Grüne Kritik an grünliberalem Doppelmandat
Von Silvio Temperli. Aktualisiert am 12.03.2010 6 Kommentare
Findet es berechtigt, Doppelmandate zu hinterfragen: Maleica Landolt.
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Ab Mitte Mai wird Maleica Landolt zwei- mal in der Woche im Rathaus politisieren. Die grünliberale Kantonsrätin aus Seebach ist seit letztem Sonntag auch Gemeinderätin für den Kreis 11. Sie traut sich das Doppelmandat zu, sie ist gewillt, in beiden Legislativen «ihr Bestes zu geben», wie sie auf Anfrage sagt. Ihr Vorteil: Sie hat als Pflegefachfrau nur eine 60-Prozent Stelle, ist obendrein unverheiratet, weshalb sie auch keine Familienpflichten erfüllen muss.
Gänzlich anders denkt ihr grüner Kollege Matthias Kestenholz. Auch er Kantonsrat, auch er seit Sonntag neu Gemeinderat, auch er holte einen Sitz für den Kreis 11, auch er ist ledig und arbeitet Teilzeit, allerdings zu 80 Prozent in einer kleinen Grafik-Firma, die er selber aufgebaut hat. Doch laut «Tagblatt» will sich Kestenholz weiterhin ausschliesslich auf die Arbeit im Kantonsparlament konzentrieren, dem er seit letztem September angehört. Aus seiner Sicht «mindestens ein 30-Prozent-Job». Er sagt: «Ich finde es total daneben, ein Doppelmandat zu bekleiden.» Wer in zwei Legislativen sitze, könne nur «halbe Arbeit leisten».
Maleica Landolt findet es durchaus berechtigt, Doppelmandate zu hinterfragen. Verzichten aber will sie nicht, ihr Beruf und die diversen Ämter würden etwa eine Vollzeitstelle ausmachen, glaubt sie. Eines aber nimmt sie wunder: «Ich möchte wissen, wie ein Mann, der zu 100 Prozent arbeitet und darüber hinaus noch im Kantonsrat und in einer Kommission sitzt, noch Zeit findet für Frau und Kind.»
Die nackte Wahllokomotive
Weshalb aber hat Matthias Kestenholz für den Gemeinderat kandidiert, wenn er ohnehin gegen Doppelmandate ist? Weshalb hat er im Wahlkampf splitternackt für seine Partei auf einem Plakat posiert mit dem Slogan «Die Umwelt geht uns nicht am Arsch vorbei»? «Ich hätte nie gedacht, dass ich gewählt werde. Das kam völlig unerwartet.» Es sei höchst ungewöhnlich, dass ein Mann auf einer grünen Liste gleich zwei Frauen überhole. Nun überlässt er seinen Sitz einer Frau, Fabienne Vocat rutscht nach, «eine sehr kompetente Kraft».
All das kümmert die grünliberale Kollegin Maleica Landolt wenig. «Wir werden dann Bilanz ziehen und schauen, wer seine Arbeit besser gemacht hat.»
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Erstellt: 12.03.2010, 04:00 Uhr
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6 Kommentare
Es gibt zahlreiche Leute mit Doppelmandaten - meistens sind es Männer. Jetzt ist es mal eine Frau und schon geht das grosse Geschrei los. Der grünliberale Wahlerfolg hat die etablierten Parteien dermassen schockiert, dass sie fleissig Haare in der Suppe suchen. Antworten
Frage ist doch auch: wem versperrt sie den Sitz im Gemeinderat? Einer jüngeren, sympathischen Juristin. Wenn Sie schon frischen Wind in die Politik bringen wollen, Frau Landolt, dann geben Sie doch dieser jüngeren Parteikollegin die Chance. Es sollte Ihnen doch echt reichen im Kantonsrat und als GLP-CoPräsidentin Ihre politische Meinung einbringen zu können. Antworten
Zählt man von einer Woche mit 7 x 16h = 112h für das 60%Arbeitspensum 30h ab, so bleiben noch mehr als 80 Stunden! Wenn sich Maleica Landolt mit Leib und Seele der Grünen Politik verschrieben hat, dann lässt sich in diesen 80h gewiss locker ein Doppelmandat und etwas Parteiarbeit unterbringen. Antworten
Nationalrat Peter Spuhler, verheiratet, 2 Kinder, ist CEO der Stadler Rail Group, ist in 11 Verwaltungsräten (4 x VR-Präsident) verteilt von Biel, über Zürich bis Rorschach, ist Mitglied in 6 Stiftungen und Vereinen von Arbeitgeberverband Mittelthurgau in Weinfelden bis LITRA in Bern sowie Hauptmann in der Armee. Bei Maleica Landolts Verpflichtungen sehe ich dagegen kein Problem. Antworten





Jens Pfeiffer
@Frau Gutmann. Das hat nichts mit Mann/Frau zu tun u.hallo: wenn die städt.GLP öffentl.Stellung nimmt, ist es immer der männl.Co-Präsid. warum eigentlich? Sie sitzen ja mit Frau Landolt in der gleichen KR-Fraktion, und wissen deshalb bestens, dass sie kaum mit Lösungen/Meinungen/Vorstössen/Ideen in Erscheinung tritt, dass es zwingend wäre, dass auch auch noch im Gemeinderat die Hinterbank drückt Antworten