20-Millionen-Bohrung: SVP und SP erbost

Von Stefan Häne. Aktualisiert am 28.01.2010 14 Kommentare

FDP-Stadtrat Andres Türler verteidigt sein Vorgehen, über die Geothermie-Bohrung im Triemli offen zu informieren.

<a href='http://files.newsnetz.ch/upload/3/6/3670.JPG' target='_blank'>Geothermische Bohrung der Stadt beim Triemli – Grafik vergrössern</a>

Geothermische Bohrung der Stadt beim Triemli – Grafik vergrössern

Artikel zum Thema

Stichworte

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Die entscheidenden Aussagen hat das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) am Dienstag publiziert: «Zurzeit bestehen wenig Hinweise, dass Wasser in genügender Temperatur und Menge für eine Wärmenutzung vorhanden ist.» Definitive Rückschlüsse auf das Potenzial der Geothermie am Triemli-Standort seien aber noch nicht möglich. Mit anderen Worten: Es besteht weiter die Möglichkeit, 2700 Meter unter dem Triemli auf 80 bis 85 Grad warmes Wasser zu stossen; dies strich der federführende Stadtrat Andres Türler (FDP) denn auch hervor.

SP-Gemeinderätin Claudia Nielsen zeigt sich irritiert über die Art, wie Türler und das EWZ kommuniziert haben. «Ich frage mich, warum man nicht zugewartet hat, bis die Bohrung und die Tests ganz abgeschlossen und ausgewertet sind.» In den Medien sei jetzt der falsche Eindruck entstanden, es gebe zu wenig warmes Wasser für eine Wärmenutzung; dies habe dem Ruf der Geothermie als sinnvolle Technologie geschadet.

«Nur transparent informiert»

Türler ist anderer Ansicht: «Wir haben nur transparent informiert.» Hätte er dies nicht getan, wäre der Vorwurf aufgetaucht, er und das EWZ hätten etwas zu verbergen. Türler skizziert das weitere Vorgehen, an dem sich nichts geändert habe: Der Stadtrat wird in den nächsten Wochen entscheiden, ob die zweite – vom Volk bewilligte Bohrung – ausgeführt werden soll. Und er versichert: «Wir machen keine zweite Bohrung, wenn die Ergebnisse zeigen, dass dies keinen Sinn mehr macht.»

Der SVP geht dies zu wenig weit. Der Bohrer sei nicht auf Wasser gestossen, das EWZ habe die 20 Millionen Franken für die Sondierungsbohrung wirkungslos verlocht, sagt Fraktionschef Mauro Tuena. «Die Stadt muss deshalb sämtliche Geothermie-Pläne begraben.» Es sei in Zeiten der Wirtschaftskrise kein Geld für solche Projekte vorhanden. Im Widerspruch dazu steht im Parteiprogramm der SVP, die Geothermie werde längerfristig wohl zu einer wichtigen Energiequelle. Heftige Kritik übt die SVP an Türler, den sie als «linkssinnig» tituliert. Der Freisinnige sei den Träumen seiner «grünen Genossen» aufgesessen.

Wann wirds für Zürich zu teuer?

«Es wäre sinnlos, jetzt sofort aufzugeben», sagt Michael Baumer, Fraktionschef der FDP. Die Partei will die Analyse der Fachleute abwarten und dann entscheiden, wie es weitergeht.

SP-Gemeinderätin Nielsen verlangt nun eine saubere Analyse. Bestätigt sich, dass es tatsächlich zu wenig Wärme gibt, erwartet Nielsen, dass der Stadtrat keine zweite Bohrung beim Triemli beschliesst. «Gestorben wäre die Geothermie in Zürich damit aber nicht.» In einer Motion hatte Nielsen bereits im Juli gefordert, der Stadtrat müsse Abklärungen für weitere Probebohrungsstandorte treffen. Nielsen schätzt die Kosten hierfür auf 5 Millionen Franken. Ob im Zürcher Untergrund Warmwasser zu finden ist, werden erst weitere Bohrungen zeigen – und diese sind teuer. Kann es sich Zürich leisten, weitere Millionen dafür auszugeben? Nielsen beantwortet die Frage nicht, sondern stellt mit Blick auf die Endlichkeit fossiler Ressourcen eine Gegenfrage: «Kann es sich Zürich leisten, es nicht herauszufinden?»

Ein solch forsches Tempo will die FDP nicht anschlagen. «Wir können nicht überall aufs Geratewohl Bohrungen durchführen.» Wann die finanzielle Schmerzgrenze erreicht ist, sagt Baumer nicht. Er ergänzt bloss: «Sicher keine 100 Millionen Franken.»

Mehr Nachrichten und Hintergründe aus der Stadt Zürich gibt es täglich auf den Regionalseiten im zweiten Bund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an stadt@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.01.2010, 04:00 Uhr

14

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

14 Kommentare

Roger Bartholdi

28.01.2010, 07:39 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Millionen wurden in ein Loch versenkt. Man muss das Projekt sofort stoppen. Übrigens, die SVP ist grundsätzlich nicht gegen Geothermie (siehe Parteiprogramm, dass alle Bürgerinnen und Bürger erhalten haben) aber es ist nicht Sache des Staates und schon gar nicht einer Gemeinde 20 Millionen auszugeben nur um zu wissen, welchen Untergrund wir haben. Die Anwohner würden einen Abbruch auch begrüssen! Antworten


Martin Bürgin

28.01.2010, 09:35 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Heutzutage kann man mit der Radio-Tomografie kostengünstig die Beschaffenheit und Vorkommnisse von Rohstoffen im Untergrund feststellen. Auf diese Weise wird schon lange nach Gas und Erdöl gesucht. Antworten



Zürich

Populär auf Facebook – Privatsphäre

Lokalverzeichnis

Werbung

Umfrage

Am 17. Juni stimmen wir darüber ab: Würden Sie die Volksinitiative «Freie Schulwahl für alle ab der 4. Klasse» heute annehmen?



Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Telefonbuch

Marktplatz

AKTUELLE JOBS

Marktplatz

Dachdecker gelernt Bellini Personal AG, ZH

Dachdecker/-in Bellini Personal AG, ZH

Strategischer Einkäufer - Lead Buyer (m/w) yellowshark, Bern

AKTUELLE KADERSTELLEN

Marktplatz