Gemeinderat sorgt mit Trägerleibchen für rote Köpfe
Von Benno Gasser. Aktualisiert am 05.06.2009 50 Kommentare
Kleider machen Leute: Matthias Probst, Gemeinderat der Grünen.
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Als Gemeinderat Matthias Probst (Grüne) am vergangenen Mittwoch durch den Ratssaal lief, schauten ihm mehrere Parlamentskollegen irritiert hinterher. Der Grund für die abschätzigen Blicke war das schwarze Trägerleibchen des ETH-Studenten. Während der Ratssitzung bezeichnete ihn SVP-Fraktionspräsident Mauro Tuena in seinem Votum deshalb als «Halbblutten». Ähnliche Szenen spielten sich bereits am Mittwoch vor einer Woche wegen Probsts knappem Shirt ab. Damals beschwerten sich mehrere Parlamentarier bei Ratspräsident Robert Schönbächbler (CVP) über die allzu lockere Kleidung des Grünen-Politikers, der seine langen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammenbindet. Mehr als mahnende Worte sprechen kann Schönbächler allerdings nicht. In der Geschäftsordnung des Gemeinderats steht nichts darüber, wie sich die Ratsmitglieder zu kleiden haben. Auch im Kantons- oder Nationalrat existieren keine solche Vorschriften. Nur in der Geschäftsordnung des Ständerats wird noch von den Politikern «schickliche Kleidung» gefordert.
Angemessenes Tenü
Schönbächler bat deshalb die Fraktionspräsidenten vor einigen Tagen, sie möchten ihrem Kollegen mitteilen, auch in der Sommerzeit ein dem Ratssaal angemessenes Tenü zu tragen. Bei dieser Gelegenheit rief Schönbächler in Erinnerung, dass während der Ratssitzungen nicht gegessen und getrunken werden sollte. Probst sprach er vergangenen Mittwoch auch noch persönlich auf seinen Kleidungsstil an.
«Ich habe Mühe damit, dass sich gewisse Leute auf Probst einschiessen», sagt Daniel Leupi, Fraktionschef der Grünen. Auch andere Fraktionen würden es nicht so genau nehmen mit der Disziplin im Ratssaal. «Bei der AL wird während der Debatten Cola getrunken, und die Leute von der FDP essen Luxemburgerli.» Er habe mit Probst geredet, ihm aber keine Vorschriften gemacht, weil er auf die Selbstverantwortung seiner Leute setze.
Pionier der «eigenen Kleiderordnung»
Bereits früher provozierte ein Ratsmitglied mit seinen Kleidern. Im Jahr 2000 erschien SP-Gemeinderat Thomas Marthaler im ärmellosen T-Shirt, kurzen Hosen und Sandalen im Saal. Damals kam die Kritik aus dem Lager der FDP. «Ich bin der Letzte, der Krawatte und Jackett vorschreiben will, aber es geht nicht, dass jemand im Strand-Outfit in den Rat geschlurft kommt», sagte FDP-Gemeinderat Urs Lauffer. In solchen Fällen sei der Fraktionschef gefordert.
Fraktionschef Tuena hat kein Verständnis für Probsts Auftreten. «Die Würde des Gemeinderats wird mit Füssen getreten.» Er selber ziehe auch bei der grössten Hitze immer Anzug und Krawatte an. Im klimatisierten Saal sei dies auch im Sommer kein Problem. Laut dem langjährigen Ratsmitglied Schönbächler hätten die Kleider weiblicher Ratsmitglieder bisher nie Probleme ähnlicher Art bereitet. Matthias Probst konnte für eine persönliche Stellungnahme nicht erreicht werden.
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Erstellt: 04.06.2009, 20:49 Uhr



