Hier werden Bananenblätter in die Tramschienen gestopft

Am Limmatquai gabs Ungewohntes zu sehen: An der Leichtathletik-EM war heute der erste Tag der Geher. Damit die Sportler nicht über die Schienen stolpern, haben die Organisatoren einen Trick aus Holland angewandt.

«Die Rutschgefahr ist weiterhin da, trotz Bananenblätter in den Schienen»: Kaspar Egger vom OK der Leichtathletik-EM in Zürich.
Video: Sebastian Rieder

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Nach 9.20 Uhr heute Mittwochmorgen gingen Sportler das Limmatquai rauf und runter. Richtig: gingen von gehen. Gewöhnungsbedürftig sind allenfalls die Bewegungen dieser Geher-Cracks. Grund dafür ist, dass stets ein Fuss den Boden berühren muss. Sie dürfen nie ins Joggen geraten. Ansonsten gibt es einen Verweis.

Damit die Geher nicht ins Stolpern geraten, muss die Unterlage möglichst eben sein. Aus diesem Grund sind am Morgen früh die Tramschienen des Limmatquais mit Tauen aus Bananenblättern gestopft worden. Wie Kaspar Egger, Head of Road Races der Leichtathletik-EM, erklärt, taugen die hier üblichen Hanftaue nicht. Sie faulen von innen, wenn sie nass werden. Und nass – so ist zu befürchten – wird es in den nächsten drei Geher-Tagen am Limmatquai.

Getestet und für gut befunden

Besser geeignet als Geleisefüllung sind Taue aus Bananenblättern. «Sie sind wesentlich wasserresistenter,» sagt Egger. Gefunden hat er diese Spezialität in Holland. Dort ist man sich gewohnt, Schienen zu füllen. Die Royals fahren in Den Haag ab und zu von ihrer Residenz in die Kathedrale – in einer Kutsche mit dünnen Rädern. Diese dürfen nicht in den Geleisen steckenbleiben, weshalb man ein entsprechendes Stopfsystem entwickelt hat.

Für die Leichtathletik-EM haben die beiden Schweizer Geherinnen-Stars, die Schwestern Laura und Marie Polli, die Taue getestet und für gut befunden. Das grössere Problem für die Geher werden die glitschigen Geleise sein, wenns regnet. «Doch fürs Wetter können wir nicht verantwortlich gemacht werden», sagt Egger lachend. Wie teuer die ganze Unternehmung ist, will Egger nicht verraten. Er deutet aber an, dass das Ganze nicht billig war.

Einfach und schnell

Heute Morgen ab 6 Uhr fuhren also Fahrzeuge des Zivilschutzes mit Bananenblätterbobinen im Schlepptau die Strecke zwischen Rathaus und Bellevue auf und ab. Dahinter Zivilschützer, welche die 3,5 Zentimeter dicken Taue in die Schienen zwängen. Manchmal gelingt es besser, manchmal müssen sie sich richtiggehend daraufwuchten.

Ein gewichtiges Argument für dieses System war, dass die Taue schnell verlegt und auch schnell wieder entfernt sind. Denn eine halbe Stunde nach dem Ende des Rennens fahren die Trams wieder auf dem Limmatquai. Das wird gegen Mittag sein.

Strenges Auge von Ulrich Zwingli

Die Taue sind nur für die zwei 20-Kilometer-Geh-Wettbewerbe der Männer und Frauen sowie den 50-Kilometerlauf der Männer. Für den letzten Wettbewerb am Freitag werden die Taue bis zum Central verlegt. Die Marathonläufer benötigen keine gestopften Schienen, sie hüfen einfach darüber.

Die Holländer verfügen über 50 Kilometer Bananenblättertaue, Zürich braucht nur gut 3 Kilometer. Die sechs 500-Meter-Bobinen lagern, streng bewacht von Ulrich Zwingli, bei der Wasserkirche. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 13.08.2014, 07:45 Uhr)

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Bananenblätter in den Schienen

Bananenblätter in den Schienen Die Tramgeleise werden für die Geher-Wettbewerbe der Leichtathletik-Europameisterschaft in Zürich gestopft.

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