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20-Millionen-Bohrung: SVP und SP erbost

FDP-Stadtrat Andres Türler verteidigt sein Vorgehen, über die Geothermie-Bohrung im Triemli offen zu informieren.

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Geothermische Bohrung der Stadt beim Triemli – Grafik vergrössern

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Die entscheidenden Aussagen hat das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) am Dienstag publiziert: «Zurzeit bestehen wenig Hinweise, dass Wasser in genügender Temperatur und Menge für eine Wärmenutzung vorhanden ist.» Definitive Rückschlüsse auf das Potenzial der Geothermie am Triemli-Standort seien aber noch nicht möglich. Mit anderen Worten: Es besteht weiter die Möglichkeit, 2700 Meter unter dem Triemli auf 80 bis 85 Grad warmes Wasser zu stossen; dies strich der federführende Stadtrat Andres Türler (FDP) denn auch hervor.

SP-Gemeinderätin Claudia Nielsen zeigt sich irritiert über die Art, wie Türler und das EWZ kommuniziert haben. «Ich frage mich, warum man nicht zugewartet hat, bis die Bohrung und die Tests ganz abgeschlossen und ausgewertet sind.» In den Medien sei jetzt der falsche Eindruck entstanden, es gebe zu wenig warmes Wasser für eine Wärmenutzung; dies habe dem Ruf der Geothermie als sinnvolle Technologie geschadet.

«Nur transparent informiert»

Türler ist anderer Ansicht: «Wir haben nur transparent informiert.» Hätte er dies nicht getan, wäre der Vorwurf aufgetaucht, er und das EWZ hätten etwas zu verbergen. Türler skizziert das weitere Vorgehen, an dem sich nichts geändert habe: Der Stadtrat wird in den nächsten Wochen entscheiden, ob die zweite – vom Volk bewilligte Bohrung – ausgeführt werden soll. Und er versichert: «Wir machen keine zweite Bohrung, wenn die Ergebnisse zeigen, dass dies keinen Sinn mehr macht.»

Der SVP geht dies zu wenig weit. Der Bohrer sei nicht auf Wasser gestossen, das EWZ habe die 20 Millionen Franken für die Sondierungsbohrung wirkungslos verlocht, sagt Fraktionschef Mauro Tuena. «Die Stadt muss deshalb sämtliche Geothermie-Pläne begraben.» Es sei in Zeiten der Wirtschaftskrise kein Geld für solche Projekte vorhanden. Im Widerspruch dazu steht im Parteiprogramm der SVP, die Geothermie werde längerfristig wohl zu einer wichtigen Energiequelle. Heftige Kritik übt die SVP an Türler, den sie als «linkssinnig» tituliert. Der Freisinnige sei den Träumen seiner «grünen Genossen» aufgesessen.

Wann wirds für Zürich zu teuer?

«Es wäre sinnlos, jetzt sofort aufzugeben», sagt Michael Baumer, Fraktionschef der FDP. Die Partei will die Analyse der Fachleute abwarten und dann entscheiden, wie es weitergeht.

SP-Gemeinderätin Nielsen verlangt nun eine saubere Analyse. Bestätigt sich, dass es tatsächlich zu wenig Wärme gibt, erwartet Nielsen, dass der Stadtrat keine zweite Bohrung beim Triemli beschliesst. «Gestorben wäre die Geothermie in Zürich damit aber nicht.» In einer Motion hatte Nielsen bereits im Juli gefordert, der Stadtrat müsse Abklärungen für weitere Probebohrungsstandorte treffen. Nielsen schätzt die Kosten hierfür auf 5 Millionen Franken. Ob im Zürcher Untergrund Warmwasser zu finden ist, werden erst weitere Bohrungen zeigen – und diese sind teuer. Kann es sich Zürich leisten, weitere Millionen dafür auszugeben? Nielsen beantwortet die Frage nicht, sondern stellt mit Blick auf die Endlichkeit fossiler Ressourcen eine Gegenfrage: «Kann es sich Zürich leisten, es nicht herauszufinden?»

Ein solch forsches Tempo will die FDP nicht anschlagen. «Wir können nicht überall aufs Geratewohl Bohrungen durchführen.» Wann die finanzielle Schmerzgrenze erreicht ist, sagt Baumer nicht. Er ergänzt bloss: «Sicher keine 100 Millionen Franken.»

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Erstellt: 28.01.2010, 04:00 Uhr

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14 Kommentare

Luzia Keller

29.01.2010, 10:38 Uhr
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Es waren immer die Pioniertaten, die zuerst von der Mehrheit misstrauisch abgetan und im Keim erstickt wurden. Die Stadt Zürich kann sich ein Vorbild an Horgen nehmen, wo vor wochenfrist eine Photovoltaikanlage auf dem Gemeindegebäude, abgesegnet von den Horgnern, eingeweiht wurde. Der wohl berühmteste Pionier erneuerbarer Energien, Bernard Piccard, sprach als Ehrengast von mutigen Zukunftstaten. Antworten


Sonja Djanda

28.01.2010, 12:55 Uhr
Melden 1 Empfehlung

@Stark. Natürlich wurde dem Stimmvolk einiges versprochen. Sie haben ja die Weisung 312 sicher genau gelesen, da wurden zuerst 19.89 Mio. vom GR bewilligt. Das Stimmvolk hat über einen Zusatzkredit von Fr.18.81 Mio abgestimmt weil eben diese Aussagen nicht stimmen. (siehe Weisung 388). Herr Türler hat vorsätzlich das Stimmvolk falsch informiert. Schliesslich wird er ja von den linken gewählt. Antworten


Martin Bürlimann

28.01.2010, 12:46 Uhr
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@Tom Müller @ Bartholdi: Wer soll den Untergrund denn sonst untersuchen? Der heilige Geist? Nein, Herr Müller, die ETH soll das untersuchen. Und Pionierfirmen sollen dann Unternehmergeist zeigen auf eigenes Risiko. Aber keine Experimente auf Kosten der Allgemeinheit, wie im Triemli geschehen. Antworten


Marcus Stark

28.01.2010, 11:39 Uhr
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@frau leemann, das stimmvolk hat seine geäussert und eine erkundungsborung angenommen. vergessen sie nicht es heisst ja "ERKUNDUNGSbohrung". es wurde nie versprochen es hat mit 100% wasser vorkommen. wenn sie jemand wegen 68milliarden entlassen wollen, dann gehen sie zur UBS Antworten


Jochen Fiseli

28.01.2010, 11:15 Uhr
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Die Bohrungen sind nur der transparente Beleg, dass sie immer noch abgeteuft werden, ohne vorher darüber nachzudenken, eventuell mittels angewandten geophysikalischen Methoden (Seismik) in Erfahrung zu bringen - WO GENAU die grössten Erfolgsaussichten zu erwarten sind - leider immer noch ein grosses Manko unserer Zunft - so wird das nichts! Antworten


ruth leemann

28.01.2010, 11:06 Uhr
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Millionen Steuergelder wurden verlocht - Verantworliche müssen nun zur Rechenschaft gezogen werden - entlassen werden. Antworten


alfred bleuler

28.01.2010, 11:01 Uhr
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es war ein guter versuch --- doch leider...... mein vorschlag zur lösung (teilösung) der energiefrage. ändert das baugesetz wie folgt. jeder neu- und sanierungsbau MUSS den nachweis der EIGEN-energie-versorgung zu ---- zb.60% nachweisen. solarzellen, erdwärme, brennstoffzellen, wärmekraftkopplung --- es gäbe viele weitere möglichkeiten. --- not macht erfinderisch. Antworten


Marcus Stark

28.01.2010, 10:34 Uhr
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Ich muss da Frau Nielsen zustimmen. Wir haben uns entschlossen ökologischer zu werden und dies ist und war ein Meilenstein. Hoffen wir doch, dass doch noch Wasser gefunden wird, ansonsten eine Erdsonde Antworten


Uwe Schmidt

28.01.2010, 09:36 Uhr
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Die wirtschaftliche Absturz ist nicht einfach irgendeine Krise, sondern"eine Krise die durch Gier nach noch mehr, enstanden ist. Ich Stimmen Herrn Tuena zu. Die Kritik sollte korregieren, heraufbeschwören,Schluss zu machen. Wohin spekulationen führen, kennen wir alle. Es ist nicht Aufgabe der EWZ zu spekulieren, Arbeitsplätze und Wohlstand zu zerstören. Das EWZ muss sich Rechtfertigen! Antworten


Martin Bürgin

28.01.2010, 09:35 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Heutzutage kann man mit der Radio-Tomografie kostengünstig die Beschaffenheit und Vorkommnisse von Rohstoffen im Untergrund feststellen. Auf diese Weise wird schon lange nach Gas und Erdöl gesucht. Antworten


Pedro Schmidt

28.01.2010, 09:11 Uhr
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Erdöl wird seltener und teurer – wie soll man in 30 Jahren in Zürich heizen? Claudia Nielsen hat Recht: Das Erkunden neuer Wärme- und Energiequellen ist schlicht eine Notwendigkeit. Darum muss weiter nach Geothermie gesucht werden, und nicht schon beim ersten Rückschlag aufgegeben werden. PS: Eine Erdölprobebohrung kostet deutlich mehr und ist auch nicht immer erfolgreich. Antworten


Tom Müller

28.01.2010, 08:52 Uhr
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@ Bartholdi: Wer soll den Untergrund denn sonst untersuchen? Der heilige Geist? Hätte das Projekt geklappt, hätten wir in den nächsten Jahrzehnten viel mehr als 20 Mio an Heizölkosten sparen können. Zum Vergleich: unser 9 Familienhaus verfeuert Öl im Wert von 20'000 Fr. pro Jahr... Antworten


Andreas Egli

28.01.2010, 08:37 Uhr
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Es ist Stadtrat Türler hoch anzurechnen, dass er auch vor Wahlen transparent informiert. Es war immer klar, dass mit der Geothermie in die FERNE Zukunft investiert wird - das beinhaltet immer das Risiko eines Rückschlags. Aber es IST Aufgabe des EWZ, neue Energiequellen zu erschliessen - ob das EWZ aber staatlich bleiben muss, ist eine andere Frage. Antworten


Roger Bartholdi

28.01.2010, 07:39 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Millionen wurden in ein Loch versenkt. Man muss das Projekt sofort stoppen. Übrigens, die SVP ist grundsätzlich nicht gegen Geothermie (siehe Parteiprogramm, dass alle Bürgerinnen und Bürger erhalten haben) aber es ist nicht Sache des Staates und schon gar nicht einer Gemeinde 20 Millionen auszugeben nur um zu wissen, welchen Untergrund wir haben. Die Anwohner würden einen Abbruch auch begrüssen! Antworten



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