Grüne bekämpfen Green-City
Von Beat Metzler. Aktualisiert am 22.01.2010 2 Kommentare
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Vor wenigen Jahren hätte der Gemeinderat den Gestaltungsplan für die Manegg wohl rasch durchgewinkt. Doch der politische Wind hat sich gedreht. Angefacht durch das Stichwort «Seefeldisierung» ist der knappe Zürcher Wohnraum zum umstrittensten Wahlkampfthema aufgestiegen. Mittlerweile verlangen nicht mehr nur die Alternativen, sondern auch SP und Grüne hohe Anteile gemeinnütziger Wohnungen auf privaten Neubaugebieten. Ausserdem handelt es sich bei der Manegg um die letzte grosse städtische Brache. Da wollen alle nur das Beste.
Diesem Anspruch genüge der Gestaltungsplan der Marazzi AG nicht, fanden SP, Grüne und AL. Und haben in einer Motion weitere Forderungen aufgestellt. Acht Jahre lang hatte Marazzi zusammen mit weiteren Eigentümern und der Stadt über den Gestaltungsplan verhandelt. Um das Werk vor dem Scheitern zu bewahren, arbeitete der Generalunternehmer im Eilzugtempo eine Zusatzvereinbarung aus. Hochbauvorsteherin Kathrin Martelli (FDP) hat sie bereits unterschrieben, die zuständige Kommission wird am 28. Januar darüber bestimmen. Davon hängt die Zukunft des Grossprojekts ab.
«Modell für andere Quartiere»
Die Vereinbarung liegt auch dem TA vor. Sie formuliert hehre ökologische Vorsätze. «Wir wollen das erste Zürcher Stadtquartier bauen, das konsequent die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft verfolgt», sagt Marazzi-Generaldirektor Jacky Gillmann. Green-City soll weit über Zürich ausstrahlen und als Modell für weitere Quartiere dienen. Die Vorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft zu erfüllen, sei anspruchsvoll, verlange ständige Verbesserungen und hänge auch von der Lebensführung der Bewohner ab. In Sachen Ökologie kommt Marazzis «Green Charta» den linken Wünschen grösstenteils entgegen:
- Alle Neubauten müssen dem Minergie-P-Eco-Standard entsprechen, die gesamte Heizenergie soll aus erneuerbaren Quellen stammen. Krippen, Läden, Restaurants, Altersheime und Freizeitangebote sollen das Mobilitätsbedürfnis der Quartierbewohner verringern.
Es bestehen aber auch bedeutende Abweichungen von der Motion, und zwar in folgenden zwei Punkten:
- Beim Verkehrsaufkommen. Marazzi will sich nicht auf die geringstmögliche Anzahl Autofahrten festlegen. Das Unternehmen verpflichtet sich aber zur Förderung von Langsamverkehr, Car-sharing und autofreiem Wohnen. 100 Parkplätze sind für verbrauchsarme Fahrzeuge reserviert. «Wir streben eine klare Verkehrsreduktion an, wollen aber die nötige Flexibilität bewahren. Wer weiss schon, wie viele Leute sich in 20 Jahren mit neuartigen Leichtelektromobilen bewegen?», sagt Gillmann.
- Der Anteil an preisgünstigen Wohnungen: Die Motion will ihn auf 30 Prozent festschreiben. In der Vereinbarung heisst es lediglich, dass die Preise im mittleren Segment der Stadt Zürich liegen und auch günstige Wohnungen entstehen sollen. «Wir werden einen relevanten Anteil von Wohnungen erstellen, die nicht mehr kosten als neue Genossenschaftswohnungen», sagt Gillmann. Die Befürchtung, dass sich die Manegg zum Luxusquartier entwickle, sei unbegründet. «Das ist von der Lage und der Dichte her gar nicht möglich.»
Alles hängt von der SP ab
Ob Marazzi mit der Vereinbarung die Rettung von Green-City gelingt, ist offen. Die Grünen halten jedenfalls an ihrem Widerstand fest. Sie bewerten die rechtliche Verbindlichkeit der Vereinbarung als zu schwammig. «Die Angaben müssten in einem neuen Gestaltungsplan stehen, denn nur über einen solchen kann der Gemeinderat abstimmen», sagt Gemeinderätin Gabriele Kisker. Ausserdem machten die Grünen keinerlei Zugeständnisse bei der Mobilität und dem gemeinnützigen Wohnungsbau. Alles hängt nun also von der SP ab. Die Partei tut sich offenbar schwer mit dem Entscheid, sie wird sich erst nächsten Mittwoch festlegen. Sagt die SP Nein, hat der Gestaltungsplan im Gemeinderat kaum eine Chance.
Nach einer Ablehnung müsste Marazzi mehrere reduzierte Gestaltungspläne vorlegen. Bei diesen könnte der Gemeinderat nicht mehr mitreden. Und Marazzi dürfte die Manegg weniger dicht bebauen, weil der Arealbonus wegfiele. «Dies würde den Wohnraum eher verteuern», sagt Gillmann. Gabriele Kisker kann sich dagegen nicht vorstellen, dass ein Gestaltungsplan über die Zukunft der Manegg ohne den Gemeinderat realisiert werden könnte.
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(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.01.2010, 04:00 Uhr
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2 Kommentare
Die SP hat kein Interesse an der Erstellung privaten Wohnraums, der die Mieten senken könnte. Lieber macht sie aus jeder dritten Wohnung in der Stadt eine Staatswohnung. Denn Staatsabhängige wählen brav links. Ob es Sinn macht, wenn der Mittelstand den Mittelstand subventioniert? Klar, das schafft viele Beamtenstellen... Die SP fährt mit der Wohnungdebatte eine der billigsten Wahlkampfgeschichten. Antworten



