Zürich

«Ich habe vorher angefragt, woher der Fisch kommt»

Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 24.03.2011 11 Kommentare

Seit der Atomkatastrophe in Japan sind Konsumenten skeptischer gegenüber japanischen Produkten. Auf Sushi will in Zürich aber niemand verzichten – im Gegenteil.

1/8 In Zürich trotz Atomkatastrophe in Japan noch immer ein Renner: Das Fischgericht Sushi. Heikel sind lediglich die Algenblätter, die um die Reisrollen gewickelt sind. Sie werden meist aus Japan importiert.
Bild: Shinsen AG

   

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Den Zürcherinnen und Zürchern ist die Lust auf Sushi trotz Katastrophenmeldungen aus Japan nicht vergangen. Die Sushi-Bar im Pic Nic an der Zürcher Bahnhofstrasse ist am Mittwochmittag bis auf den letzten Platz belegt. «Wir verkaufen sehr viele Gerichte an unserer Bar», sagt eine Mitarbeiterin. «Seit der Katastrophe in Japan haben wir nur zwei Anfragen gehabt, von wo die Fische für unser Sushi stammen. Und zwar von zwei Japanern.»

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Sushi-Restaurant Yooji's an der Josefstrasse im Zürcher Kreis 5. Die Plätze sind gut belegt, laufend kommen Kunden herein, die eine Portion der japanischen Fischspezialität mitnehmen möchten. «Wir haben keinerlei Einbussen», meint denn auch die Kassiererin.

«Ich wollte wissen, woher der Fisch kommt»

Die Yooji's AG informiert ihre Kunden aktiv über die Herkunft der Lebensmittel. «Frischwaren wie Reis und Fisch werden nicht in Japan bezogen», heisst es auf Flyern, die auf den Tischen im Restaurant aufliegen. Lediglich konservierte Lebensmittel, die ohne gesundheitliche Bedenken konsumiert werden können, würden aus Japan stammen.

Corinne Grollmuss, die sich gerade eine Portion Sushi gönnt, ist daher kaum beunruhigt. «Ich vertraue den Angaben des Restaurants. Das muss ich ja! Auch wenn ich irgendwo Fleisch essen gehe.» Diese Meinung teilt auch ihr Gegenüber, Michel Eggenberger: «Ich habe keine Bedenken, hier zu essen. Aber am Wochenende haben wir zum Sushi-Essen in einem Restaurant abgemacht, das ich noch nicht kenne. Da habe ich vorher per E-Mail angefragt, woher der Fisch kommt. Eine Antwort habe ich bisher noch nicht erhalten.»

Die Gefahr lauert in den Algenblättern

Tatsächlich ist die Gefahr einer Strahlenkontamination bei den Fischen, die für Sushi-Gerichte verwendet werden, gering. Sie stammen mehrheitlich aus europäischen Gewässern. Problematischer sind die Algenblätter, die man zum Umwickeln der Makis braucht. Sie werden meist aus Japan importiert.

Doch auch da gibt es Alternativen, sagt Dino Bacchetta von der Shinsen AG, die Sushi für Firmen wie Gate Gourmet und Coop produziert. «Die sogenannten Noriblätter kann man auch in China oder Südkorea kaufen. Im Moment sind die Lager allerdings noch voll und es sind auch noch Container mit Lebensmitteln aus Japan nach Europa unterwegs, die noch vor der Katastrophe verarbeitet wurden.»

Der Shinsen AG gehen daher die Aufträge nicht aus. Im Gegenteil. «Die Umsätze sind sogar gestiegen», sagt Bacchetta. «Vielleicht liegt es daran, dass man mehr über Japan spricht. Unsere Kunden fragen allerdings praktisch nicht nach der Herkunft der Fische.»

«Die Hysterie ist in der Schweiz grösser als in Japan»

Ein ganz anderes Feedback der Kunden hat Eva Zehnder, Geschäftsführerin der Sato AG. Ihr Laden an der Ausstellungsstrasse 39 im Kreis 5 ist spezialisiert auf japanische Betten und japanisches Wohnen. «Wir hatten Anfragen von Kunden, die wissen wollten, ob die bereits bestellten Futons verstrahlt sein könnten», sagt sie gegenüber Tagesanzeiger.ch. «Das hat mich sehr erstaunt. Wir produzieren unsere Futons in der Schweiz und das Material stammt aus Europa.»

Und noch etwas erstaunte Zehnder: «Vergangenen Freitag feierten wir in unseren Räumen die Vernissage einer Fotoausstellung im Beisein der Künstler. Es haben tatsächlich ein paar Leute im Vorfeld angefragt, ob der Anlass überhaupt stattfindet.» Die Vorfälle in Japan hätten generell dazu geführt, dass im Laden mehr diskutiert wird. «Die Gespräche sind sehr bereichernd. Aber die Hysterie ist hier viel grösser als in Japan selbst.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.03.2011, 10:38 Uhr

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11 Kommentare

Felix Steiner

24.03.2011, 16:14 Uhr
Melden 6 Empfehlung

In Anbetracht der Geschehnisse der jüngsten Zeit, wäre es wohl Bescheidenheit angesagt. Brauchen wir wirklich Sushi, Schneekanonen, Formel 1-Rennen, Strassenbeleuchtung bis zum Abwinken etc. und sonstige Belustigungen, die nur Energie welcher Art auch immer vertilgen. Wir werden reden und reden, aber niemals handeln. So ist der Mensch bis zur nächste Katastrophe. Antworten


Jens Gloor

24.03.2011, 21:45 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Das Wasser auf diesem Planeten befindet sich in einem Kreislauf. Früher oder später wird jede(r) seine 'homöopathische' Dosis abbekommen. Atomkraft wird immer 'saubergeredet' - ist es aber nicht. Antworten



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