Zürich

Gemeinderat 2.0

Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 23.03.2011 20 Kommentare

Dass die Medien live aus einer Ratsdebatte berichten, ist für die Zürcher Politiker neu. Bei der Premiere am vergangenen Mittwoch führte das mitunter zu kuriosen Situationen.

Bestimmt über die Ausgaben der Stadt Zürich: Der Gemeinderat an der Budgetdebatte – ab 14.15 Uhr live auf Tagesanzeiger.ch.

Bestimmt über die Ausgaben der Stadt Zürich: Der Gemeinderat an der Budgetdebatte – ab 14.15 Uhr live auf Tagesanzeiger.ch.
Bild: Keystone

Finale im Budgetstreit

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Wenn heute der Zürcher Budgetstreit in die finale Runde geht, verfolgen nicht nur die Gemeinderäte und Besucher auf der Tribüne die Debatten. Zahlreiche Leser von Tagesanzeiger.ch informieren sich durch ein Angebot, das es bis anhin nicht gab: Den Live-Ticker aus dem Rathaus. Darin werden die Diskussionen laufend zusammengefasst und Abstimmungsergebnisse umgehend verbreitet.

Es dauerte nicht lange und jeder Parlamentarier, der konnte, verfolgte die Berichterstattung parallel zur Debatte. Die entsprechende Schnittstelle des drahtlosen Netzwerkes im Rathaus erreichte dabei eine Auslastung von bis zu 89 Prozent. Dabei erreichte die Berichterstattung eine grössere Beachtung als die Übertragung des gleichzeitig stattfindenden Spiels der Champions League, die für gewöhnlich sehr grosses Interesse der Gemeinderäte geniesst.

SMS vom Parteikollegen

Dass die Debatte und die Berichterstattung gleichzeitig geschehen, das war auch für die Politiker ein Novum. Normalerweise stellt sich ein Politiker ans Rednerpult, hält sein Votum und die übrigen Gemeinderäte hören mehr oder weniger zu. Die Medien bleiben aussen vor und berichten anschliessend über die Debatte. Am vergangenen Mittwoch kam es zu einer bisher einzigartigen Interaktion zwischen der Zürcher Politik und Medien. So wandten sich einige Parlamentarier direkt an den Berichterstatter, um ihre politischen Gegner zu kritisieren. Ihre Aussagen flossen teils sofort in den Ticker ein.

Und die Politiker, die nach einem Votum an ihren Platz zurückkehrten, begutachteten ihre Worte im Spiegel der Medien. Eine langjährige SP-Vertreterin war offenbar der Ansicht, das ihre Aussage nicht adäquat wiedergegeben worden sei – und schrieb dem Berichterstatter ihre Präzisierung auf einen Zettel. Und ein SVP-Mann kritisierte, sein Bild passe nicht zum Zitat-Titel des Artikels. Die Interaktion zwischen Debatte und Berichterstattung ging so weit, dass ein Bürgerlicher eine Schlagzeile auf Tagesanzeiger.ch zitierte, die kaum fünf Minuten alt war.

Live-Bericht zitiert

Auch die Leser schalteten sich direkt ins politische Geschehen ein, indem sie die Kommentarspalten füllten und so zusätzlich Stimmung machten. Und Politiker, die dem Rat nicht angehören, kommentierten die Voten der Parlamentarier per SMS und E-Mails. Dass sie sich ihrer Stimme enthielten, brachte einigen Mitgliedern der EVP und der CVP schon Kritik von aussen ein, noch bevor sie den Ratssaal verlassen hatten.

Auch heute Mittwoch berichtet Tagesanzeiger.ch live aus dem Ratssaal über die Budgetdebatte. Die Berichterstattung beginnt um 14.15 Uhr. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.03.2011, 13:16 Uhr

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20 Kommentare

Andreas Treichler

24.03.2011, 10:45 Uhr
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Einfach nur peinlich. Wenn meine 3 Kinder (11,9,6) sich ähnlich in die Haare geraten und Trötzeln lasse ich sie für eine gewisse Zeit gewähren, dann schreite ich ein und kann sie i.R. zur Kompromissfähigkeit anregen und auch eine Lösung erzielen. Bei einigen der grossen Kinder (Gemeinderäte) scheint dies nicht möglich zu sein. Ist eigentlich schon ein Armutszeugnis. Antworten


Robert Meili

23.03.2011, 13:38 Uhr
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Das ist ja der Gipfel des Narzissmus! Dieser Blenderverein sollte sich lieber vor Augen halten, dass die für uns da sind und nicht umgekehrt. Antworten



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