine konkreten Angaben sagen.

Was tun die Fahrgäste, wenn sie kein Billett lösen können?
Das ist klar geregelt: Der Fahrgast ist verpflichtet zu versuchen, ein Billett zu lösen – etwa am Automaten auf der anderen Strassenseite. Wenn das nicht geht, muss er sich beim Fahrpersonal melden, respektive, in einer Kontrolle erklären, warum er ohne gültiges Billett unterwegs ist.

Stellen die Kontrolleure Bussen aus?
Dass der Automat nicht funktioniert, ist eine der häufigsten Ausreden, die unsere Mitarbeiter hören. Darum: Ja, es gibt eine Zahlungsaufforderung. Aber wenn sich herausstellt, dass die Person von einem defekten Automaten betroffen war, wird dies Zahlungsaufforderung hinfällig.

Hatte jemand eine Wut auf die neuen Automaten, welche die VBZ derzeit testen?
Nein, das denke ich nicht. Nur drei der beschädigten Automaten waren neue Modelle. Aber möglicherweise war jemand am Werk, der sich an den VBZ rächen wollte: Auf einigen Automaten waren Kleber mit der Aussage «Abzockung ausser Betrieb» angebracht. Vielleicht haben die Personen auch negative Erfahrungen beim Schwarzfahren gemacht.

Gibt es solche Vandalenakte häufiger?
Beschädigungen gibt es immer wieder. Dass jemand mit Schaum zu Werke geht, kennen wir vor allem vom Schulsilvester. Aber die aktuellen Fälle unterscheiden sich: Der oder die Täter haben teilweise Bau-Schaum verwendet, der in alle Ritzen fliesst und dann sehr hart wird. Man muss ihn mit Stechbeuteln herausschlagen und -kratzen.

Wie schützen die VBZ die Automaten am Schulsilvester vor Vandalen?
Es gibt spezielle Vandalen-Sets, mit denen die Schlitze verschlossen werden können. Aber das lässt sich nicht präventiv jede Nacht an allen Automaten machen. Der Aufwand wäre viel zu gross. Ausserdem werden unsere rund 600 Automaten ja auch immer wieder nachts gebraucht. Wir müssen mit solchen Beschädigungen leider einfach leben.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.08.2010, 13:06 Uhr

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4 Kommentare

Sascha Weber

05.08.2010, 14:05 Uhr
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Ich bin weder Polizist noch arbeite ich bei der VBZ. Trotzdem ist wohl bei den teilweise an den Billetautomaten aufgebrachten "Aufklebern" «Abzockung ausser Betrieb» der Zusammenhang wohl eher bei der Gestern angekündigten Tariferhöhung von 6% beim OV zu suchen anstatt bei Personen die negative Erfahrungen beim Schwarzfahren gemacht haben. Dummerweise ist die Aktion aber eher Preistreibend! Antworten


Jürg flückiger

05.08.2010, 17:14 Uhr
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Da die Stadt so locker bebaut ist, wie ein Agglomerationsdorf und die bewohnten Wohnungen sich abseits der Tramlinien befinden, fehlt die gegenseitige, öffentliche Kontrolle. Ein Mangel auf den, in der Fachliteratur seit ca. 1960 hingewiesen wird. Antworten



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