Zürich
Heissluftballon-Jubiläum ist geplatzt
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Die Ballongruppe Zürich geht zurück auf den Deutsch-Französischen Krieg und eine 1190-km-Ballonfahrt. Gestern Nacht hätten Gas- und Heissluftballone vom Letzigrund in den Zürcher Himmel aufsteigen sollen. Doch die Show zum 100. Geburtstag der Ballongruppe Zürich ist wegen des schlechten Wetters auf nächstes Jahr verschoben worden. Der Verein nimmts sportlich; Ballönler sind geduldige Menschen.
Am 21. November 1783 fand die erste bemannte Ballonfahrt der Geschichte in Paris statt. Der Physiker Pilâtre de Rozier und der Offizier Marquis d’Arlandes stiegen in einem Ballon auf und legten in 20 Minuten eine Strecke von 12 Kilometern zurück. Im selben Jahr erreichte Professor Jacques Alexandre Charles in seinem Gasballon eine Höhe von 3000?Metern. Beide Flüge waren eine weltweite Sensation.
Aufwendige Handarbeit
Fast 90 Jahre später wurde der Gasballon im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 berühmt. Die Preussen belagerten Paris und blockierten sämtliche Strassen und Wasserwege. Am 5. Tag der Belagerung startete ein Ballonfahrer mit 125 Kilo Post in Paris und landete drei Stunden später 112 Kilometer entfernt ausserhalb der preussischen Truppen. Nach seinem geglückten Flug begannen Soldaten mit Näherinnen und Matrosen Hüllen, Netze und Körbe herzustellen. Mutige Freiwillige wurden in Crashkursen zu Ballonpiloten. In 64 Ballonen flogen sie 102 wichtige Passagiere zur Stärkung der Exilregierung aus und transportierten drei Millionen Briefe – die erste Luftpost der Geschichte.
Wissenschaftler und Militärs werteten die im Krieg gesammelten Erfahrungen auch in der Schweiz aus. 1898 begann Professor Albert Heim, Geologe und Glaziologe an der ETH Zürich, seine wissenschaftlichen Studien aus dem Ballonkorb. Drei Jahrzehnte später startete der Physiker Auguste Piccard zu seinen Ballonfahrten in die Atmosphäre und erreichte 1932 von Dübendorf aus die Weltrekordhöhe von 16 940 Metern.
Wie die meiste Armeen der damaligen Industriestaaten baute auch die Schweiz Ende des 19. Jahrhunderts militärische Ballonverbände auf. 1897 genehmigte der Bundesrat ein Ballon-Bataillon.
Früher Erfolg
Um auch privat Ballon fahren zu können, gründeten Ballonpiloten der Armee 1901 in Bern den Schweizerischen Aero-Club (SAeC). In den folgenden Jahren hoben sie in gemieteten Ballonen ab. 1908 kaufte der Club den ersten Ballon, die «Helvetia». Im selben Jahr gewann das Schweizer Team die Gordon-Bennett-Ballonweitfahrt in Berlin. Oberst Theodor Schaeck und Leutnant Emil Messner fuhren in 73 Stunden und 25 Minuten von Berlin bis ins norwegische Bergseth (1190 Kilometer). Laut Reglement musste die Siegernation das nächste Rennen organisieren. Und so schlossen sich die ostschweizerischen Mitglieder des SAeC zusammen. 200 000 Zuschauer verfolgten 1909 die Wettfahrt beim Gaswerk Schlieren. Nach diesem Erfolg gründeten die Zürcher 1910 ihre Sektion – die Ballongruppe Zürich.
Bis 1976 waren die Zürcher Ballönler im Gaswerk Schlieren beheimatet, wo Gas zum Füllen der Ballone bereitstand. Seit die Gasproduktion in Schlieren eingestellt wurde, starten die Ballonfahrer von den Füllplätzen in Attisholz SO und Bronschhofen SG aus.
Das Ende der Wettfahrten
Die Tradition von Wettfahrten ab dem Stadion Letzigrund geht auf das Jahr 1958 zurück, als die Ballongruppe Zürich das neue Stadion mit einer Wettfahrt eröffnen durfte. Bereits ein Jahr später fand die zweite Wettfahrt ab dem Letzigrund um den «Silbernen Ballon von Zürich» statt, 1962 folgte eine weitere. Die nächsten Wettfahrten starteten auf der Landiwiese, der Blatterwiese oder dem Zürichhorn. Die 7. und letzte Wettfahrt wurde beim Militärflugplatz Dübendorf durchgeführt. Wegen der Luftraumeinschränkungen im Raum Zürich sind tagsüber keine Ballonstarts mehr möglich. Einzig während der Nachtruhe des Flughafens Kloten kann eine so genannte Nachtwettfahrt stattfinden. Nächstes Jahr ist es so weit.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.07.2010, 07:29 Uhr
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