Zürich

«Ich sehe in der Bewegung eine billige, konzeptlose Show»

Von Jvo Cukas. Aktualisiert am 28.10.2011 66 Kommentare

Die SVP und FDP wollen den Lindenhof geräumt sehen. Bei den Lesern von Tagesanzeiger.ch/Newsnet überwiegt die Unterstützung der Aktivisten – trotz scharfer Kritik.

Räumen oder stehen lassen: Das Camp der Aktivisten von «Occupy Paradeplatz» auf dem Lindenhof.

Räumen oder stehen lassen: Das Camp der Aktivisten von «Occupy Paradeplatz» auf dem Lindenhof.
Bild: Doris Fanconi

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Seit bald zwei Wochen campieren die Aktivisten von «Occupy Paradeplatz» nun auf dem Lindenhof. Im bürgerlichen Lager im Gemeinderat wurde nun Kritik an Stadtrat Daniel Leupi laut. Er foutiere sich um die Rechtsgleichheit. Alle anderen müssten eine Bewilligung haben und 250 Franken bezahlen, wenn sie auf öffentlichem Grund Platz für politische Veranstaltungen beanspruchten. FDP und SVP verlangen die Räumung des Lindenhofes.

Auch von Seiten der Leser von Tagesanzeiger.ch / Newsnet gibt es Applaus für das bürgerliche Unverständnis. «Die Lindenhofbesetzung gehört aufgeräumt», meint Cédric Schmid, «irgendwo hat alles Grenzen.» Auch Hanspeter Zuberbühler empört sich: «Wenn ich auf dem Lindenhof mein Zelt aufschlagen würde, wäre mir eine Busse sicher.» Und Sandro Gasser fragt sich mit ironischem Unterton: «Angenommen ich besetze einen Parkplatz und beschrifte mein Auto mit Texten gegen Banken, wird das auch toleriert?»

Recht auf freie Meinungsäusserung

Auch die Bewegung allgemein stösst teilweise auf Unverständnis: «Ich sehe in dieser Bewegung eine konzeptlose, billige Show», schreibt etwa Silvie Blake. Viele Leser gehen dabei gar soweit, dass sie anzweifeln, ob auf dem Lindenhof überhaupt jemand die arbeitende Bevölkerung repräsentiere. Ruedi Lienhart fragt sich, stellvertretend für einige: «Wieviele auf dem Lindenhof leben vom Sozialamt?»

Die Antwort erhält er postwendend. Patrick Meier schlägt vor man soll mal tagsüber auf dem Lindenhof vorbeigehen. Dann seien dort kaum Leute. «Warum wohl? Die meisten gehen einer Arbeit nach.» Die Unterstützung der Aktivisten macht denn auch die Mehrheit der Leser-Kommentare aus. Hans Hasler empört sich, dass genau jene Parteien nun nach einem Eingreifen rufen, die sich sonst an bürokratischen Regeln stossen. «Das Recht auf freie Meinungsäusserung ist hier klar höher zu gewichten als eine bürokratische Bewilligungspflicht.»

Auch Christoph Geiser findet «den Ärger der bürgerlichen langsam lächerlich.» Die FDP erhalte wohl genügend Unterstützung aus Wirtschaftskreisen, um sich 250 Franken leisten zu können. «Ich habs auch gern korrekt, aber man kann es auch übertreiben.» Stadtrat Leupi wird von manchem Leser dementsprechend gelobt. «Ein grosses Bravo und Danke an Herrn Leupi», spricht etwa Joe Iten aus.

Werden Besucher mundtot gemacht?

Viele der Leser, ob der Bewegung kritisch gegenübergsetellt oder unterstützend, scheinen sich auf dem Lindenhof ein eigenes Bild der Lage gemacht zu haben. Für eine längere Diskussion sorgt dabei ein Zwischenfall, der sich dort am vergangenen Dienstag an einer Versammlung zugetragen hat. «Als sich ein älterer Mann zu Wort meldete, der nicht zur Bewegung gehört, fuhr ihm ein Aktivist in barschem Ton über den Mund, worauf der Senior irritiert die Runde verliess», schreibt Danilo Cortesi. Dies ist Anlass für Kritik, da sich die «Occupy»-Bewegung, die Offenheit gegenüber allen, die vorbeischauen, auf die Fahnen schreibt. Michele Rezzoni bestätigt den Vorfall, weist aber darauf hin dass sich ein anderer Aktivist für das Vorgehen entschuldigte und sich um den Herrn kümmerte.

Dennoch mahnt Adrian Meier: «Die Bewegung sollte sich um einen friedlichen und demokratischen Protest bemühen. Dazu gehört auch, gewaltfrei (auch verbal) zu bleiben.» Eine Antwort eines Bewegten bleibt nicht aus: «Gewaltfrei werden wir sicher bleiben, lieber Herr Meier», schreibt Gunnar Jauch.

Für morgen Samstag haben die Aktivisten erneut die Möglichkeit, dies zu beweisen. Das linke Internetportal indymedia kündigt eine Protestkundgebung auf dem Helvetiaplatz an, welche nicht im direkten Zusammenhang mit der «Occupy»-Bewegung steht. Laut dem linken Blog eschenring.ch sollen aber auch auf dem Paradeplatz wieder Veranstaltungen stattfinden.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.10.2011, 15:57 Uhr

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66 Kommentare

Ernst Dittmar

28.10.2011, 16:28 Uhr
Melden 82 Empfehlung

Rechtsgleichheit? Eine berechtigte Forderung. Ich will Lotto spielen. Und wenn ich nicht gewinne, dann will ich den Einsatz vom Staat zurück! Genau wie die Banken, wenn ihre Spekulationen mit Hebel nicht aufgehen. Zudem will ich Boni, vom Staat bezahlt natürlich. Auch wenn ich einen schlechten Job mache und im Lotto nicht gewinne. Gleiches Recht für alle! Da stimme ich mit SVP und FdP überein! Antworten


Lara Kraft

28.10.2011, 17:50 Uhr
Melden 75 Empfehlung

Na klar wollen die $VP und die FDP diese Leute nicht sehen, sie demonstrieren ja ausser anderem auch gegen die beiden "Parteien". So fühlen sie sich halt gestört beim unsaubere Geschäfte machen. Antworten



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