Fans gehen vor
Von Stefan Hohler. Aktualisiert am 02.09.2011 23 Kommentare
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Die Kritik von Polizeikommandant Philipp Hotzenköcherle am neuen Hardturm stösst bei der Politik auf taube Ohren. Der Stadtrat hält an seinen Plänen fest, das Stadion mit 6600 Stehplätzen auszurüsten und die FCZ-Fans in der Südkurve zu platzieren. Wie Urs Spinner vom Hochbaudepartement sagt, sei der Entscheid insofern in Stein gemeisselt, als dass diese Variante bereits Teil des Wettbewerbsprogramms sei. Dieses wird im Oktober den zwölf Architekturbüros ausgehändigt, die sich um den Bau des 150-Millionen-Stadions bewerben.
Der Entscheid, die Südkurve für die FCZ-Fans zu reservieren und Stehplätze einzurichten, ist vom vierköpfigen Steuerungsausschuss des Stadtrates (Daniel Leupi, Grüne; Martin Vollenwyder, FDP; André Odermatt, SP; Gerold Lauber, CVP) gefällt und im Juli von der Gesamtregierung abgesegnet worden. Die Stadt nimmt bauliche Mehrkosten von 6 Millionen Franken in Kauf, um die Wünsche der Fans zu erfüllen.
Zusatzkosten von rund einer Million Franken
Sechs Wochen später fiel der Kommandant der Stadtpolizei, Philipp Hotzenköcherle, dem Stadtrat in den Rücken und sprach in einem Interview offen über die Sicherheitsmängel des neuen Stadions. Wegen der FCZ-Kurve im Süden steige die Gefahr, dass Heim- und Gästefans auf der Pfingstweidstrasse aneinandergerieten. Der Polizeichef rechnet mit jährlichen Zusatzkosten von rund einer Million Franken, um die Fanlager zu trennen – weil sein Korps doppelt so viel Personal aufbieten müsse.
Laut Spinner war sich der Stadtrat dieser Problematik bewusst. «Er hat eine Güterabwägung zwischen den Interessen der Polizei und der Fussballfans gemacht.» Der Stadtrat habe aber nicht ein Stadion gegen den Willen der Fussballanhänger erstellen wollen. «Faire Fans sind ein wesentliches Element des Fussballs.»
«Abwägung aller Interessen»
In einer schriftlichen Stellungnahme schreibt Gerold Lauber, Vorsteher des Schul- und Sportdepartements, dass die Kritik des Polizeikommandanten nur dessen «persönliche Meinung» darstelle. «Diese widerspiegelt die von der Polizei vertretenen Auffassungen und ist aus deren Sicht wohl vertretbar.» Lauber betont aber, dass der Gesamtstadtrat die Stadionpläne mittrage. «Dieser hat in Abwägung aller Interessen entschieden.» Auch der Gemeinderat habe sich einstimmig für getrennte GC- und FCZKurven ausgesprochen. Lauber ist sich bewusst, dass die Sicherheit so unter Umständen nur mit einem Grossaufgebot von Polizisten gewährleistet werden kann. Er spricht von Mehrkosten zwischen 0,6 und 1,4 Millionen Franken.
Ursprünglich war geplant, die FCZFankurve im Nordteil des Stadions zu platzieren. Dagegen habe sich der Club anfänglich nicht gesperrt, sagt ein Insider. Erst als die Fans clubintern Druck aufsetzten, habe sich FCZ-Präsident Ancillo Canepa beim Stadtrat vehement für eine Verschiebung in den Süden eingesetzt – mit Erfolg. Ähnlich ging es auch bei der Frage, ob es für die treusten Anhänger Sitz- oder Stehplätze geben soll. Ursprünglich war aus Sicherheitsgründen geplant, im Stadion nur Sitzplätze zuzulassen, danach gab der Stadtrat dem Drängen der Fans nach. Laut Spinner ist der Stadtrat zuversichtlich, dass sich die Hooliganproblematik bis zur Stadioneröffnung dank den nun geplanten Massnahmen entschärft habe.
FDP-Gemeinderat Urs Egger, Präsident der IG Stadion Zürich und des Stadtzürcher Fussballverbands, ist erstaunt, dass die Polizei die Stadionpläne plötzlich infrage stellt. Er zweifelt an den genannten Mehrkosten von rund einer Million Franken pro Jahr. «Wir müssen nun das konkrete Projekt abwarten.» Es werde sich dann zeigen, ob die Passerelle entlang der Haupttribüne für die Gästefans – das eigentliche Nadelöhr – wirklich die beste Lösung sei und überhaupt gebaut werden müsse. Er stellt sich eher eine direkte Bus- oder Tramverbindung vom Bahnhof Altstetten ins Stadion vor, damit es nicht zum Kontakt zwischen den Fanlagern kommt.
Sicherheitstor im Letzigrund
Im Letzigrund soll im Gästesektor im Dezember ein Sicherheitstor mit mannshohen Drehkreuzen montiert werden, berichtete gestern 20min.ch. Daneben werden noch andere Sicherheitsvorkehrungen realisiert. Der Stadtrat hat dafür 2,64 Millionen Franken bewilligt, um das Mehrzweckstadion «Hooligan-tauglich» zu machen. «Wir sind froh, dass die Sicherheit nun verbessert wird», sagt Stadionmanager Peter Landolt.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.09.2011, 07:18 Uhr
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23 Kommentare
Mit anderen Worten: "Wir wollen nichts gegen Chaoten tun, denn sie kaufen Tickets und der Schaden ums Stadion trägt sonst jemand und das Leben der Ordnungshüter ist uns ebenfalls total egal." - Tolle Zukunft für den Schweizer Sport. Wieso werden diese degenerierten, halbwüchsigen Trottel unterstützt? Zerstörungswut als neue Freizeitaktivität. Antworten
Angesichts der Hooligan-Horden, die immer wieder hohen Sachschaden nach den Fussballspielen verursachen, verstehe ich nicht, wieso diese auch noch hier Spezialwünsche durchsetzen können! Wieso muss ich als Steuerzahler da auch noch 1,5 Mio. PRO JAHR Zusatzkosten berappen????? Gahts no!! Antworten

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