Hauslieferung durch Arbeitslose wird teurer
Von Denise Marquard. Aktualisiert am 03.03.2009 2 Kommentare
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Shoppen, ohne danach schwere Taschen nach Hause schleppen zu müssen: Wer träumt nicht davon, wenn er seine Einkäufe tätigt? In Sihlcity und – ausser im Winter – auf dem Bürkliplatz ist dieser Traum bereits Wirklichkeit. Der Hauslieferdienst des Züriwerks bringt die Tüten prompt und für fünf Franken nach Hause. Wer den Dienst beansprucht, bekommt gratis dazu ein gutes Gewissen: Das Personal, das ihm die Ware bringt, sind ausgesteuerte Sozialhilfeempfänger, und die Veloanhänger werden von Menschen mit geistiger Behinderung gefertigt.
Der Hauslieferdienst ist umweltfreundlich und hat den Praxistest bestanden. Deshalb soll er nun auch in Affoltern eingeführt werden. Das zumindest meldete kürzlich die Quartierzeitung «Zürich Nord». Doch die Würfel sind noch nicht gefallen. In Affoltern gibt es kein zentrales Einkaufszentrum und damit keinen idealen Standort. Und der Hauslieferdienst hat noch einen zweiten Mangel: Er schreibt nach wie vor rote Zahlen. «Wir müssen zuerst unsere Hausaufgaben machen, bevor wir diese strategische Frage beantworten können», sagt Züriwerk-Direktorin Beata Hochstrasser.
Sozialdepartement übernimmt Löhne
Die Hausaufgaben machen, das bedeutet zunächst einmal das Defizit des letzten Jahres, immerhin 150'000 Franken, genau zu analysieren und Schwachstellen zu beheben. Im Teillohnbereich, wo Sozialhilfeempfänger beschäftig werden, hat das Züriwerk drei Geschäftsfelder respektive hatte drei: Eine Abteilung, die zehn Mitarbeiter beschäftigte und Schuhroste herstellte, wurde im letzten August aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. In einer Bäckerei in Wallisellen stellen zehn Mitarbeiter Nischenprodukte wie Mandelträumli und Waffelcornets her. Auch dieser Betrieb ist stark defizitär. Und drittens gibt es den Hauslieferdienst mit 25 Velofahrern. Ab diesem Jahr übernimmt laut Hochstrasser das Sozialdepartement die Löhne für die Teillohnjobs, was bisher nur teilweise der Fall war.
Dieser Teillohnbereich ist bloss eine Ergänzung zum Kerngeschäft der privaten Stiftung Züriwerk. Primär hat sie die Aufgabe, Arbeits- und Wohnplätze für rund 400 Menschen mit geistiger Behinderung zur Verfügung zu stellen. «Mit den Teillohnjobs wollen wir neue Aufgaben für die Behinderten generieren» erklärt Züriwerk-Geschäftsleiter Peter Kienast. Der Hauslieferdienst ist ein Paradebeispiel dafür. Die Veloanhänger, mit denen die Ware transportiert wird, werden in Werkstätten für Behinderte hergestellt, gereinigt und repariert. Bei den Kunden ist der Service beliebt. Es gibt kaum Reklamationen und selten Diebstähle. «Eine Umfrage hat ergeben, dass neun von zehn Kundinnen zufrieden sind», sagt Hochstrasser.
Aber die Betreuungskosten des Dienstes sind immer noch zu hoch. «Wir haben den Begleitaufwand unterschätzt», sagt Kienast. «Für die 25 Fahrer brauchen wir 170 Stellenprozente für Fachleute, die das Team leiten, koordinieren und beraten. Das sind mehr, als wir dachten.» Das lässt sich kaum ändern. Deshalb hat das Züriwerk als Sofortmassnahme die Preise erhöht, und zwar von fünf auf acht Franken pro Lieferung. An den Markttagen wird ab April der Dienst auch am Bürkliplatz wieder aufgenommen. Das schafft Synergien, weil am Dienstag- und Freitagmorgen im Einkaufszentrum nicht sehr viel los ist.
Schliesslich sollen auch neue Partner gewonnen werden. In Sihlcity wird das Projekt seit Anfang von der Credit Suisse unterstützt. Beata Hochstrasser könnte sich auch eine Zusammenarbeit mit Coop vorstellen. Wenn alles klappt, dann könnte eine Expansion nach Affoltern tatsächlich ein Thema werden. «Aber zuerst wollen wir eines: schwarze Zahlen schreiben», sagt Kienast.
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Erstellt: 03.03.2009, 21:20 Uhr






Klaus Rozsa
Es hat halt alles zwei Seiten. Einerseits ist es gut wenn Arbeitslose / Behinderte einen Job haben, andererseits, und das ist viel schwerwiegender, verlieren durch Dumpingangebote der Stadt andere Menschen ihre Existenz, indem ihre Betriebe (KMU) nicht mehr kostendeckend geführt werden können. Dies geschah in Zürich schon mehrfach und es wundert mich, dass dies offenbar nie thematisiert wird. Antworten