Hafenkran-Künstler arbeiten weiter an ihrem Projekt
Von Jürg Rohrer. Aktualisiert am 31.12.2009
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Eine knappe bürgerliche Mehrheit im Gemeinderat hat sich in der Budgetdebatte vom 9. Dezember zwar gegen die Kunstaktion ausgesprochen, die 2011 ihren Höhepunkt in Form eines richtigen Hafenkrans finden soll. Doch das ficht die Künstlergruppe, die mit ihrem Projekt «Zürich Transit Maritim» im Januar den Wettbewerb für eine künstlerische Intervention am Limmatquai gewonnen hat, nicht an. «Wir haben Verträge mit der Stadt, mit Gewerbebetrieben, mit der Grafikerin», erklärt der Sprecher der Gruppe, Jan Morgenthaler, «zudem Abkommen mit einem Verlag und weiteren Beteiligten.» Das sei für sie verbindlich und nicht die politische Störaktion. Sie jedenfalls würden wie geplant weitermachen.
Rochen und Seekühe
Dieser Plan fand erstmals einen handgreiflichen Ausdruck im 300 Kilogramm schweren Eisenpoller, der Anfang November an der unteren Ecke der «Riviera» platziert wurde. Gestern Mittwoch folgte der zweite Akt: eine Schautafel am Geländer oberhalb des Pollers. Sie erläutert in Wort und Bild, warum Zürich vor 18 Millionen Jahren vom Meer überflutet war, mithin Haie, Rochen und Seekühe zu seinen Anwohnern zählte. Das römische Turicum ist zu sehen oder die Binnenvariante des Hafenpollers: ein Eisenring aus dem 16. Jahrhundert an der Ufermauer. Die Wasserkirche ist abgebildet, wie sie noch zur Reformationszeit frei im Fluss stand. Oder wir sehen, wie die Schweiz von oben aussähe, wenn der Meeresspiegel auf 550 Meter steigen würde.
«Zürich Transit Maritim» ist eine Kunstaktion über vier oder fünf Jahre, die einen Hauch Meeresbrise nach Zürich bringen und zum Träumen und Nachdenken anregen soll. 2010 werden voraussichtlich weitere Poller und Tafeln am Limmatquai auftauchen, irgendwann wird auf einem Dach ein echtes Schiffshorn montiert und dumpfe Töne ausstossen, und 2011 sollte der Kran auf dem Plätzchen beim Café Rathaus stehen. Sie hätten mehrere Angebote für Occasionskräne, sagt Jan Morgenthaler. Die Preise seien tief, da es sich um Schrottpreise handle und sie den Kran ohnehin nur mieten wollten. Ins Geld gehe aber der Transport, der Auf- und Abbau.
Teilkredit gestrichen
Total kostet die mehrjährige Kunstaktion 440'000 Franken; 150'000 kostete der internationale Wettbewerb, an dem sich 57 Teams beteiligt hatten. Diese Summen liegen in der Kompetenz des Stadtrates, dennoch tauchen sie als jährliche Tranchen im Budget auf, was die Krangegner im Gemeinderat prompt ausgenützt und einen Teilkredit von 80'000 Franken gestrichen haben. Was das für das Kunstprojekt bedeutet, wird Stadträtin Ruth Genner nach einer finanzrechtlichen und politischen Lagebeurteilung im Januar bekannt geben.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 31.12.2009, 04:00 Uhr



