Formel-E-Rennen startet durch – oder fast

100’000 Zuschauer sollen staunen, wenn die E-Boliden durch Zürich brettern. Der Rückzug Luganos als Austragungsort hat die Chancen schlagartig erhöht. Ein Problem gibts allerdings.

Vom Hafen Enge über die Alfred-Escher-Strasse, am Hotel Hyatt vorbei bis zum Baur au Lac und am See entlang: Formel-E-Rundkurs in Zürich. Video: E-Mobil Züri

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Bisher galt: Lugano war schneller, Zürich kommt allenfalls für ein zweites Rennen infrage. Angedacht war: alternierende Austragung des Schweizer Formel-E-Rennens im Tessin und in Zürich-Enge. Das alles gilt nicht mehr. Lugano hat sich kurzfristig und völlig überraschend zurückgezogen und unterstützt nun offiziell die Zürcher Kandidatur.

In der Tessiner Metropole hatte sich politischer Widerstand von links gebildet. Darauf wurden die Geldgeber nervös und stellten Bedingungen, welche die Stadtregierung zum Rückzug bewegten. Geplant war das Rennen am 8. Mai 2016.

Peking, Buenos Aires, Paris, London, Zürich?

Nun springt der Verein E-Mobil Züri in die Bresche. Allerdings nicht im nächsten Jahr, sondern 2017. Bereits dieses Datum sei ehrgeizig, heisst es beim Verein. Dennoch: «Mit dem Rückzug Luganos hat sich Wesentliches geändert», sagt Vereinssprecher Stephan Oehen.

Denn nun gebe es in der Schweiz keine Konkurrenz mehr für den 1. Swiss ePrix mit seinen bis zu 225 km/h schnellen Boliden. Das hilft etwa bei der Suche nach nationalen Sponsoren, die insgesamt rund 10 Millionen Franken aufbringen müssten. Und es hilft beim Auftritt gegenüber der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA). Der Automobildachverband entscheidet, wo die Formula E stattfindet. In der laufenden Saison (Oktober 2015 bis Juli 2016), der zweiten überhaupt, werden die Rennen in zehn Städten ausgetragen. Darunter sind die Weltstädte Peking, Buenos Aires, Mexiko-Stadt, Paris, Berlin oder London. Nach zwei Rennen liegt der Schweizer Ex-Formel-1-Pilot Sébastien Buemi nach zwei Polepositions auf dem Gesamtrang 2.

Weltweit gibt es etwa 100 Städte, die sich dafür interessieren. Stephan Oehen gibt sich zuversichtlich, dass Zürich in die Kränze kommt. So verweist er auf reges Interesse von finanzstarken Sponsoren und auf die offizielle Unterstützung durch den Zürcher Regierungsrat.

Das vorläufige Njet des Stadtrats

Fraglich ist allerdings das Engagement der Stadt. Immerhin geht es um einen weiteren Grossanlass, von denen die Zürcher viele haben. Die aktuelle Haltung ist denn auch negativ. «Der Stadtrat hält die Zürcher Innenstadt grundsätzlich für ungeeignet für ein Autorennen», sagt Nat Bächtold, Sprecher von Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP). Die Gründe: Verkehrsbehinderungen, Anpassung der Infrastruktur (was geschieht etwa mit den störenden Randsteinen?), hohes Zuschaueraufkommen und Sicherheitsbedenken.

Die Türe ist aber nicht zugeschlagen. So hat die Stadtregierung diese Haltung vor Kenntnis des anvisierten Parcours formuliert. «Wenn ein offizielles Gesuch eingeht, wird es die Stadt natürlich vorbehaltlos prüfen», so Bächtold.

Gratis-Public-Viewing und ETH-Kongress

Oehen rechnet mit mehr als 100’000 Besuchern, die meisten auf der vorgesehenen Strecke zwischen oberer Bahnhofstrasse und Hafen Enge. Es sollen Tribünen mit kostenpflichtigen Plätzen errichtet werden, aber auch ein Gratis-Public-Viewing ist geplant. Den Zürcher Rennpromotoren schwebt nicht nur ein sportlicher Grossanlass vor, sondern eine Vernetzung zwischen Sport, Forschung und Tourismus. So könnte gleichzeitig unter der Führung der ETH ein Kongress zu E-Technologie in Zürich oder Lugano stattfinden.

Die rechtliche Situation ist inzwischen geklärt. Das Verbot für Rundstreckenrennen, das in der Schweiz vor 60 Jahren nach einer Katastrophe mit 82 Toten in Le Mans eingeführt wurde, ist für Rennen mit Elektrofahrzeugen aufgehoben worden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.12.2015, 13:47 Uhr

Hier sollen die Formel-E-Boliden durchflitzen. (Zum Vergrössern bitte anklicken.) (Grafik: ib)

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