Frauen schreiben die besseren Bewerbungen

Die VBZ haben 2013 so viele Tramführerinnen wie noch nie rekrutiert. Um über seinen Erfolg zu referieren, wird Personalchef Jörg Buckmann bis nach Deutschland eingeladen.

Jedes vierte Zürcher Tram steuert eine Frau, weil sie spezifisch für diesen Job angeworben worden ist.

Jedes vierte Zürcher Tram steuert eine Frau, weil sie spezifisch für diesen Job angeworben worden ist. Bild: PD

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Die Zahl sticht ins Auge: 41 Prozent aller Trampiloten, welche die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) heuer neu angestellt haben, sind Frauen. In absoluten Zahlen heisst das, 27 der 64 Stellen, die 2013 in den Tramcockpits neu zu besetzen waren, gingen ans weibliche Geschlecht. Jörg Buckmann, Leiter des Personalmanagements, spricht von einem Erfolg. Doch dahinter steckt seine konsequent auf Frauen ausgerichtete Kampagne. «Frauen bewerben sich nur dann, wenn wir sie konsequent ansprechen», sagt er. Das tun die VBZ nun schon das dritte Jahr in Folge. Der Grund ist trivial: In den meisten Berufsfeldern der VBZ gibt es praktisch nur Männer, beispielsweise im Bereich der Automatik, bei den Lastwagenmechanikern, Ingenieuren und Busfahrern. Bei den Trampiloten hingegen ist die Zuordnung weniger ausgeprägt. «Deshalb rekrutieren wir da auf dem ganz normalen Arbeitsmarkt, bei dem die Frauen 45 Prozent ausmachen.»

Durch die konsequent auf Frauen ausgerichteten Kampagnen hat sich der Anteil der Bewerbungen von Frauen von durchschnittlich 16 Prozent bei den Trampiloten auf 32 Prozent verdoppelt. Liegen die Dossiers aber einmal auf dem Tisch, spielt das Geschlecht keine Rolle mehr. Obwohl sich weniger Frauen als Männer bewerben, werden mehr von ihnen angestellt. Das liegt an der Qualität der Bewerbungen von Frauen. «Ihre Bewerbungsdossiers sprechen für sich», sagt Buckmann. Er führt das vor allem darauf zurück, dass Frauen ein Bewerbungsschreiben bewusster und sorgfältiger verfassen als Männer. «Die machen einfach mal», sagt Buckmann.

Von den total 650 Trampiloten in den Diensten der VBZ sind heute 25 Prozent Frauen, das heisst, in jedem vierten Tram sitzt eine Frau im Führerstand. Fahrgästen vermitteln sie das Gefühl, weicher und vorausschauender zu fahren als ihre männlichen Kollegen. Bestätigen lässt sich dies jedoch nicht, selbst von den Fahrlehrerinnen nicht. Besonderes Fahrkönnen gehört denn auch nicht zum Anforderungsprofil des Berufs, sondern Erfahrung im Umgang mit Kunden, unregelmässige Arbeitszeiten, gute Gesundheit, sehr zuverlässiges, gutes Auftreten und gute Deutschkenntnisse.

In Bern fährt Frau zuerst Bus, dann Tram

Mit den hohen Frauenquoten unter den Trampiloten sind die VBZ in der Schweiz und auch im deutschsprachigen Raum Spitzenreiter. Die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) verzeichnen rund 21 Prozent weibliche Wagenführerinnen, das heisst, von den 318 Tramlenkern sind 67 Frauen. Die BVB bieten innerhalb ihrer Personalkampagne, welche seit Anfang 2013 läuft, auch aktiv Teilzeitpensen an, denn früher war der Einstieg nur Vollzeit möglich. Das soll den Beruf auch für Frauen und Mütter attraktiv machen. Mediensprecherin Dagmar Jenny sagt: «Die Anzahl der Bewerbungen von Frauen ist während der Zeit mit den expliziten Frauensujets kurzfristig angestiegen, hat sich aber nicht nachhaltig gehalten.»

In Bern ist der Anteil mit 9,2 Prozent deutlich tiefer, wobei sich diese Zahl nicht direkt mit Zürich vergleichen lässt. Die Städtischen Verkehrsbetriebe Bern rekrutieren nämlich nicht spezifisch Tramführerinnen. Mediensprecher Rolf Meyer sagt: «Alle unsere Lenker fahren zuerst Bus und dann Tram, sodass sie polyvalent einsetzbar sind.»

In Deutschland gelten die VBZ mit ihren Trampilotinnen jedenfalls als Vorbild. Jörg Buckmann hält pro Jahr über sein Konzept mindestens 10 Vorträge.

Und auch für 2014 ist Buckmann bereits wieder in den Startlöchern. Für die geplanten 50 bis 60 Abgänge will er erneut besonders Frauen anwerben, sei es auf Plakaten, im Kino oder auf Facebook. «Wollen wir diesen Kurs für mehr Frauen bei den VBZ weiterverfolgen, dürfen wir nicht nachlassen mit den Kampagnen, denn sonst bewirbt sich keine Frau mehr.» Dass er dereinst nicht genügend Leute finden wird, fürchtet Buckmann nicht. Männer bewerben sich nämlich auch ohne spezielle Kampagne. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.12.2013, 16:19 Uhr

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