«Heute sind nachweislich die Männer von Diskriminierung betroffen»

Das Gleichstellungsbüro in Zürich wird weitergeführt trotz Opposition der SVP. Unter den Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Lesern führte nicht nur dies zu heftigen Gender-Diskussionen. Sondern auch das Knabenschiessen.

Nötiger als Frauenbeauftragte? Markus Theunert, der kürzlich zurückgetretene Männerbeauftragte des Kantons Zürich.

Nötiger als Frauenbeauftragte? Markus Theunert, der kürzlich zurückgetretene Männerbeauftragte des Kantons Zürich. Bild: Keystone

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«Schade, dass die Tradition aufgegeben wurde und Mädchen teilnehmen können», meint Leser Walter Ebersack zum Knabenschiessen und der diesjährigen Gewinnerin und löst damit einen Sturm der Entrüstung aus. Von «diffamierendem Gerede» oder einem «ewiggestrigen Statement» ist in den Reaktionen zu lesen.

Ebersack stösst damit eine ähnliche Diskussion an, wie sie sich unter den Lesern auch zum Thema Gleichstellungsbüro bildet. Doch, obwohl er für seine Aussagen massiv kritisiert wird, sieht die Mehrheit der Leser keinen Sinn in einem Gleichstellungsbüro. «Die Fachstelle ist früher sicher einmal nötig gewesen», meint etwa Nico Meier, «heute ist die Gleichstellung weitgehend erreicht». Auch Frank Baum ist enttäuscht, dass die SVP mit ihrem Abschaffungsvorstoss nicht durchkam: «Wie immer: der Amtsschimmel setzt sich durch.»

«Griffige Gesetze und Strafen»

Für einige Leser wäre es zwar wichtig, eine Stelle zu haben, die Gleichstellungsgesetze durchsetzt. Doch sie haben nur wenig Vertrauen in die Fachstelle und sehen auch andernorts Schwierigkeiten: Fritz Müller findet, in Zürich brauche es einzig «eine Vollzugsbehörde, die Diskriminierungen strafrechtlich verfolgt». Er glaubt aber, dass man dazu «noch griffige Gesetze und Strafen» benötige.

Andere, wie Thomas Marthaler, finden: «Gleichstellung schafft Mehrwert in allen Bereichen.» Rolf Benz erinnert daran, dass besonders in puncto Lohn noch lange keine Gleichberechtigung herrsche und die Fachstelle durchaus von Nöten sei. Nur SVP-nahe Kreise «können ernsthaft behaupten, es gebe keine Diskriminierung gegen Frauen mehr.»

Männer diskriminierter?

Anders sieht dies Karl Müller: «Heute sind nachweislich die Männer von legislativer Diskriminierung betrofffen und nicht mehr die Frauen.» Dem stimmen viele – vor allem männliche Kommentarschreiber – zu: Robin Müller sieht die Männer bezüglich Militär, der Rechte am Kind nach einer Scheidung oder Vaterschaftsurlaub im Nachteil.

Besonders das Thema Militär stösst auch vielen anderen sauer auf. «Wir haben eine Schützenkönigin», meint René Zürcher in Anspielung aufs Knabenschiessen, «wo ist die Wehrpflicht für Frauen?» Selbst von Frauen, wie Anna Meier, erhält er dafür Zuspruch: «Ich verstehe nicht, warum man nicht schon lange eingeführt hat, dass Frauen und Männer Militär- oder Zivildienst leisten müssen.»

Einzig Lea Jacot erinnert daran, dass sich dies die Männer wohl selbst zuzuschreiben haben. Als dies mit dem Wehrdienst zur Debatte gestanden habe, hätten Frauen noch nicht wählen dürfen und die Männer keine Frauen in Uniform gewollt. «Ihr könnt euch doch nicht selber diskriminieren und uns Frauen die Schuld geben.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.09.2012, 15:31 Uhr

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