Zürich

Gefährliche Limmat: Sechs Tote in fünf Jahren

Von Maria Rodriguez. Aktualisiert am 10.08.2010 25 Kommentare

Dass Schwimmen ausserhalb der Badis in der Limmat nicht erlaubt ist, ist am Ufer nirgends zu lesen, das Verbot ist weitgehend unbekannt. Nach dem Tod eines Jamaikaners sucht die Stadt Zürich nach Lösungen.

1/8 Drahtschmidlisteig beim Dynamo: Hier sprang der verunglückte Jamaikaner am 7. August in die Limmat.
Felix Schindler

   

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Mangelware Rettungsring

Die Wasserschutzpolizei betreut auf Stadtzürcher Boden rund 100 Stationen mit Rettungsringen. Mindestens einmal pro Woche werden die Stationen kontrolliert.

Weil viele Ringe Vandalen oder Sammlern zum Opfer fielen, musste man alleine im Jahr 2009 zwischen 60 und 70 Ringe ersetzen, sagt Polizeisprecher René Ruf: «Es gibt Leute, die den Rettungsring aus Jux ins Wasser werfen. Andere nehmen ihn mit als Souvenir. Wir mussten im Jahr 2009 zwischen 60 und 70 Rettungsringe ersetzen.»

Auch am vergangenen Samstagabend fehlte der Rettungsring, der dem 28-jähriger Jamaikaner das Leben hätte retten können.

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Seit 2005 starben in der Limmat bereits sechs Personen. Drei tödliche Unfälle ereigneten sich im Jahr 2005. Ein weiterer im Juni 2006, als ein 30-jähriger Inder in der Nähe der Werdinsel verunglückte. Im August 2007 kam ein 44-Jähriger beim Platzspitz ums Leben. Der aktuellste Fall betrifft einen Jamaikaner. Der 28-Jährige war am Samstagabend mit seiner Freundin beim Dynamo in den Fluss gestiegen und verschwand in den Fluten. Trotz Reanimationsmassnahmen verstarb er später im Spital. Die Todesursache ist noch unklar. Die Freundin des Verstorbenen sagte gegenüber verschiedenen Medien, sie und ihr Begleiter hätten nichts gewusst vom Badeverbot.

Sie ist nicht die Einzige. Bei schönem Wetter trifft man entlang der Limmat regelmässig Schwimmer an, die das Bad im kühlen Fluss geniessen. Die Wasserschutzpolizei muss rund ein Dutzend Mal im Jahr ausrücken, weil Schwimmer auf Hilfe angewiesen sind. Auch am Sonntagabend, als eine 33-jährige Frau von der Strömung überrascht wurde: «Sie wollte sich erfrischen und begab sich beim Rathaus ins Wasser. Eine Patrouille der Stadtpolizei Zürich konnte sie beim Central rechtzeitig herausziehen», erklärt Polizeisprecher René Ruf. Auch der Geretteten war ein Schwimmerverbot in der Limmat nicht bekannt.

Verbotsschilder fehlen, Stadt sucht Lösung

Dabei ist das Baden und Schwimmen in der Limmat, ausserhalb der Badeanlagen, seit 1977 generell verboten. Der Grund sind gemäss Allgemeiner Polizeiverordnung Strömungen und die Limmatschifffahrt. Was auf der Website der Stadt Zürich zu lesen ist, sucht man am Ufer der Limmat vergeblich. Kein einziges Schild, keine Verbotstafel macht auf das geltende Recht aufmerksam.

Beim Polizeidepartement erklärt man auf Anfrage, Hunderte Schilder könnten keine Lösung sein. Trotzdem sehe man nach dem Tod des Jamaikaners Handlungsbedarf, sagt Reto Casanova, Sprecher des Polizeidepartements: «Wir werden das Thema nach den Ferien von Stadtrat Daniel Leupi aufnehmen. Bis jetzt haben wir keine praktikable Lösung gefunden.»

Bern und Basel haben Informationstafeln

Die Lösung könnte westlich der Limmatstadt liegen: «In Bern und Basel gibt es die Aare- und Rheinkarte. Dort sieht man genau, wo man schwimmen darf und wo man auch wieder rauskommt. Vielleicht wäre dies auch eine gute Lösung für Zürich», erklärt Prisca Wolfensberger, Sprecherin der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG). Die Informationstafeln wurden dort in Zusammenarbeit mit der SLRG aufgestellt. Auf Verbotsschilder würde Wolfensberger jedoch verzichten.

Nicht nur die Missachtung des Schwimmverbots ist lebensgefährlich. Die Wasserschutzpolizei betreut auf Stadtzürcher Boden rund 100 Stationen mit Rettungsringen. Mindestens einmal pro Woche werden die Stationen kontrolliert. Weil viele Ringe Vandalen oder Sammlern zum Opfer fielen, musste man allein im Jahr 2009 zwischen 60 und 70 Ringe ersetzen, sagt Polizeisprecher René Ruf: «Es gibt Leute, die den Rettungsring aus Jux ins Wasser werfen. Andere nehmen ihn mit als Souvenir.» Auch am Samstagabend fehlte der Rettungsring, der dem 28-jähriger Jamaikaner das Leben hätte retten können.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.08.2010, 15:08 Uhr

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25 Kommentare

Rolf Heinzmann

10.08.2010, 15:43 Uhr
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In der Limmat kommen nicht darum sechs Tote in fünf Jahren um, weil sie gefährlicher als andere Flüsse wäre. Der Hauptgrund liegt schlicht darin, dass in der Limmat viel mehr Menschen schwimmend unterwegs sind, als in anderen Flüssen. Kein unwesentliches Detail. Antworten


Hans Häberli

10.08.2010, 16:04 Uhr
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Jeder der in einem Fliessgewässer schwimmen geht, ist selber dafür verantwortlich. Man kann nicht alles reglementieren. Das Leben an sich ist ein Risiko, welches meistens mit dem Tod endet Antworten



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