Hier steigen Zürcher Diebe am liebsten ein
Von Beat Metzler. Aktualisiert am 08.10.2011 7 Kommentare
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Zwei Minuten braucht Thomas Ernst, um aus dem Bett in seinen Veloladen zu hetzen, nachdem die Alarmanlage losgegangen ist. Sein Handy, das den Alarm überträgt, reisst ihn aus dem Schlaf. Ernst schlüpft in die Schuhe, schnappt die bereitgelegte Identitätskarte, schwingt sich auf das Velo. Meistens trifft er noch vor der Polizei ein. Aber die Einbrecher, die sind immer schon weg.
Das nächtliche Sprintprogramm ist schon fast zur Routine geworden. Seit Februar hat man bei Ernst vier Mal eingebrochen. Während der letzten dreieinhalb Jahre, in denen er sein Fahrradgeschäft an der Flüelastrasse betreibt, waren es insgesamt acht Mal. Viel Beute machten die Einbrecher dabei nicht: einmal ein Tresor voller für sie nutzloser Veloschlüssel, einmal ein Elektrobike für 4000 Franken, meist etwas Kleingeld. 79 Franken waren es in der Nacht auf letzten Donnerstag, als ein Einbrecher eine Scheibe einschlug, einstieg und die Kassenschublade plünderte.
Das Bargeld geht jeden Abend zur Post
«Wir bringen unser Bargeld jeden Abend auf die Post», sagt Ernst. Wertvoller wären die über 100 E-Bikes, die der 31-Jährige in seinem Geschäft ausstellt. Zusammen erreichen sie einen Wert von über einer halben Million Franken. Velos sind denn auch begehrtes Diebesgut. Gemäss dem Onlinemagazin «Cyclinfo» haben Diebe im September mehrere Schweizer Fahrradläden heimgesucht. Die Täter nahmen dabei nur die teuersten Modelle mit. In Zürich hat die Polizei aber keine Zunahme festgestellt.
«Dank der Alarmanlage, die sofort losschrillt, bleibt den Einbrechern bei mir keine Zeit für eine gross angelegte Ausräumaktion», sagt Ernst. Aufgrund des Vorgehens glaube er sowieso, dass es sich nicht um Profis handle, sondern um Verzweifelte, die schnell Geld bräuchten. Für sie liegt Thomas Ernsts Geschäft geradezu ideal. Auf der Flüelastrasse kreuzen nachts nur wenige Passanten, rundherum stehen dunkle Bürogebäude und Lagerhallen. Die nächste Wohnung befindet sich im obersten Stock des ehemaligen Bürohauses. Schon bei seinem Vorgänger, einem Töffhändler, seien regelmässig Einbrecher eingestiegen, sagt Ernst.
In spärlich bewohnten Gebieten liege das Risiko für Einbrüche in Geschäftsliegenschaften höher, bestätigt Polizeisprecherin Judith Hödl. In den letzten zwei Jahren hat die Stadtpolizei an der Flüelastrasse rund ein Dutzend Einbrüche registriert, die Hälfte davon blieben Versuche, bei denen nichts entwendet wurde. «Jeder Einbruch ist einer zu viel. Aber wir stellen dort keinen Schwerpunkt fest», sagt Hödl.
Geld fehlt für Lichtmelder
Wegen der ständigen Eingriffe hat sich Ernst schon öfters den Einbau anderer Sicherheitsanlagen überlegt, einen stillen Alarm etwa, um die Einbrecher während der Tat stellen zu können, Lichtmelder ums ganze Gebäude oder Videokameras. «Aber das ist auch eine Kostenfrage», sagt Ernst. Sein Vertrag laufe noch zwei Jahre lang, danach werde das Haus saniert. Deshalb lohnten sich solch hohen Investitionen nicht.
So bleibt Ernst nur eins übrig: Jeden Abend mit der Sorge einzuschlafen, dass er auch in dieser Nacht wach geschellt werden könnte. Und das Trostpflaster, dass er dank der Einbrüche eine gewisse Medienpräsenz erreicht hat. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.10.2011, 10:44 Uhr
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7 Kommentare
Tja, während man den grossen Firmen Geld schiebt, damit sie es den Aktionären verteilen können, haben die Kleinen neben ihren Sorgen auch noch eine höhere Steuerbelastung als die Fetten. So schaut die SVP zum Volk...
Und er darf nicht mal selbst seine Sachen schützen, sonst landet am Schluss er selbst noch im Gefängnis. Die Versicherung wird auch mucken; nicht lustig so als Kleinunternehmer.
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