Gemeinderatssitzung: Alle waren «genervt» und «müde»
Von Claudia Imfeld. Aktualisiert am 26.11.2009 10 Kommentare
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Die Situation eskalierte gestern Mittwoch, nachdem Gemeinderatspräsident Robert Schönbächler (CVP) die Redezeit halbierte. SP-Gemeinderätin Jacqueline Badran blieben so 10 statt 20 Minuten pro Vorstoss. Für drei Vorstösse also 30 Minuten. Das zumindest meinte sie — und meinten viele andere im Saal. Nach zehn Minuten aber deuteten Mauro Tuena und weitere Politiker dem Ratspräsidenten an, dass die Redezeit für die SP-Gemeinderätin ganz abgelaufen sei. «Die Redezeiten für einzelne Vorstösse dürfen nicht kumuliert werden, wenn diese gemeinsam behandelt werden», sagt Tuena und bezieht sich auf eine Abmachung, die in einer Interfraktionellen Konferenz beschlossen worden sei.
«Alle waren müde»
Die Stimmung im Rat war schon von Beginn weg gereizt. Auf der Zuschauertribüne schüttelten die Leute den Kopf über das, was unten im Saal vor sich ging. Da wurde gegiftelt und gestänkert. Ratspräsident Schönbächler beschreibt die Stimmung einen Tag nach der Sitzung als «gereizt», seine Vize, Marina Garzotto (SVP), spricht von «unschönen, gehässigen Nebentönen». «Alle waren müde», sagt sie.
Auch das Abendessen, das die Sitzung unterbrach, half nicht. Min Li Marti, Fraktionschefin der SP, sagt: «Ein Abendessen mit einem Glas Wein macht die Leute auch nicht friedlicher oder schneller.» Nachtsitzungen dienten nie der Effizienz.
Die Sitzungsthemen polarisierten von Beginn weg: Einerseits die Wahl des Parlamentsdienstleiters, andererseits das Thema Wohnungsbau. Vor der Debatte sprach sich Ratspräsident Schönbächler mit den Fraktionschefs ab. Denn es war klar, die Diskussion würde viel Zeit in Anspruch nehmen: Alle Fraktionschefs waren dafür, die Debatte durchzuziehen.
Bürgerliche als «Kotz-Koalition» betitelt
Doch soweit kam es nicht. Nach ihrem unterbrochenen Votum verliess Badran den Saal. «Die Bürgerlichen hatten den ganzen Abend schon versucht, die Debatte über den Wohnungsbau hinauszuzögern. Als Mauro Tuena mich dann auch noch abklemmen wollte, platzte mir der Kragen», so Badran. Das Thema sei schon dreimal kurzfristig verschoben worden. «Das ist eine Zumutung für alle, die endlich Lösungen sehen wollen.»
Ihrem Ärger über das Taktieren von SVP und FDP hatte sie schon zuvor Luft gemacht: Aus der Ratsdebatte betitelte sie die beiden Parteien auf Facebook als «Kotz-Koalition». «Mir war wirklich zum Heulen zumute», sagt Badran heute Donnerstag gegenüber Tagesanzeiger.ch.
Mauro Tuena bezeichnet Badrans Verhalten als «mimosenhaft». «Wer wie sie austeilt, muss auch einstecken können.» Auch sagt er: «Die SP hätte ja intervenieren können, wenn sie der Ansicht ist, die Beschränkung der Redezeit stimme so nicht.» SP-Fraktionschefin Marti fand zwar «den Entscheid des Ratspräsidenten, den Einwand aufzunehmen, falsch». Doch sei zu diesem Zeitpunkt bereits der Antrag auf Abbruch der Sitzung angekündigt gewesen. «Darum haben wir darauf verzichtet, über Formalien zu streiten.»
Ratspräsident prüft Redezeit-Vorgabe
Ratspräsident Robert Schönbächler war über den Einwand zur Redezeit überrascht, wie er gegenüber Tagesanzeiger.ch sagt: «Ich dachte, es stünden Frau Badran pro Vorstoss 10 Minuten zur Verfügung, nicht 10 Minuten für alles zusammen.» Inzwischen hat Schönbächler die Geschäftsordnung des Gemeinderats konsultiert. «Zumindest daraus geht nicht hervor, dass es eine solche Beschränkung der Redezeit pro gemeinsame Behandlung gibt.» Er werde nun prüfen, woher der Einwand genau stamme. «Im Nachhinein betrachtet hätte ich die Debatte wohl besser abgebrochen», so Schönbächler. Das findet auch Jacqueline Badran: «Das Thema hat es verdient, im Rat richtig diskutiert zu werden.» Einfach Durchwinken gehe nicht. Der Wohnungsbau wird voraussichtlich im Januar wieder traktandiert. Bis dahin sollte auch klar sein, wie viel Redezeit der Motionärin zur Verfügung steht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)
Erstellt: 26.11.2009, 17:37 Uhr
10 KOMMENTARE
Es ist schon traurig, da geht es um ein ernstes Thema aber alles endet wieder in Parteigeplänkel... Für die nächsten Wahlen merken sich vielleicht die Leute, welche Parteien wirklich etwas für sie tun wollen (und nicht nur so tun, liebe SVP), zum Beispiel mit der Förderung von erschwinglichem Wohnraum!
Die Regel ist, dass eine Motion während 20 Minuten vorgestellt werden darf. Man hatte sich wegen der späten Stunde auf 10 Minuten geeinigt. Pro Motion! J.Badran hatte 3 Motionen gleichzeitig vorstellen wollen und wäre wohl nach 15 Minuten bereits fertig gewesen. Wurde aber nach 10 Minuten barsch unterbrochen. Jetzt wird dieses wichtige Thema doch noch vor Publikum debattiert. Pech gehabt, SVP.
Wenn man davon ausgehen kann dass sich jeder Parlamentarier auf das Thema vorbereiten konnte sind auch 10 Minuten MONOLOGUE zu viel. Sich für 10 Minuten einer allgemeinen Diskussion oder noch besser einem Kreuzfeuer zu stellen wäre effizienter als nur auf den jeweils eigenen Punkten und Themen rumzuhacke (dafür haben wir ja jetzt Facebook!).
ungehobelt, respektlos, stillos... so würde ich das Ganze beschreiben. Was daran mimosenhaft sein soll, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Ich empfehle Herrn Tuena einen Benimmkurs, den er auch für politische Gegner anwenden sollte, frei von interfraktionelle Abmachungen oder Geschäftsordnungen. Er nimmt das ja sowieso nicht so genau.
Lieber Mauro Tuena - Ich eine Mimose? Nachdem die Wohn-Debatte, in die ich mehr als hundert Stunden seriöse Arbeit gesteckt habe, drei mal - meist wegen eurem unberechtigten Gezeter - verschoben wurde und ich um 23.30 vor leeren Rängen zu meinem Eintretensvotum kam und nach 10 Minuten von Dir abgeklemmt wurde - erlaube ich mir zu sagen: Du bist ein Quengel-Bengel. Das war nur respektlos.
Da kann ich nur den Kopf schütteln. Dieser SP-Gemeinderätin genügen 10 Minuten nicht und die möchte sogar 30 Minuten reden (bzw. palavern)? Wenn alle soviel blablabern würden (insgesamt 125 Gemeinderätinnen und Gemeinderäte) dann würden die Sitzungen wohl nicht nur Stunden sondern Wochen dauern... Kein Wunder ist die Traktandenliste x-seitenlang...
Die nächsten Wahlen kommen bestimmt! Wir haben es in der Hand.
Reden ist ja das Selbstverständlichste, das wir von SP/Grünen gewohnt sind. Sicherlich ist durch eine verkürzte Redezeit, die der Dame eingeräumt wurde, nichts Wesenliches verloren gegangen. Handlungen wollen wir sehen, vom Palaver haben wir genug ihr lieben Linken.
Praechtige Vorbilder menschlicher und politischer Kultur. Zynisch, dass genau die selben Leute Kodexe fuer die Jugend, Randstaendige und Auslaender verlangen. Ziemlich unsauber diese Sauberleute.
Es ist schon sehr bedenklich auf welchem Niveau sich die Sache inzwischen befindet. Um bei den Fakten zu bleiben: Der Rat hat 3 (drei!) Stunden über Wohnungsbau diskutiert, die drei grössten Fraktionen hielten eine Fraktionserklärung. Wie man da behaupten kann die Debatte sei verzögert worden oder "durchgewinkt" ist mir ein Rätsel. Taktiert hat gestern vor Allem die SP, leider taktisch falsch.
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