Grippewelle: In Heimen und Spitälern fehlt das Personal
Von Thomas Schenk. Aktualisiert am 21.01.2009 9 Kommentare
Grippeimpfung: Das Pflegepersonal ist skeptisch. (Bild: David Baer)
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Tödliche Epidemie
Ein einziges Mal hat sich die Mehrheit des medizinischen Personals von Zürich impfen lassen. Das war im Jahr 1998, als eine tödliche Grippeepidemie wütete. «Danach stieg die Impfquote beim Personal sprunghaft an», erinnert sich Stadtarzt Albert Wettstein. Dem Virus waren viele alte Menschen schutzlos ausgeliefert. Im Krankenheim Entlisberg in Wollishofen starben damals innerhalb zweier Wochen 29 Personen.
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Die Grippewelle hat Zürich erreicht. In die Notfallabteilungen strömen Patienten mit grippalen Effekten, die Zürcher Spitäler sind voll belegt. Und auch die Mitarbeiter in Heimen und Spitälern werden von der Epidemie erfasst. «Wir haben einen massenhaften Personalausfall in den städtischen Pflegezentren», sagt Stadtarzt Albert Wettstein.
Beim Waidspital fehlen ebenfalls Mitarbeiter. «Wir können Krankheitsausfälle des Personals nicht vollumfänglich kompensieren», bestätigt Lukas S. Furler, Vizedirektor und Leiter des Pflegebereichs. «Deshalb müssen wir mit reduzierten Tagesbeständen arbeiten.» Die Angestellten, die gesund bleiben, arbeiten um so mehr.
Die Gesundheit wird aufs Spiel gesetzt
Das Pflegepersonal ist den Erregern an ihrem Arbeitsplatz in erhöhtem Mass ausgesetzt. Gegen die Grippeviren sind jedoch die wenigsten geschützt. «Nicht einmal ein Viertel des Personals ist geimpft», sagt der Zürcher Stadtarzt Albert Wettstein. Ein bedenklicher Umstand, findet er: «Pflegepersonal, das sich nicht impft, gefährdet die Gesundheit der Patienten.»
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt dem Medizinal- und Pflegepersonal ausdrücklich die Grippeimpfung. Aufgrund des unmittelbaren Körperkontakts mit Patienten gilt diese Gruppe als wichtiger Faktor bei der Grippeübertragung. Deshalb hat das BAG bereits vor Jahren das Ziel formuliert, dass sich 70 Prozent des Personals gegen Grippe impfen sollten. Doch bis heute ist es nicht gelungen, die Quote zu erhöhen.
Grosse Skepsis gegen die Impfung
Das Spital- und Pflegepersonal zeigt sich immun gegen die Informationskampagne. «Die Quote lässt sich nicht beeinflussen, die Skepsis unter dem Gesundheitspersonal ist zu gross», sagt Furler vom Waidspital. «Wir können niemanden zu dieser Massnahme zwingen.»
Auch wenn kein Impfzwang besteht, Heime und Spitäler üben durchaus Druck aus. «Es kommt immer wieder zu problematischen Situationen, wenn das Personal zur Impfung gedrängt wird», bestätigt Roswitha Koch vom Schweizerischen Berufsverband des Pflegepersonals. Zwar würden die Fakten für eine Impfung sprechen, sagt Koch. «Doch der Entscheid muss immer beim Einzelnen liegen». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.01.2009, 10:19 Uhr
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9 Kommentare
Was hat man denn bei einem grippalen Infekt in der Notfallabteilung eines Spitals zu suchen? Erstens sind die Notfall-Abteilungen aus meiner Sicht für Notfälle gedacht und nicht für Hausarzt-Tagesgeschäft. Und zweitens können die Ärzte doch bei grippalen Infekten eh nichts tun, ausser Aufmerksamkeit und Trost spenden. Oder sehe ich was falsch? Antworten
Vielleicht sollten die Spitäler und Heime sich etwas kreativer zeigen. Wie wäre es, wenn man denjenigen, die sich einer Grippe-Impfung unterziehen, ein oder zwei Tage zusätzliche Ferien versprechen würde? Mit Zwang kann man sicher nichts erreichen, wohl aber mit einer Belohnung oder mit Vergütungen. Kreativität ist gefragt. Antworten



