Grenzgänger unterwegs - von Witikon nach Leimbach

Rund 700 Personen hatten sich zum traditionellen Stadtumgang vom Samstag angemeldet. Die Bilanz der 28. Ausgabe: Wetter durchzogen, Laune gut.

Schlechtwetterprogramm: Stadtpräsident Ledergerber schenkt den Mittagskaffee im Tramdepot Altstetten aus, später ging es weiter durch den Uetlibergwald. Bild: Bobst/Reuss

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Stockeinsatz links, Stockeinsatz rechts. Es «chrosed» im Kies, es «chrosed» in den Ohren, auf dem Weg um den Katzensee besonders. Das Kratzen nervt, und bevor jetzt alle Nordic-Walker entrüstet zum Speerwurf ansetzen: Der Schreibende schreibt das zwar, beklagt hat sich jedoch am Samstag eine Zürcher Lehrerin. Auch sie wandert mit Stöcken, weil es in ihrem Alter einfach gesünder sei, aber - ein grosses Aber - sie habe die Gummiaufsätze extra auf den Spitzen belassen, weil der Lärm der Stöcke für Dritte eben unerträglich sei.

So, das wäre deponiert, als Anregung für den nächsten, den 29. Stadtumgang. Der 28. hat am Samstag stattgefunden, und besagte Lehrerin ist das erste Mal unterwegs. Endlich habe es geklappt, sagt sie. Unterwegs ist sie mit einer Kollegin, die auf der Etappe um den Katzensee ihre Digitalkamera im Videomodus ins Grüne hält. Am Abend werde sie sich das Filmchen anschauen, und flugs ergibt sich unter den Wanderfreundinnen ein Gespräch. Wie man digitale Fotos und Filme sichert, sodass man sie sich auch im Alter noch ansehen könne. Das Rezept der Videofilmerin: Sie sichere alles dreifach und halte sich punkto technischer Entwicklung auf dem Laufenden.

Wandern von Gespräch zu Gespräch

Das ist einer der unerwarteten Aspekte am Stadtumgang: Man wandert nicht nur über Wiesen und Felder, sondern auch von Gespräch zu Gespräch. Die Palette ist breit. Olympiade: «Wieso heisst das Stadion nur Vogelnest. Ein Vogelnest ist doch etwas Feines, Graziles und kein Monstrum aus Stahl.» Schule: «Der Rosshaar-Thek (ein eigenartiges Wort, Schulranzen klingt aber auch nicht besser) hat noch ewig gehalten.» Das Wetter: «Der Juli war durchzogen, der Sommer ist vorbei. Der Böögg hatte halt doch Recht.» Landwirtschaft: «Schau, dieses Kälbchen hat noch eine Nabelschnur am Bauch», staunt die Tochter. Das sei ein Muni, eröffnet der Vater die Aufklärungsstunde, vorsichtig und ohne sich in Details zu verlieren.

Das war oberhalb von Leimbach, und bevor geografisch alles durcheinander gerät: Zurück zum Bahnhof Tiefenbrunnen. 7.40 Uhr. Zehn Minuten nach dem Start ist das Gros der Wandervögel atemtechnisch bereits mit dem Stutz Richtung Rehalp beschäftigt. «Es waren auch schon mehr», ruft eine ältere Frau aus einem offenen Fenster den Nachzüglern hinterher. «Sie müssen halt früher aufstehen», witzelt der Streckenposten zurück.

Zürich? Kaum zu sehen

Doch die Frau hat Recht. Um die 700 haben sich zwar angemeldet für die Tour um Zürich - die misst über 50 Kilometer, und etwa die Hälfte werden abgewandert - wegen des angekündigten Regens scheinen sich aber doch einige Dutzend weniger auf die Piste gewagt zu haben, wie Habitués vermuten. Der Weg ist das Ziel, und der führt ab Rehalp durch den Wald. All die Bäume, die einen bis zum Tobelhof begleiten, geben zu denken: «Stadtumwanderung» heisst der Anlass, von Zürich kriegt der Wanderer aber kaum etwas mit - von etwas Witikon, Seebach, Affoltern und Altstetten mal abgesehen.

Und so lässt sich der Stadtumwanderer (im Grunde ist er eher eine Sie mit Tendenz zu grauen Haaren) als Alter Ego des Stadtwanderers charakterisieren. Liebt der eine architektonische Raffinesse, fühlt sich der andere von der Natur angezogen. Freut sich der eine unterwegs vor lauter Grün daran, dass Zürich noch längst nicht gebaut ist, findet der andere: «Zum Glück nicht.» Vielmehr: Spätestens im nebelverhangenen Uetlibergwald erscheint ihm Zürich als arabische Märchenprinzessin, die ihren Schleier erst bei der Baldern lüftet. Hirngespinste eines Neulings, dem sechs Stunden Wandern die Glückshormone in den Kopf getrieben haben. Der wahre Umwanderer ist bodenständig, so wie der Senior beim Zvieri im Gut Mädikon. Er wandere mit, weil es gesellig sei und kein Modeanlass wie die Volksläufe, wo er sich in seiner Kleidung nur blöd vorkomme. Sein Tipp für den Abstieg Richtung Leimbach ist folglich ganz praktisch: Schuhe gut binden, so stösst man weniger mit den Zehen an. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.08.2008, 08:08 Uhr

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