Zürich
Heiratsboom: Zürcher stehen auf alternative Traulokale
Interview Maria Rodriguez. Aktualisiert am 15.06.2009
Roland Peterhans, Ko-Leiter des Zürcher Zivilstandsamtes: Traut selber, regelmässig und gerne Paare. (Bild: TA)
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Roland Peterhans, die Schweizer Zivilstandsämter erleben laut der Nachrichtenagentur AP einen regelrechten Ansturm. Wie fleissig heiraten die Zürcher?
Auch die Zürcher heiraten sehr fleissig, und das seit Jahren. Wir haben gegenüber dem Vorjahr tatsächlich das Gefühl, dass sich zurzeit mehr Leute trauen. Genaue Zahlen haben wir aber erst Ende Jahr.
Experten glauben, dass der Hochzeitsboom mit der Wirtschaftskrise zusammenhängt. Es habe eine Verschiebung von materiellen zu immateriellen Werten stattgefunden. Wie sehen Sie das?
Das kann sein, da wir die Eheleute aber nicht nach dem Motiv der Eheschliessung befragen, können wir das nicht bestätigen. Bei uns in Zürich hat der Boom bestimmt auch mit den alternativen Traulokalen zu tun, die wir seit anfangs Jahr anbieten.
Sie sagen es – in Zürich kann man zusätzlich zum Trauzimmer auch im Zoo, im Zunfthaus oder in der Weinschenke heiraten. Was sind die Favoriten?
Alle alternativen Traulokale sind sehr gut gebucht. Das Zunfthaus zur Waag, in dem freitags und teilweise samstags geheiratet wird, ist praktisch immer ausgebucht. Gut besetzt ist auch die Weinschenke, in welcher man von Mittwoch bis Freitag zweimal täglich heiraten kann. Der Zoo als exotischster Trauungsort übertrifft unsere Erwartungen, auch wenn er nicht immer ausgebucht ist. Dadurch, dass wir Ende Woche mehr anbieten, gibt es anfangs Woche im Pavillon Werd mehr freie Termine.
Haben Sie genug Standesbeamten für so viele Traulokale?
Für uns sind die verschiedenen Lokalitäten in der Tat eine grosse Herausforderung. Wir haben mehr Aufwand seit Anfang Jahr. Doch handelt es sich um einen wunderschönen Mehraufwand. Es bereitet uns immer eine grosse Freude, an einem neuen Ort die Leute zu trauen. Mehr Personal brauchen wir nicht, von den insgesamt 40 Standesbeamten, führen 17 Trauungen durch.
Seit Jahresbeginn können künftige Ehepaare ihren Hochzeitstermin neu statt drei Monate, bereits sechs Monate im Voraus reservieren. Hat sich diese Erweiterung bewährt?
Sie hat sich extrem bewährt. Früher standen die Paare für einen Termin am Freitag oder Samstag Schlange, heute verteilt sich dies viel besser. Die Schlangen sind zwar nicht ganz verschwunden, sie sind aber kürzer geworden. Viele Paare sind froh, dass sie ihren Hochzeitstermin ein halbes Jahr im Voraus kennen. So lässt sich der schönste Tag des Lebens besser organisieren.
Das Trauzimmer Werd ersetzt eigentlich das Trauungszimmer im Stadthaus, welches zurzeit renoviert wird. Wann kann man dort wieder heiraten?
Sobald die Renovation beendet ist, ziehen wir zurück ins Stadthaus. Wir rechnen in etwa einem Jahr damit, das genaue Datum ist aber offen.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.06.2009, 14:10 Uhr




