Zürich

Frauen wollen ihre Garderobe im Letten behalten

Von Benno Gasser. Aktualisiert am 29.04.2010 6 Kommentare

Im nächsten Winter wird die Badeanstalt Oberer Letten saniert. Das Frauendeck wird danach auch für Männer offen sein.

Das Flussbad Oberer Letten: Das Frauendeck ist im Bild links oben zu sehen.

Reto Oeschger

Die Frauen verlieren ein Stück Exklusivität im Herzen der Stadt: das Sonnendeck im Oberen Letten. Die Geschlechtertrennung ist nach der geplanten Sanierung im kommenden Winter Geschichte. Künftig wird in diesem Bereich ein gedecktes Restaurant stehen, das auch für Männer zugänglich ist. Dafür werden die bisherigen Gastrobauten auf der Plattform aufgehoben. Weil das neue Restaurant Platz braucht, verschwindet auch ein Teil der Garderoben. Darum sind in Zukunft nur noch Unisex-Garderoben vorgesehen.

Von den Plänen der Stadt hält eine TA-Leserin gar nichts. Dies bedeute «für viele Frauen, verdrängt und nicht ernst genommen zu werden», schreibt sie. Der Entscheid sei nicht leichtfertig gefällt worden, sagt Bäderchef Hermann Schumacher. Mit der getroffenen Lösung könne aber eine siebenstellige Summe eingespart werden. Den Gastrobereich unter den Boden zu verlegen, sei aus Kostengründen nicht möglich gewesen. Den Frauen würden zudem in den Badeanstalten Tiefenbrunnen, Utoquai und Enge eigene Bereiche zu Verfügung stehen. Mit der Unisex-Garderobe betritt die Stadt Neuland. Das Sportamt erwartet aber keine Probleme, weil sich dieser Typ in anderen Badeanstalten wie zum Beispiel dem Alpamare bewährt habe. Für den Umbau des Oberen Letten hat der Stadtrat sechs Millionen Franken bewilligt.

Kein Schwimmnachmittag

Auf eine weitere, kleine Exklusivität müssen Frauen zumindest für die nächsten zwei Jahre verzichten: den Frauenschwimmnachmittag am Donnerstag im Hallenbad City. Weil das Hallenbad saniert wird, müssen sie in den Randzeiten mit den Schulschwimmanlagen Aemtler, Rietli und Kügeliloo vorliebnehmen. Ein Ausweichen auf das Hallenbad Oerlikon sei nicht infrage gekommen, weil sonst für die Schwimmer kein gedecktes 50-Meter-Becken zur Verfügung stehe. Die jüdischen und muslimischen Organisationen, die aus religiösen Gründen das Angebot am Donnerstagnachmittag rege nutzen, hätten verständnisvoll reagiert, sagt Schumacher. Auch beim City wurde darüber diskutiert, Unisex-Garderoben zu installieren. Aus baulichen Gründen wurde die Idee aber wieder fallen gelassen, weil die Wege dann zu lang würden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.04.2010, 21:58 Uhr

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6 Kommentare

Markus Stutz

29.04.2010, 08:45 Uhr
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Also ich muss Frau Lanz Recht geben. Unisex Garderoben finde ich nun für Frauen wirklich eine Zumutung. Aber es zählt halt heute nur noch Gastro und Event und Gastro und Event, als obs die gegenwärtige Bar nicht schon getan hätte, alles muss immer perfekter und grösser werden, lächerlich. Antworten


Jacqueline Lanz

29.04.2010, 08:26 Uhr
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Die Frauen in Zürich sollten sich wehren, nicht einen der wenigen Bereiche in der Öffentlichkeit, wo sie ungestört sind, kampflos aufgeben. Ausserdem finde ich Unisexgarderoben höchst problematisch. Gerade in einer Zeit, wo die sexuellen Belästigungen von Frauen und Kindern massiv zunehmen, gehören die Garderoben getrennt, so dass es sofort auffällt, wenn sich ein Mann in diesem Bereich aufhält. Antworten



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