Fachgeschäfte stöhnen unter Samstagabendverkauf
Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 05.01.2010 18 Kommentare
Konsumenten verändern ihre Gewohnheiten: Neu sind im Globus Anzüge am Samstag bis um 20 Uhr zu kaufen. (Bild: Keystone)
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Am Anfang war Sihlcity. Als das Shoppingzentrum 2007 seine Tore öffnete, standen diese am Samstagabend bis 20 Uhr offen. Ab 17 Uhr, wenn in der Innenstadt die Geschäfte schlossen, füllten sich die Trams zum Sihlcity mit Leuten, die noch länger einkaufen wollten. Die Läden in der City trugen darauf den neuen Kundenbedürfnissen Rechnung und schlossen am Samstag jeweils eine Stunde später, um 18 Uhr. Nun ziehen zumindest die grossen Warenhäuser mit den Shoppingzentren nach. Neu werden Manor, Globus oder Jelmoli am Samstag bis 20 Uhr Kunden bedienen.
Der Vorstand der City-Vereinigung empfiehlt den Läden unverändert, am Samstag um 17 Uhr zu schliessen. Dass die Warenhäuser dieser Empfehlung nicht mehr nachkommen wollen, stört Andreas Zürcher, Geschäftsführer der City-Vereinigung, jedoch nicht. Wenn am Abend Umsatz generiert werden könne, dann mache das Sinn. Das Kaufverhalten der Konsumenten verschiebe sich gegen den Abend hin. «Und letztlich entscheidet der Kunde über die Ladenöffnungszeiten.»
Fachgeschäfte erwarten keinen Mehrumsatz
Bei den rund 1500 Stadtzürcher Geschäften, die der City-Vereinigung angehören, gehen die Meinungen über Sinn und Unsinn der ausgedehnten Öffnungszeiten auseinander. Karin Appelt, Präsidentin der Vereinigung Zürcher Spezialgeschäfte, glaubt, dass das Vorgehen der Warenhäuser nachteilig für die kleinen Läden sei. Grundsätzlich bringe ein solcher Schritt höhere Kosten – «für alle, egal ob gross oder klein.» Die Warenhäuser seien im Personaleinsatz aufgrund höherer Personalbestände flexibler und könnten somit verlängerte Öffnungszeiten besser abdecken als dies für Fachgeschäfte möglich sei.
Vorerst wird der Paul&Shark-Shop, den Appelt an der Bahnhofstrasse betreibt, weiterhin um 17 Uhr schliessen. Möglich, dass sie dadurch in kleinerem Masse Marktanteile verliere – das rechtfertige aber die höheren Kosten nicht. «Oder kaufen Sie jemandem zwei Weihnachtsgeschenke, nur weil sie länger einkaufen können?»
Shopping theoretisch bis 23 Uhr möglich
Zürcher hält es dennoch für möglich, dass auch die Fachgeschäfte bald länger geöffnet haben. Wenn noch mehr Kunden am Abend einkaufen kämen, dann müssten auch die Kleinen nachziehen. Insbesondere bei jenen Läden, die sich anders als die Warenhäuser nicht an Toplagen befinden, reichten die Kundenfrequenzen aber «wohl noch länger» nicht aus.
Das kantonale Ruhetags- und Ladenöffnungsgesetz räumt dem Handel weiteren Spielraum ein. Wie Irene Tschopp vom Amt für Wirtschaft und Arbeit erklärt, könnten die Geschäfte von Montag bis Samstag theoretisch rund um die Uhr geöffnet bleiben – wenn nicht das Arbeitsgesetz die Beschäftigung von Angestellten nach 23 Uhr verbieten würde. «Wer weiss, vielleicht sind wir ja irgendwann so weit, dass erst um 23 Uhr Ladenschluss ist.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.01.2010, 11:11 Uhr
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18 Kommentare
Warum hört man solche Einwände der kleinen Läden immer erst im Nachhinein? Wenn Oeffungszeiten liberalisiert werden sollen, hört man nur diejenigen, die das als grosse neue Errungenschaft anpreisen. Und jeder, der daran Zweifel anmeldet, ist mindestens ein Gewerbefeind. Vorher zu Wort melden, wäre viel effektiver, als nacher jammern. Antworten
An sich sollte es doch für jede Geschäftsfrau und jeden Geschäftsmann selbstverständlich sein, dann zu öffnen, wenn die Kunden Zeit zum Einkaufen haben? Ansonsten wandert das Geld eben ins Internet oder in den Sparstrumpf. Der Umsatz am Samstagabend dürfte sicher höher sein als unter der Woche am Vormittag. Also warum nicht einmal unter der Woche schließen? Antworten



