Gefrässige Exoten machen sich in Zürich breit
Von Claudia Imfeld. Aktualisiert am 29.03.2010 2 Kommentare
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Eigentlich sollte sie die Schweizer Winter nicht überleben: Die ursprünglich aus Nordamerika stammende Rotwangen-Schmuckschildkröte mag es nicht allzu kalt. Doch das Tier überlebt - auch in der Stadt Zürich, wie Max Ruckstuhl von Grün Stadt Zürich beobachtet hat.
Er schätzt, dass sich in den Weihern der Stadt derzeit etwa ein Dutzend Rotwangen-Schmuckschildkröten tummeln und ihre Panzer und rot gezeichneten Köpfe in den Sonnenstrahlen wärmen. Beim Dunkelhölzli-Weiher sind schon Exemplare gesichtet worden, im Irchelpark, am Schanzengraben, am Katzensee: «Eigentlich an jedem Stadtzürcher Weiher», fasst Ruckstuhl zusammen.
Bis zu 75 Jahre alt
Für das einheimische Ökosystem stellt die Schildkröte eine Gefahr dar. Denn sie frisst alles kahl und macht so einheimischen Arten das Nahrungsangebot streitig. Ob die Stadtzürcher Exemplare der Trachemys scripta elegans sich bereits fortgepflanzt haben, kann Ruckstuhl nicht sagen. Aber klar ist: «Wenn sie das schaffen, dann haben wir ein grosses Problem.» Ruckstuhl geht davon aus, dass sich die Rotwangen-Schmuckschildkröten ohne viele natürliche Feinde exponentiell vermehren würden.
Die Stadtzürcher Schildkröten mit dem orange bis roten Schläfendecken sind ausgesetzte Tiere. Häufig stammen sie von ausländischen Touristenmärkten. Was den Käufern oft nicht bewusst ist: Die Schildkröten werden bis zu 28 Zentimeter gross, zwei Kilogramm schwer - und schon auch mal 75 Jahre alt. «Einige Besitzer verlieren nach ein paar Jahren das Interesse an den Tieren und setzen sie aus», so Ruckstuhl.
Bund und Kanton haben reagiert
Das Aussetzen der Schildkröte, die möglicherweise Krankheiten auf einheimische Reptilien übertragen kann, ist verboten. Der Exote ist in der revidierten Freisetzungsverordnung des Bundes als «invasiv» aufgelistet und darf «nicht in Verkehr gebracht, importiert und verkauft werden». Auch der Kanton Zürich hat auf die steigenden Meldungen reagiert: «Wir sind angehalten, die Schildkröten einzufangen, damit sie sich nicht verbreiten», sagt Max Ruckstuhl.
Doch das ist gar nicht so einfach: Denn die Tiere bewegen sich laut Fachmann Ruckstuhl nie weit vom Wasser weg. «Oft sind sie im Weiher, bevor man genügend nahe an ihnen dran ist.» Eingefangene Exemplare kommen in der Stadtgärtnerei, wo sie bleiben können. Jenen, die ihre Schildkröte weggeben wollen, rät Max Ruckstuhl, das Tier «in die Tierhandlung zurückzubringen oder im Bekanntenkreis nach Leuten mit Aquarien zu fragen». Wer in der Stadt Rotwangen-Schmuckschildkröten sieht, soll diese Grün Stadt Zürich melden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.03.2010, 15:17 Uhr
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2 Kommentare
Da gibt es noch eine andere «invasive» Spezies, die in dieser Region – und nicht nur da – bemerkenswertere Schäden hinterlassen hat , als ein paar leer gefressene Weiher – : der Homo sapiens. Ich, wir, – der Schädling vom Dienst, die Krone der Schöpfung usw. Also immer schön das Augenmass bewahren. Und: Die bösen Schildkröten sind wohl nicht über das grosse Wasser hierher geflogen – oder? Antworten
@René Bosshard: Nein, diese nichteinheimischen, Ökosystem-Schädlinge sind nicht alleine hierhergeflogen. Der keineswegs invasive sondern Einheimische-Verursacher, schaut jetzt aber das er den Fehler wiedergut macht. Fals Sie sich als "Invasiv" betrachten können Sie sich ja an Ihr angestammtes Gebiet zurückbegeben. Ist das so recht für Sie? Antworten



