Hotel Atlantis: Die Besitzer dürfen ihre Umbaupläne nicht realisieren

Die luxemburgische Holding kann keine Eigentumswohnungen bauen – wegen der Lex Koller.

Das ehemalige Hotel Atlantis 2008, als es als Unterkunft für Asylsuchende genutzt wurde.

Das ehemalige Hotel Atlantis 2008, als es als Unterkunft für Asylsuchende genutzt wurde. Bild: Sophie Stieger

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Das Hotel Atlantis darf nicht in Eigentumswohnungen umgebaut werden. Der Grund: die Lex Koller – das Hotel gehört einer luxemburgischen Holding. Zwar durfte diese das Hotel ohne Bewilligung kaufen. «Hingegen ermöglicht die Lex Koller nicht, ein bewilligungsfrei erworbenes, betrieblich genutztes Grundstück wie ein Hotel zu Eigentumswohnungen umzubauen», sagt Folco Galli, Sprecher des Bundesamts für Justiz.

«Massgeblich ist der Sitz der Gesellschaft»

Die Hoteleigentümerin, die Rosebud Hôtels Holding aus Luxemburg, ist sich dieser Schwierigkeit noch nicht bewusst. Pierre Buyssens, einer der beiden Holding-Aktionäre, sagte gestern auf Anfrage, er und sein Geschäftspartner seien Schweizer, womit dies kein Fall für die Lex Koller sei. Doch dem widerspricht das Bundesamt für Justiz: «Massgeblich ist der Sitz der Gesellschaft», sagt Sprecher Galli.

Der Umbau des Hotels bedürfte darum einer Ausnahmebewilligung durch den Kanton Zürich. Solche Ausnahmebewilligungen können allerdings nur dann erteilt werden, wenn einer der gesetzlich vorgesehenen Gründe gegeben ist. Doch einen solchen gibt es im vorliegenden Fall nicht. Weder handelt es sich beim Projekt um «sozialen Wohnungsbau» noch um «Ferienwohnungen». Der Kanton Zürich habe darum gar keine Handhabe, den Umbau in Eigentumswohnungen zu bewilligen, heisst es im Bundesamt.

Deutliche Ansagen

2001 hatte die Rosebud Holding das Atlantis als Hotel gekauft. Das ging ohne Lex-Koller-Bewilligung, denn ausländische Gesellschaften dürfen sogenannt betrieblich genutzte Grundstücke ohne Bewilligung kaufen.

Aufsichtsbehörde dafür, dass die Lex Koller im Kanton Zürich eingehalten wird, ist das Amt für Wirtschaft und Arbeit. Dort will man sich zum Fall Hotel Atlantis nicht äussern – «aus Datenschutzgründen», wie Sprecherin Irene Tschopp sagt. Im Bundesamt für Justiz hingegen fallen deutliche Worte: Sollten die Eigentümer des Atlantis aus dem Hotel trotz allem Wohnungen machen, müsste die Aufsichtsbehörde die Eigentümer dazu zwingen, das Ganze rückgängig machen.

Der Wunsch vom Hotel in Zürich

Bisher hat die Rosebud Holding noch gar kein Umbaugesuch eingereicht. Angesichts der gesetzlichen Bestimmungen wäre ein solches Gesuch auch zwecklos.

Somit bleibt der Rosebud Holding eigentlich nur noch die Option eines Verkaufs. Laut Aktionär Buyssens gebe es eine internationale Hotelkette, die am Erwerb des Atlantis interessiert sei. Es handle sich um eine Premium-Hotelkette, die das Atlantis zu einem 5-SterneHotel mit 150 Zimmern machen wolle. Die Kette sei auf dem europäischen Festland noch nicht präsent, wolle aber «unbedingt in Zürich ein Hotel eröffnen». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.11.2010, 07:20 Uhr

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Bereits 150 Interessenten

Das Hotel Atlantis liegt in einer Wohnzone. Nun will der Unternehmer Werner Hofmann dort als Zwischenlösung Zimmer für Studenten anbieten. Laut Urs Spinner vom Hochbaudepartement liegt kein Gesuch des Mieters oder Eigentümers für einen Umbau vor. Weiss die Stadt, dass etwas im Tun ist, kann sie selbst aktiv werden und prüfen, ob eine Bewilligung nötig ist. Man warte derzeit noch ab, heisst es.

Die Hoteleigentümer suchen nach eigenen Angaben seit Mai 2010 nach einer Interimslösung für das Atlantis. Hofmann verlangt für ein Zimmer mit Bad und Kühlschrank sowie allenfalls Kochmöglichkeit 400 Franken. Mietvoraussetzung ist eine Legi oder ein Lehrlingsausweis. «Bereits sind 150 Anmeldungen bei uns eingegangen», sagt Hofmann. Die Gesamtmiete koste monatlich 80 000 Franken, inklusive Heiz und Nebenkosten, liess er sich in den Medien zitieren. Damit würde er bei den jetzt festgelegten 174 Einheiten rote Zahlen schreiben. Neu spricht Hofmann von 50 000 Franken Miete. Neben den Studentenzimmern will Hofmann im obersten Stock auch Suiten anbieten sowie die Tiefgaragenplätze und die Säle im Hotel und in der Döltschistube vermieten.

Hofmann liebäugelt mit dem Kauf einer Liegenschaft beim Regensdorfer Bahnhof. «Falls dies gelingt, könnten die Studenten nach Ablauf der Zwischennutzung im Atlantis dorthin ziehen.»

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