Zürich

Hafenkran: «Eiszeit-Klaumauk aus den Achtzigerjahren»

Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 16.07.2010 132 Kommentare

Trotz der Ablehnung des Gemeinderats will der Stadtrat am Kunstprojekt am Limmatquai festhalten. Dafür haben die Leser von Tagesanzeiger.ch wenig Verständnis.

1/4 Soll nun 2012 aufgestellt werden: Ein Hafendrehkran auf der Plattform vor dem Rathauscafé.
Bild: zürich transit maritim

   

Der Gemeinderat will und will keinen Hafenkran – das hat er am Mittwochabend zum zweiten Mal deutlich gemacht. Indem er den Stadtrat beauftragt hat, einen Verzicht auf die Installation zu prüfen, hat er seinen Unmut über das Kunstprojekt bereits zum zweiten Mal kundgetan. Die Regierung will jedoch nicht nachgeben. Ein Übungsabbruch im jetzigen Stadium käme kaum günstiger als die Durchführung, so die grüne Stadträtin Ruth Genner.

Dieses Argument stösst bei den Lesern von Tagesanzeiger.ch auf wenig Anklang: 75 Prozent der Abstimmenden, die an der Onlineumfrage teilgenommen haben, sind der Meinung, dass die Stadt auf den Kran verzichten muss. «Der Stadtrat stellt uns vor fast vollendete Tatsachen», schüttelt Karl Lang den Kopf. «Eine Frechheit sondergleichen», meint Karl Baumann. Als «Erpressung» bezeichnet Leser Marc Bourgeois das Vorgehen. «Der Stadtrat hat den Schaden verursacht - er soll ihn doch bitte persönlich bezahlen.» Kein gutes Haar an der Regierung lässt auch Hans Ineichen. Seine trockene Diagnose: «Der Stadtrat scheint aus echten Kindsköpfen zu bestehen.»

Besser Kran als Plastikbären

Leserin Sue Marella dagegen will dem Vorgehen des Stadtrats die demokratische Legitimität nicht absprechen: «Liebes Volk, nun hört doch auf zu jammern. Der Stadtrat wurde von euch gewählt und nun müsst ihr wohl damit leben, dass er etwas eigenwillig handelt.» Jede Stadt habe die Regierung, die sie verdiene, meint auch Ali Ferkous. Die jetzige in Zürich sei erst kürzlich in ihr Amt gehoben worden. Somit habe auch das Volk «zu diesem halbaufgetauten Eiszeit-Klaumauk aus den achziger Jahren» Ja gesagt.

Deutlich mehr übrig für das Projekt hat Ernst Dittmar: Das Projekt von Jan Morgenthaler sei originell und passe zu Zürich. «Mir gefällt der Kran.» Dominique Arbenz meint: «Ich finde es cool!» Der Kran rage aus dem «verknorzten Schweizerland» in den Himmel. Ob das Projekt die von Arbenz beklagte Enge aufzuheben vermag, würde Marcel Zürcher bezweifeln: «Offene Städte enstehen durch ihre Bewohner, nicht durch Kräne.» Laut Maurizio Cosatto tut der Kran («sieht einfach geil aus») jedoch genau das, was Kunst tun soll: «Anregen, aufregen, gefallen oder eben nicht.» Es sei Zeit für etwas anderes als die Plastikbären, die mit Zürich auch wenig zu tun hätten.

Andere haben mit dem Kran mehr Mühe. Er verstehe einfach nicht, was daran Kunst sein soll, einen Hafenkran aufzustellen, gesteht Leser Urs Rösli. Eine Antwort auf die alte Frage nach dem Wesen der Kunst hat Rolf Aschwanden: «Kunst ist die Kunst, irgendetwas, für irgendjemanden, zu Kunst werden zu lassen.» Roger Steinberger erinnert daran, dass man das Limmatquai nach Jahrzehnten endlich zur Fussgängerzone umgebaut wurde – nun aber soll genau dort «ein derart potthässlicher Hafenkran» aufgestellt werden, der ganz einfach nicht dorthin gehöre. «Lasst gefälligst den Platz für die Fussgänger», so sein Appell an die Stadt. Rolf Wittwer will gar eine Grossdemo organisieren – «gegen die Arroganz, mit welcher etliche sogenannte Kulturschaffende finanziert, getragen und in den Unsterblichkeiststatus versetzt werden». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.07.2010, 10:57 Uhr

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132 Kommentare

Peter Müller

15.07.2010, 14:14 Uhr
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Ich als Zürcher finde das Projekt gut und freue mich bereits jetzt auf die neue Perspektive auf unsere Stadt, die damit eröffnet wird. Was die Kritiker angeht, so möchte ich gerne wissen, was sie vor ein paar Jahren zu all den Plexiglaskühen und Teddybären zu sagen hatten, die wesentlich weniger mit einer alten Handelsstadt wie Zürich zu tun hatten, als ein ästhetisch interessanter Hafenkran. Antworten


Christian Fisch

15.07.2010, 14:34 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Zum Glück folgt der Stadtrat diesem kleinbürgerlichen, engstirnigen Beschluss, der auf Antrag der abgewählten Susi Gut gefällt wurde, nicht. Gerade mal 300 Unterschriften erreichte die Petition gegen das Projekt, da kann wohl nicht behauptet werden das Volk wolle den Kran nicht. Antworten



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