Zürich

Michel Péclard übernimmt Café Schober

Von Benno Gasser. Aktualisiert am 04.11.2008

Der Gastronom Michel Péclard möchte im traditionsreichen Café Schober Spezialitäten eines französischen Star-Patissiers anbieten. Die Eröffnung ist für März geplant.

Gastrounternehmer Michel Péclard im Laden des Cafés Schober, wo die Renovationsarbeiten laufen.

Sophie Stieger

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Mit Michel Péclard übernimmt eine bekannte Grösse der städtischen Gastroszene das Café an der Napfgasse. Er führt unter anderem die Restaurants Münsterhof, Coco, Pumpstation und das Café Bal-thazar. Den 20-Jahre-Pachtvertrag unterzeichnete er in diesen Tagen. Mit der Unterschrift endet ein langwieriger und zäher Verhandlungsmarathon.

Nun möchte der Gastronom im nächsten Frühjahr das mehr als hundertjährige Café mit neuen Ideen und einem für die Schweiz noch weitgehend unbekannten Namen beleben: Patrick Mésiano. Der renommierte französische Patissier ist bekannt für seine Macarons, Tartes aux citrons, Le Millefeuille und weitere Spezialitäten. Damit würde eine bisher vernachlässigte Nische bedient, für die es zwar eine Nachfrage, aber nur ein sehr begrenztes Angebot gebe, sagt Péclard.

Erzählt er vom 35-jährigen Mésiano, gerät Péclard ins Schwärmen. «Er ist ein Künstler.» Der Franzose steht in den Diensten des 3-Sterne-Kochs Joël Robuchon, der von «Gault Millau» als «Koch des Jahrhunderts» ausgezeichnet wurde. Daneben betreibt Mésiano in Beaulieu-sur-Mer einen eigenen Verkaufsladen und eine Produktion. Sieben Patissiers arbeiten für den Maître. Einer dieser Spezialisten wird im Schober tätig sein.

Ein Café mit französischem Flair

Auch die übrigen Zulieferer können sich sehen lassen: Schokoladen und Pralinés bezieht Péclard von der Confiserie Honold. Der Tee kommt aus der unmittelbaren Nachbarschaft – vom Kolonialwarengeschäft Schwarzenbach. Im Schober ist im Spiegelraum in der oberen Etage eine Teebar geplant. Auch optisch wird die Verbundenheit zwischen den zwei Lokalen zu sehen sein: Über dem Eingang des Schobers soll ein schwarzes Schild mit goldener Schrift prangen, das zurzeit in Paris hergestellt wird. Auch die runden und viereckigen Tische aus Holz, Marmor und Messingfüssen werden in Paris produziert.

Die französische Hauptstadt ist eine wichtige Inspirationsquelle bei der Gestaltung des Interieurs und der Produkte. Paten stehen unter anderem die führenden Häuser Ladurée und Fauchon. Martin Egger, der künftige Geschäftsführer des Schobers, legt deshalb auch grössten Wert auf das Design der Verpackungen. «Wir wollen hochwertige Schachteln verwenden, kleine Prunkstücke, die man wieder benützen kann.»

Das Schober werde ein Café mit französischem Flair, sagt Egger. Neben süssen werden auch kleine salzige Speisen angeboten. Klein werden die Portionen im wörtlichen Sinn sein, mehr eine Art Degustationsmenüs, welche die Starköchin Irma Dütsch zusammenstellt.

Ein neuer Raum für Gesellschaften

Bei der Gestaltung der geschützten Innenräume hat auch der Denkmalschutz ein Wort mitzureden. Das Ladenlokal im Neobarock-Stil mit dem alten Leuchter und der antiken Nationalkasse präsentiert sich auch nach der fast beendeten Renovation wie im Jahr 1890. Noch fehlen die Tapeten. Zu den rund 105 bestehenden Sitzplätzen kommt ein neuer Raum hinzu mit Platz für 35 Personen. Der Saal mit Stuckdecke diente bisher als Büro und kann auch von Gesellschaften gemietet werden.

Lange wurde darüber gerätselt, wer die Nachfolge der Firma Teuscher antreten wird. 32 Jahre lang führte sie das Café Schober und verhalf ihm auch dank üppiger Blumendekorationen zu einem grossen Renommee. Vor wenigen Wochen eröffnete Teuscher am neuen Standort im Bellevuehaus das Café Felix.

Péclard und die Erbengemeinschaft Schober standen bereits einmal kurz vor der Unterzeichnung, doch Meinungsverschiedenheiten in Gestaltungsfragen liessen die Verhandlungen platzen. Die Suche habe sich schwieriger gestaltet, als er gedacht habe, sagt Roland Guggisberg, Sprecher der Erbengemeinschaft. Die Wiedereröffnung war eigentlich bereits für Mitte September geplant gewesen.

Eine pikantes Problem bleibt noch bis zur Eröffnung zu lösen: die Namensgebung. Teuscher liess «Café Schober» für sich als Marke eintragen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.11.2008, 21:21 Uhr

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