Frauen dürfen im City-Hallenbad wieder unter sich saunieren

Seit der Wiedereröffnung gabs im Stadtbad nur noch die gemischte Sauna. Frauen protestierten beim Sportamt – und kippten die Regelung.

Die neue Sauna im City-Hallenbad soll für alle attraktiv sein.

Die neue Sauna im City-Hallenbad soll für alle attraktiv sein. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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In der finnischen Sauna schwitzen gestern Mittag drei Männer und drei Frauen: ein perfekt gemischter Betrieb. Alle haben ihr Tuch in maximal möglicher Entfernung zum nächsten Gast aufs warme Holz gelegt. Niemand schwatzt, zu hören sind bloss das metallische Klicken des Ofens und dann und wann eine feuchte Hand, die auf nackte Haut patscht. Kein Blick kreuzt den anderen.

So stellt sich das Sportamt das Saunieren im frisch renovierten City-Hallenbad vor. Um erotischen Abenteurern das Handwerk zu legen, hatte man mit der Wiedereröffnung am 19. Januar die Frauen-Zeiten in der Sauna abgeschafft. Die Überlegung dahinter: Mischen sich Frauen unter die Männer, steigt die Hemmschwelle für sexuellen Austausch. Die «soziale Kontrolle» spielt.

Gegen Unisex-Politik

«Allerhand», fand das Uschi Heinrich: «Ich spiele doch nicht den Anstandswauwau für die Stadt.» Die ehemalige SP-Gemeinderätin nahm den Kampf gegen die dauerhaft gemischte Sauna auf. Sie stosse sich daran, dass die Stadt ein Problem mit ein paar wenigen Männern, welche die Sauna mit einem Saunaclub verwechselten, so lösen wolle. Es sei eine Tatsache, dass viele Frauen eine geschlechtergetrennte Sauna schätzten. «Ich bin keine 20 mehr und möchte selber entscheiden, wer mich nackt sehen darf.» Heinrich suchte im Freundeskreis, im Zürcher Rathaus und sogar im Bundeshaus nach Verbündeten, die ihren Protest unterstützen. Zahlreich deponierten die Frauen ihre Forderung beim Sportamt: eigene Frauen-Zeiten.

Aktiv wurde auch SP-Nationalrätin Jacqueline Badran, die überhaupt kein Verständnis für die strikte Unisex-Politik des Hallenbads hat: «Das liegt nicht drin, so liebevoll das Bad auch saniert worden ist.» Seit ihrem siebten Geburtstag besuche sie «ihr» Stadtbad. In die Sauna könne sie nun leider nicht mehr.

«Ich wurde angestarrt»

Uschi Heinrich sagt, sie habe keine Lust, ständig aufpassen zu müssen, wie sie sich in der Sauna hinlege. Angemacht worden sei sie noch nie, ebenfalls habe sie nie unsittliches Verhalten beobachtet. «Angestarrt wurde ich jedoch bereits.» In solchen Situationen ziehe sie sich sofort zurück. «Prüde bin ich deswegen nicht.»

Die Frage, ob es auch Männer-Zeiten in der Sauna geben sollte, will Uschi Heinrich nicht beantworten. Sie könne nicht für die Männer sprechen. Ein Problem hätte sie damit nicht, «im Gegenteil». Männer seien aber in gewissen Dingen unkomplizierter als Frauen. «Vielleicht haben sie das im Militär gelernt.»

«Wir nehmen die Anliegen der Gäste ernst»

Gestern Nachmittag beschäftigte man sich auf dem Sportamt mit dem Frauenprotest. Bäderchef Patrick Müller sprach von gut einem Dutzend schriftlicher Reklamationen wegen fehlender Frauenzeiten in der Sauna. «Wir sind stets sehr nahe bei unseren Gästen und nehmen deren Anliegen ernst.» Man habe in den Tagen seit der Wiedereröffnung des Hallenbads gemerkt, dass ein Bedürfnis für geschlechtergetrennte Saunagänge vorhanden sei. Deswegen sollen diese nun «umgehend» wieder ermöglicht werden. Vorgesehen sind Blockzeiten an zwei bis drei Tagen in der Woche.

Hoch erfreut reagierte gestern Abend Uschi Heinrich, als sie vom Rückzieher der Stadt erfuhr: «Nun kann ich endlich wieder ins grossartige City-Hallenbad.»

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 25.01.2013, 07:40 Uhr)

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