Freie Sicht aufs Gleismeer

Die SBB bauen beim Zürcher Hauptbahnhof 130 neue Wohnungen und Büroräume. Das Bauprojekt bietet auch ein Novum, von dem Zugreisende und Quartierbewohner profitieren.

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Während die Europaallee immer mehr Gestalt annimmt, warten auf der gegenüberliegenden Seite der Gleise im Kreis 5 mehrere Brachen der SBB auf ihre Neunutzung. Bis 2020 sollen dort entlang der Zollstrasse auf einem 600 Meter langen Areal neue Wohnhäuser und ein Dienstleistungsgebäude errichtet werden.

Der Baugrund ist aufgeteilt in die Teilbereiche Zollstrasse Ost und West. Für die Planung und Bebauung des Gebietes zwischen Hauptbahnhof und Klingenstrasse zeichnen die SBB als Grundeigentümerin verantwortlich. Auf dem Areal Zollstrasse West, das unmittelbar an die Langstrasse angrenzt, wird die Genossenschaft Kalkbreite ein Wohnbauprojekt realisieren.

80 Architekturbüros haben sich beworben

Während die Jurierung für das Genossenschaftsprojekt «Zollhaus» erst im Mai beginnt, konnten die SBB heute Dienstag die Siegerprojekte für die Zollstrasse Ost bereits vorstellen. 80 Architekturbüros haben sich laut Jürg Stöckli, Leiter SBB Immobilien, um die Teilnahme am zweiteiligen Wettbewerb beworben.

Schlussendlich hat sich die Fachjury im Wettbewerb «Wohnen» für das Projekt «Mount Rushmore» der Zürcher Architekten Esch Sintzel entschieden. Den Wettbewerb «Dienstleistung» hat das Genfer Architektenteam Made in Sàrl gewonnen.

Gekrümmte Fassade als Perrondach

Das neue Dienstleistungsgebäude der SBB mit dem kryptischen Projektnamen «20021819» – hinter der Zahlenkombination verbirgt sich das Geburtsdatum von Bahnpionier Alfred Escher – wird auf dem Baugrund zwischen Bahnhofhalle Sihlquai und Hafnerstrasse errichtet. In den Obergeschossen sind Büroräume vorgesehen. Im Erdgeschoss ist unter anderem ein Restaurant mit Terrasse geplant – unmittelbar beim Zugang zur Unterführung.

Juryvertreter Adrian Streich streicht die Qualität der gekrümmten Fassade zu den Gleisen heraus, die als Perronüberdachung diene und so die Bahnhofsarchitektur aufnehme. Das Projekt bilde ein angemessenes Vis-à-vis zur Europaallee, so Streich weiter.

Neuer Platz fürs Quartier

Das Projekt «Mount Rushmore» bringt 130 neue Mietwohnungen verteilt auf drei Gebäudekomplexe in den Kreis 5. Die Überbauung wird zwischen Klingenstrasse und Hafnerstrasse erstellt - am Übergang zwischen dichten Quartierstrukturen und offenem Gleismeer, so der Architekt. Wie im Dienstleistungsgebäude sind auch in den Erdgeschossen der Wohnbauten Gastronomiebetriebe und Ladenlokale vorgesehen.

Mit dem Louis-Favre-Platz, der in der Verlängerung der Hafnerstrasse entstehen wird, bekommt die Stadtbevölkerung einen neuen Aufenthaltsort, sagt Stöckli. Fussgänger können zudem künftig zwischen den neuen Gebäuden und dem Gleisfeld direkt und bequem zum Hauptbahnhof gelangen.

Für Velofahrer ist dieser neue Weg allerdings nicht vorgesehen. Diese werden auf der Zollstrasse mehr Platz bekommen, denn im Zuge der Bauarbeiten auf den SBB-Arealen soll der Strassenbereich neu gestaltet werden. Auch die Infrastruktur bei den Zugängen zur Bahnhofsunterführung wird überarbeitet. Dabei werde laut Stöckli auch die Veloparkierung ein Thema sein.

Büros und Wohnungen bis 2020 bezugsbereit

Insgesamt investieren die SBB laut Stöckli rund 140 Millionen Franken in das Projekt. Geplant ist die etappenweise Realisierung ab 2017. Stöckli geht davon aus, dass die Wohnungen 2019, das Dienstleistungsgebäude 2020 bezogen werden können – in etwa zeitgleich mit der Fertigstellung der Baufelder B, D und F der Europaallee. «Wir können es auch kaum erwarten, mit dem Bau zu beginnen», so Stöckli. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.02.2015, 16:10 Uhr

Das Areal Zollstrasse

Hier will die Genossenschaft Kalkbreite neuen Wohnraum errichten.

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