Zürich

Halb so viele Prostituierte wie zuvor

Von Christoph Landolt, Tina Fassbind. Aktualisiert am 08.07.2011 16 Kommentare

Seit einem Monat gelten neue Regeln für die Strassenprostitution. Einige Massnahmen bringen schnelle Linderung, doch die Prostituierten passen sich an.

Neu muss sie eine Krankenkasse haben: Prostituierte am Sihlquai Ende Mai.

Neu muss sie eine Krankenkasse haben: Prostituierte am Sihlquai Ende Mai.
Bild: Keystone

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Im Frühling 2012 wird der Strassenstrich am Sihlquai aufgelöst. Doch der Zürcher Stadtrat hat per 6. Juni auch Sofortmassnahmen beschlossen, um die unhaltbaren Zustände zu verbessern. Wirken die Massnahmen? Tagesanzeiger.ch hat bei der Stadt und bei Anwohnern nachgefragt.

Vor einem Monat habe sich die Situation auf dem Strich stark beruhigt, sagt Hausabwart Max Egger, der am Sihlquai wohnt. «Bis die Frauen gewusst haben, wie sie an die nötigen Papiere kommen.» Seither habe es wieder angezogen.

Gemäss Zahlen, die Tagesanzeiger.ch vorliegen, ist die Situation einen Monat nach Einführung des neuen Polizeiregimes jedoch besser geworden. Pro Nacht stehen zur Zeit rund 35 Frauen am Sihlquai, womit sich die Zahl halbiert hat. «Bis jetzt wirkt die Bewilligungspflicht», meint Beni Weder, Präsident des Quartiervereins Wipkingen.

Krankenkassenpflicht kein Hindernis

Die neue Regelung verlangt von den Prostituierten, sich für die nötige Bewilligung bei der Stadtpolizei zu zeigen. Diese versucht in einem rund einstündigen Gespräch herauszufinden, ob die Prostituierte freiwillig und auf eigene Faust anschafft. Fälle von Menschenhandel konnte die Polizei bis jetzt noch nicht feststellen. «Solche Untersuchungen sind sehr komplex und können sich über Monate und Jahre hinziehen», erklärt André Müller, Leiter des Projekts Rotlicht beim Polizeidepartement.

Um eine Bewilligung zu bekommen, müssen die Prostituierten auch nachweisen, dass sie krankenversichert sind. In den ersten Wochen konnten fast keine Frauen eine solche Bescheinigung vorlegen. Von rund eineinhalb Dutzend Prostituierten hatte nur eine einzige eine Krankenkasse. Doch die Hoffnungen, damit einen Hebel gegen die Strassenprostitution gefunden zu haben, bestätigen sich nicht. In der ersten Woche habe es «einige leichte Unsicherheiten bezüglich der zu beschaffenden Dokumente» gegeben, sagt Müller. «Seither hat sich das eingespielt.»

Zwar habe die Zahl der Meldebestätigungen im Juni deutlich abgenommen. Aus diesen Zahlen dürfe aber noch nicht auf eine generelle, langfristige Tendenz geschlossen werden, meint Müller. «Dazu müssen die Zahlen über ein Jahr beobachtet werden.» Der aktuelle Rückgang ist denn auch mit Vorsicht zu bewerten.

Für die Anwohner hat sich die Situation am Sihlquai aber auf jeden Fall bereits verbessert: Langzeitarbeitslose vom Jobbüro reinigen jeden Morgen zwischen 5 und 7 Uhr den öffentlichen Raum, aber auch Vorplätze und Gärtern von Privaten. «Das ist wirklich sehr positiv», lobt Hauswart Egger. Anders als früher müsse er nicht mehr derart viel Freier-Hinterlassenschaften entsorgen.

Keine Verlagerung

Weiterhin im Strichplan aufgeführt ist die Zähringerstrasse im Niederdorf. Anwohner und Gewerbetreibende haben unlängst eine Zunahme von Prostituierten beklagt. Der Hotelier des «Zürcherhofs» hat gegenüber TeleZüri gar von einer Verzehnfachung gesprochen – von einer auf zehn Prostituierte, die vor seinem Hotel stehen.

Die Stadt hat andere Informationen. Die Situation sei mit jener vor einem Jahr vergleichbar, sagt Müller. «Eine Verlagerung vom Sihlquai ist nicht festzustellen.» In der subjektiven Wahrnehmung der Bevölkerung und der Gewerbetreibenden, so Müller weiter, könne das anders aussehen, «weil da auch Ängste mitspielen vor dem, was eventuell noch kommen könnte.» Die Situation werde jedenfalls genau beobachtet. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.07.2011, 15:26 Uhr

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16 Kommentare

Peter Bosshard

08.07.2011, 15:51 Uhr
Melden 44 Empfehlung

Es gibt also Menschen, welche seit Jahren an der Zährigerstr wohnen/arbeiten und eine höhere Frequenz feststellen. Herr Müller bestreitet dies, ohne erhobene Zahlen,ohne da täglich zu sein. Herr Müller beleidigt die Menschen welche da wohnen darüber hinaus, sie hätten eine subjektv falsche Wahrnehmung ...eine Frecheit! Ich glaube den behauptenden Beamten nicht, die Anrainer sind vertrauenswürdiger Antworten


Peter Meier

08.07.2011, 16:18 Uhr
Melden 27 Empfehlung

Ich komme ca. alle 3 Monate in die Zähringerstrasse, um einen Film auszuleihen oder zurückzubringen. Seit 4 Jahren. Es ist unübersehbar: die Zahl der draussen stehenden Prostituierten wird von Mal zu Mal grösser... Antworten



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