Zürich
Fifa-Hauptsitz Zürich ist bedroht
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Joseph S. Blatter sagt im Interview mit der Zeitung «Sonntag», es gebe «Leute, die in eine andere Stadt ziehen möchten». Nicht aus steuertechnischen Überlegungen, sondern «eher aus Prestigegründen».
Blatter verspricht, er werde dafür kämpfen, dass die Fifa in Zürich bleibe. Deshalb macht er sich jetzt auch dafür stark, dass das Stadion Zürich vorangetrieben wird – mit dem Ziel, es zum «Fifa-Stadion» zu machen.
Blatter: «Wenn wir neben dem ‹Home of Fifa› (dem neuen Hauptsitzgebäude) noch ein Fifa-Stadion haben, wird man kaum darüber nachdenken, aus dieser Stadt wegzuziehen.» Ziel des 73-jährigen Blatter ist, Zürich über seine Amtszeit hinaus als Fifa-Stadt zu erhalten.
Das repräsentative «Home of Fifa» in der Nähe des Zürcher Zoos hat sich der Verband 240 Millionen Franken kosten lassen. Es wurde 2007 eröffnet.
Verbandsfunktionäre liebäugeln mit Paris
Wer darauf hinarbeitet, die Fifa aus Zürich zu verlagern, will Blatter nicht verraten. Offenbar gibt es jedoch einflussreiche Kreise, die Paris als Hauptsitz sehen. Ein Dorn im Auge soll Zürich zum Beispiel für Michel Platini sein, dem Präsidenten des europäischen Fussballverbands Uefa. Dieser war früher in Paris domiziliert, 1959 zügelte er in die Schweiz – erst nach Bern, später nach Nyon im Kanton Waadt.
Dass die Schweiz sowohl die Fifa wie auch die Uefa beheimatet, passt vielen internationalen Fussballfunktionären anderer Länder nicht. Sie wollen die gegenwärtige politische Schwäche der Schweiz ausnutzen, die in den letzten Monaten viele Staaten verärgert hat – und lobbyieren hinter den Kulissen gegen sie.
Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch betont die Bedeutung der Fifa für die Limmatmetropole: «Die Fifa ist ein Wirtschaftsfaktor und schafft in Zürich direkt und indirekt Hunderte Arbeitsplätze und generiert Tausende von Hotelübernachtungen.»
Stadion Zürich: Fifa soll über zehn Millionen zahlen
Der Zürcher Stadtrat versucht, für das Stadionprojekt am Hardturm bei der Fifa möglichst viel Geld lockerzumachen. «Finanzvorsteher Martin Vollenwyder und Sportvorsteher Gerold Lauber haben mich kontaktiert», sagt Sepp Blatter der Zeitung «Sonntag». Ursprünglich stand zur Debatte, dass die Fifa für zehn Millionen Franken Aktien kaufen soll. Inzwischen will die Stadt mehr als zehn Millionen. Der Stadtrat bestätigt: «Die Stadt verhandelt mit der Fifa. Sie ist der Wunsch-Partner für das neue Stadion. Wir sind der Marke ‹Fifa-Stadion› gegenüber nicht abgeneigt. Das Ganze ist jedoch eine Preisfrage», sagt Urs Spinner, Sprecher des Hochbaudepartements.
Doch die Stadt bekommt nun Konkurrenz von Privaten. Der erfahrene Stadionmanager Peter Jauch, «Vater» und ehemaliger CEO der neuen Stadien in Basel und Bern, hält das von der Stadt aufgegleiste Projekt für «nicht seriös». Jauch: «Niemand in der Taskforce hat eine blasse Ahnung. Das zeigt allein schon, wie schnell die Kostenspirale dreht.» Jauch wandte sich daher an Sepp Blatter.
Dieser bestätigt: «Inzwischen hat sich die Gruppe, die unter anderem das Stadion in Bern gebaut hat, mit einem eigenen Projekt gemeldet. Sie spricht von Selbstfinanzierung.» Jauch erklärt: «Ich habe Blatter einen Vorschlag gemacht, wie man es machen müsste. Und ich habe ihm gesagt, dass ich dabei wäre, wenn er seinen Segen dazugibt.» Allerdings macht Jauch klar, dass er nicht mit der Taskforce der Stadt zusammenarbeiten möchte. «Die einzige Chance ist, wenn Private das Projekt durchziehen. Die Stadt muss etwas geben, Land und Geld, aber sie soll operativ nichts zu sagen haben. (bru)
Erstellt: 25.01.2010, 16:29 Uhr



