Gemeinderat will 10 Sexboxen
Von Martin Huber. Aktualisiert am 15.09.2011 5 Kommentare
Dossiers
Artikel zum Thema
- Fast alle wollen die Sexboxen
- Weshalb Sexboxen das Zuhälter-Problem nicht lösen werden
- Jeder zweiten Prostituierten wird Bescheinigung verwehrt
- Warum es am Sihlquai weniger Frauen hat
- «Der Strassenstrich ist Chefsache»
- Der Strassenstrich in der Box
- SVP sammelt Unterschriften gegen Sexboxen
- Die Brückenbauerin
- «Man darf das Milieu nicht glorifizieren»
Stichworte
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an
4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
A«Wir müssen dieses Experiment wagen.» So appellierte Zürichs Sozialvorsteher Martin Waser (SP) gestern Abend an den Gemeinderat, der über den 2,4-Millionen-Kredit für den Strichplatz diskutierte. Das Projekt sei wichtig für die Stadt Zürich. Es gebe keine brauchbare und rasch umsetzbare Alternative, und die Situation am Sihlquai könne so nicht mehr länger geduldet werden, sagte Waser. Das Parlament folgte ihm und stimmte dem Kredit mit 74 Ja zu 30 Nein zu. Alle Parteien ausser SVP, EVP und Schweizer Demokraten waren dafür, die AL enthielt sich der Stimme.
Damit kann die Stadt auf einer Brache zwischen Aargauer- und Bernerstrasse zehn garagenähnliche Boxen errichten, in welche die Freier mit ihren Autos hineinfahren können, um bedient zu werden. Der Stadtrat will den Strichplatz im nächsten Frühling eröffnen und gleichzeitig den Strassenstrich am Sihlquai aufheben. Zürich ist die erste Schweizer Stadt, die solche Verrichtungsboxen einführt. Erprobt wurden sie bereits in verschiedenen deutschen Städten.
Im Gemeinderat stiess das Pionierprojekt auf breite Zustimmung, doch es gab auch gewichtige Einwände. SP, FDP, CVP und GLP bezeichneten die Verrichtungsboxen als sinnvolle und pragmatische Massnahme. Sie hoffen, damit den Prostituierten eine sicherere Arbeitsumgebung zu bieten und die Bevölkerung im Kreis 5 zu entlasten. SP-Vertreter zeigten sich zuversichtlich, dass die Verlegung des Strichplatzes funktionieren werde. Zürich habe schon im Umgang mit der offenen Drogenszene am Letten bewiesen, dass man mit innovativen Lösungen Erfolg haben kann.
«Subventionierte Zuhälter»
Für die CVP ist der «staatliche Strichplatz» kein Allheilmittel, aber ein wichtiges Puzzleteilchen, um die Probleme des Strassenstrichs zu entschärfen. Die FDP verwies auf deutsche Städte, die grundsätzlich gute Erfahrungen mit Sexboxen gemacht hätten. Genau dies zog die SVP in Zweifel. In Dortmund etwa hätten die «Vogelhäuschen» wieder geschlossen werden müssen. Der Strichplatz war zum Magneten für Kriminelle aus dem Osten geworden.
Zwar sprach sich auch die SVP für die Schliessung des Strassenstrichs am Sihlquai aus. Doch für sie ist es keine Aufgabe des Staates, einen betreuten Strichplatz zu betreiben. Zudem hält sie die jährlichen Folgekosten von rund einer halben Million Franken für zu hoch. Von einem «Freiluftbordell auf Kosten des Steuerzahlers» war die Rede. Die EVP sprach von einem «Schnellschuss», das Problem werde bloss verlagert. Sie befürchtet zudem, der Steuerzahler könnte Zuhälter subventionieren. Die SD zweifelten, dass der Strichplatz auf Akzeptanz der Freier stossen werde.
Polizeikommission berät
Mit dem Ja des Stadtparlaments hat das Projekt eine wichtige Hürde genommen. Doch wann die ersten Freier in die Sexboxen fahren können, ist offen. Rekurse sind möglich. In Altstetten hatte sich bereits kurz nach Bekanntgabe des Vorhabens Widerstand geregt. Man wolle nicht zum «Abfallkübel der Stadt» werden, hiess es. Immerhin hat der Gemeinderat gestern ein SP-Postulat überwiesen, das die Einsetzung einer Begleitgruppe fordert, welche die Erfahrungen mit dem Strichplatz auswertet. Ihr sollen Anwohner, Gewerbevertreter und Frauenorganisationen angehören.
Die Sexboxen sind Teil eines Massnahmenpakets, mit dem die Stadt die Probleme rund um die Strassenprostitution entschärfen will. Dazu gehören auch eine neue Prostitutionsgewerbeverordnung und der überarbeitete Strichplan. Beides ist noch in der vorberatenden Polizeikommission hängig. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.09.2011, 21:08 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
5 Kommentare
Prostitution ist das "älteste Gewerbe" der Welt. Sie wird es wohl immer geben. Was mir aber schleierhaft ist - warum soll die öffentliche Hand (letztlich der Steuerzahler) Investitionen für sie bezahlen? Entsprechend einer Summe, die der Steuerlast von rund 500 Familien entspricht? Mit Folgekosten von einer halben Million im Jahr. Dafür kann man mich nicht gewinnen. Antworten
Lieber Gemeinderat. Bitte setzt das Geld für etwas Gescheiteres ein, und werft es mit diesem Projekt nicht zum Fenster hinaus!!! Das Konzept mit den Sexboxen à la Carwash wird nie und nimmer funktionieren und zwar aus diversen Gründen. Die Sexanbieterinnen gehen dort hin wo Ihre Kunden sind, und nicht umgekehrt. In dieses abgelegene Niemandsland wird sich nie und nimmer ein Käufer verirren. Antworten

Bitte warten

