Hat im Kreis 4 ein Meteorit eingeschlagen?

An der Ecke Brauer-/Langstrasse bleiben viele Passanten vor einem Schaufenster stehen. Im Inneren der Galerie «Wartesaal Perla-Mode» ist ein monströses, rätselhaftes Gebilde zu sehen.

Die raumfüllende Skulptur in der Galerie «Wartesaal Perla-Mode» an der Langstrasse zieht viele Blicke auf sich.

Die raumfüllende Skulptur in der Galerie «Wartesaal Perla-Mode» an der Langstrasse zieht viele Blicke auf sich. Bild: Sophie Stieger

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Bei Emil in seiner Rolle als Kreuzworträtsel lösender Telegrafenbeamter lag die Antwort auf die Frage «Grautier mit vier Buchstaben?» auf der Hand. Schwieriger wirds beim hellgrauen Ungetüm, das sich im Schaufenster des ehemaligen Modegeschäfts Perla an der Ecke Brauer-/Langstrasse breit macht. «Was isch dänn das?», entfährt es einer älteren Passantin, die angestrengt in das Innere des Lokals schaut. Beim vermeintlichen Riesenstein, der an einen Meteoriten erinnert, handelt es sich um eine Kunstinstallation. Einen Monat lang haben Cyril Chapuisat und sein Bruder Gregory an ihrem Werk «Destruction créatrice» gearbeitet.

Zuerst baute das Künstlerduo ein Gerüst auf. Die ellipsenförmige Holzkonstruktion deckten sie mit Kartonplatten zu. Anschliessend überdeckten sie die Oberfläche mit einem Isolationsmaterial. Der mehrere Meter hohe Block kann nicht nur von aussen, sondern auch von innen besichtigt werden. Ein kleiner Tunnel führt ins Zentrum des Körpers. Personen mit Platzangst ist der Aufenthalt im Riesenstein nicht zu empfehlen. «Im Inneren ist es beinahe stockfinster, die Geräusche der Langstrasse sind nur sehr gedämpft zu hören», sagt Gregory Chapuisat.

Der Name des Werks geht auf den Ausdruck «creative destruction» zurück, den der Wirtschaftswissenschaftler Joseph Alois Schumpeter prägte. Seine These lautet: Jede ökonomische Entwicklung baut auf dem Prozess der schöpferischen Zerstörung auf. Sie ist notwendig, damit eine Neuordnung stattfinden kann.

Diese These lässt sich auch auf das Haus an der Langstrasse 84 übertragen. Die Abbruchliegenschaft muss weichen, damit etwas Neues entstehen kann. Dieses lässt nun aber auf sich warten. Mit dem Bau des fünfstöckigen Haus wird nicht wie vorgesehen Ende September, sondern frühestens im Herbst 2009 begonnen. «Wir suchen noch geeignete Mieter für das Restaurant und die Geschäftsräume», sagt Christian Penzel, Architekt und Mitbesitzer der Liegenschaft. Neben dem Restaurant im Parterre sollen in den oberen Geschossen Wohnungen und Lofts mit Flächen von 80 bis 100 Quadratmeter entstehen. Bis es so weit ist, geniessen die Buchverlage und Galerien im Haus Gastrecht. Für das aufziehende Finale muss sich die Galerie «Wartesaal Perla-Mode» etwas Neues einfallen lassen. Die Dimensionen des «Meteoriten» zu übertreffen, dürfte allerdings schwer sein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2008, 23:00 Uhr

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