«Ich mache den Job übrigens gern»

Der kritisierte Stadtrat Richard Wolff (AL) will auch nach den Wahlen 2018 das Sicherheitsdepartement führen.

Richard Wolff findet, ein Departementswechsel wäre unverhältnismässig. Foto: Urs Jaudas

Richard Wolff findet, ein Departementswechsel wäre unverhältnismässig. Foto: Urs Jaudas

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Statthalter macht Ihnen im Untersuchungsbericht harte Vorwürfe. Was sagen Sie dazu?
Der Bericht ist meiner Meinung nach zu negativ ausgefallen. Er lässt die Rahmenbedingungen einer Hausbesetzung ausser Acht, besonders jene des Koch-Areals. Das Koch-Areal ist punkto Personenmenge und Veranstaltungen eine komplexe Besetzung. Zweitens stört mich, dass der Bericht des Statthalters suggeriert, es sei nichts gemacht worden seitens der Stadt. Das stimmt nicht. Die Stadt hat einiges erreicht bezüglich Lärm und jetzt auch in Sachen Sicherheit im Brandfall. Die Stadt führt die begonnene Arbeit weiter, nun einfach mit schärferen Mitteln und mit den uns vorgegeben Empfehlungen des Statthalters.

Sind Sie überrascht von der Schärfe der Wortwahl in Kläntschis Bericht?
Schon. Der Text klingt stellenweise wie eine politische Streitschrift. Es kommen abwertende Formulierungen vor, die im behördlichen Umgang ungewöhnlich sind.

Der Statthalter wirft Ihnen unter anderem vor, zu sehr auf Dialog statt auf Taten gesetzt zu haben. Hat er recht?
Tatsächlich kann man sagen, dass ich sehr geduldig gewesen bin, stark auf den Dialog mit den Besetzern gesetzt habe und auch das zweite, dritte und auch noch das vierte Gespräch gesucht habe. Diesen Vorwurf akzeptiere ich. In der Nachbarschaft und in der Öffentlichkeit war die Geduld nicht so gross, vor allem als der Lärm aus dem Areal nicht im gewünschten Mass zurückging. Im Stadtrat haben wir im letzten Sommer neue Regeln erlassen und gehandelt – das habe ich unterstützt. Grundsätzlich finde ich es richtig, wie die Stadt mit besetzten Liegenschaften umgeht.

Warum?
Wir haben mit unserem Umgang bei Besetzungen insgesamt Erfolg. Man setzt auf den Dialog, strebt zusammen mit Besetzern Verbesserungen an, wenn es Probleme gibt. Nicht alle Widersprüche lassen sich auflösen. Aber diese Politik funktioniert. Wir haben in Zürich im Durchschnitt immer zwischen zwanzig und dreissig Hausbesetzungen, davon merkt die Öffentlichkeit kaum etwas.

Was sagen Sie zu den Forderungen nach Rücktritt oder nach einem Departementswechsel?
Diese Forderungen sind billig. Es gibt im Sicherheitsdepartement viele Themen, die ich bearbeite, der Umgang mit Hausbesetzungen ist nur eines davon. Weil ein besetztes Areal gerade in der Kritik steht, zurückzutreten oder das Departement zu wechseln, wäre völlig unverhältnismässig. Ich mache den Job im Sicherheitsdepartement übrigens gern, im Moment laufen hier viele spannende Projekte.

Der Bericht ist eine schwere Hypothek für Ihren Wahlkampf. Ist das Sicherheitsdepartement für Sie immer noch ein Thema im nächsten Jahr?
Klar. Ein Sicherheitsvorsteher ist oft Kritik ausgesetzt, das gehört ein Stück weit zu diesem Amt. Und im Wahlkampf weht der Wind noch ein bisschen stärker. Auch das gehört zur Politik.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.03.2017, 00:08 Uhr

Artikel zum Thema

Richard Wolff ist unglaubwürdig

Kommentar Der Sicherheitsvorsteher hat den Wandel vom alt-linken Berufsprotestler zum Magistraten nicht geschafft. Rechtsfreie Räume dürfen nicht toleriert werden. Mehr...

Richard Wolff als «beratungsresistent» gerüffelt

In Sachen Koch-Areal kriegt der Zürcher Polizei-Vorsteher sein Fett weg. Ein Bericht macht mächtig Druck auf die Stadt. Mehr...

Stadtrat bezeichnet Ton der Kritik als «unangemessen»

Nach dem Rüffel zum Umgang mit dem Koch-Areal reagiert die Stadtzürcher Regierung und weist einen Vorwurf zurück. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

TA Marktplatz

Kommentare

Paid Post

Schutz für Hypothekarkunden

Die Zürcher Kantonalbank schützt die Hinterbliebenen vor den finanziellen Folgen eines Todesfalls.

Die Welt in Bildern

Vom Statussymbol zum Ersatzteillager: Ein Arbeiter bedient sich an einem Hindustan Ambassador auf einem Markt in Kalkutta, Indien (23. März 2017).
(Bild: Rupak De Chowdhuri ) Mehr...